Wenn am Freitag über die zukünftige Höhe des Mindestlohns entschieden wird, stehen aus Sicht von Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) auch Existenzen von Bauern auf dem Spiel. Deshalb müsse für die Landwirte eine Ausnahme gemacht werden, forderte der Minister.
Es dürfe der beratenden Kommission aus Arbeitgebern und Gewerkschaften nicht nur um betriebswirtschaftliche Erwägungen gehen. "Es geht vor allem darum, ob sich Landwirtschaft als Ganzes in unserem Land noch lohnt und auskömmlich betrieben werden kann", sagte Hauk.
Höherer Mindestlohn: BW-Landwirtschaftsminister fordert Ausnahme für Bauern
Hauk kritisierte, die Lohnkosten seien in der Obst- und Gemüseproduktion bereits heute mit bis zu 60 Prozent der größte Kostenblock. Aus seiner Sicht muss bei den Beratungen auch unterschieden werden zwischen Beschäftigten, die dauerhaft in Deutschland leben und so mit ihrem Mindestlohn die gestiegenen Lebenshaltungskosten abdecken müssen - und Saisonarbeitskräften, die nur kurzfristig im Land arbeiten.
Das ist eine soziale Ungerechtigkeit.
Am Montag hatte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes und des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg, Joachim Rukwied, in der Rheinischen Post gefordert, dass Saisonarbeitskräfte 80 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns erhalten sollten. Sein Argument: Saisonarbeitskräfte hätten ihren Lebensmittelpunkt "schließlich nicht in Deutschland".
Gekürzter Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte? Diese Kritik gibt es
Deutliche Kritik an dem Vorschlag gab es unter anderem von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). "Der Name sagt es ja schon, Mindestlohn. Unter diese äußerste untere Grenze sollte das Entgelt nicht fallen, damit die Menschen einigermaßen davon leben können", erklärte der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Harald Schaum.