Baden-Württemberg und Bayern starten seit Jahren als letzte Bundesländer in die Sommerferien. Das sorgt immer wieder für Kritik. Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026, Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU), lehnen eine andere Regelung des Starts jedoch ab.
Die Debatte hatte die nordrhein-westfälische Kultusministerin Dorothee Feller (CDU) ausgelöst, weitere Politiker sind eingestiegen. Auch ein Sprecher des grün-geführten Kultusministeriums in Niedersachsen kritisiert die aktuelle Regelung als "unbefriedigend".
Sommerferien-FAQ Warum Baden-Württemberg später Sommerferien hat als andere Bundesländer
Aus anderen Bundesländern kommt Kritik, Ministerpräsident Kretschmann hält an der Regelung fest. Dass Baden-Württemberg und Bayern als Letztes Sommerferien haben, hat jedoch einen einfachen Grund.
Cem Özdemir sieht kein Problem
Der Spitzenkandidat der Grünen für die anstehende Landtagswahl möchte nichts an den Zeiten der Sommerferien in Baden-Württemberg ändern. Auf der Plattform X schreibt Cem Özdemir, die Debatte sei überflüssig und löse kein Problem, weil es gar keines gebe. "Der Sommerferienkalender hat sich seit Jahren bewährt. Die baden-württembergischen Sommerferien passen gut so, wie sie sind", so Özedmir.
Manuel Hagel: Späte Beginn der Sommerferien ist durchdachte Regelung
Auch Manuel Hagel, der Spitzenkandidat der CDU für die nächste Landtagswahl, positioniert sich gegen den Vorstoß. Auf der Plattform X schreibt er, der späte Beginn der Ferien sei "kein Privileg, sondern Teil einer durchdachten und bewährten Regelung" im Sinne der "Schülerinnen und Schüler, Lehrinnen und Lehrer und Familien" in Baden-Württemberg. Diese sei "einfach gut so, wie es ist".
Kretschmann verweist auf festgelegte Ferienzeiträume
Die Sommerferien werden von der Kultusministerkonferenz geregelt. Eine Änderung wäre frühestens zum Schuljahr 2030/31 möglich. Auch der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), verweist darauf, dass die Ferienzeiträume bereits bis zum Schuljahr 2029/2030 festgelegt sind.
GEW schlägt Umkrempeln des Systems vor
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg ist offen für eine veränderte Regelung der Sommerferien. Für die jetzige, nach der Baden-Württemberg und Bayern immer als letzte in die Ferien starten, gebe es keine sachlichen oder pädagogischen Argumente, sondern lediglich historisch gewachsene Gründe, sagte GEW-Sprecher Matthias Schneider.
Schneider schlug erneut eine sogenannte Trimesterlösung vor, mit einem langen Ferienblock im Sommer und weiteren, kürzeren Blöcken rund um Weihnachten und im April/Mai. Dafür müssten dann aber auch andere Ferien verlegt beziehungsweise von Feiertagen entkoppelt werden. "Das wäre ein völliges Umkrempeln des bisherigen Systems", sagte er.
Landeselternbeirat: Bundesländer sollen Rotation sinnvoll nutzen
Der Vorstand des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, Sebastian Kölsch sagte, er sei bei der Frage leidenschaftslos. Allerdings verstehe er das Ansinnen von NRW nicht so ganz. "Denn dann müsste man ja davon ausgehen, dass ein späterer Beginn immer von Vorteil ist", sagte er. Das sei aber nicht der Fall. So sei es für die Schüler in Baden-Württemberg nicht optimal gewesen, bei der Hitzewelle vor zwei Wochen noch im Klassenzimmer sitzen zu müssen. Auch das Argument mit der günstigeren Nebensaison im September zieht aus seiner Sicht nicht. "Es fährt ja nicht jeder auf den letzten Drücker in den Sommerurlaub."
Außerdem nutzten die 14 Bundesländer, die ihre Sommerferien in einer Rotation organisieren, ihren Spielraum für die Sommerferien nicht in vollem Umfang: Grundsätzlich könne zwischen Ende Juni und Ende Juli für den Beginn der Sommerferien rotiert werden. Hessen, das Saarland und Rheinland-Pfalz etwa, die gemeinsam Ferien machten, seien beispielsweise im Jahr 2018 am 25. Juni in die Sommerferien gestartet, im Jahr 2022 am 25. Juli - nur drei Tage früher als Baden-Württemberg in dem besagten Jahr.