Familienferien, Freizeiten, Förderprogramme

Urlaub in den Sommerferien 2025: Hier gibt es Unterstützung für Familien mit knappem Budget

Billig ist Urlaub mit Kindern nur selten - erst recht in den Sommerferien. Familien mit drei oder mehr Kindern und Alleinerziehende haben häufig ein besonders knappes Budget. Doch es gibt Hilfsangebote - auch in BW.

Teilen

Stand

Von Autor/in Marc-Julien Heinsch

Am 31. Juli beginnen auch in Baden-Württemberg die Sommerferien. Für viele Familien mit Kindern geht es dann in den Urlaub. Doch laut jüngsten Erhebungen kann sich jeder Fünfte in Deutschland keine Woche Urlaub im Jahr leisten. Umfragen zeigen: Für Familien sind auch andere beliebte Ferienaktivitäten wie ein Besuch im Freizeitpark finanziell oft schwer zu stemmen.

Damit Familien mit wenig Geld oder anderen Belastungen trotzdem gemeinsam Urlaub oder einen Ausflug machen können, gibt es bundesweit und in Baden-Württemberg verschiedene Angebote wie gemeinnützige Familienferienstätten und Jugendherbergen mit Familienzimmern. Auf SWR-Nachfrage berichten die Anbieter von großer Nachfrage für die anstehenden Sommerferien. Insbesondere die gemeinnützigen Familienferienstätten seien von Juli bis September sehr gut gebucht, in vielen Einrichtungen seien nur noch vereinzelt Plätze frei, so die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienerholung e.V. (BAG).

Urlaub in Familienferienstätten

Die BAG ist ein Zusammenschluss von mehr als 80 gemeinnützigen Familienferienstätten. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Sozialverbänden soll ihr Angebot Familien mit Kindern Urlaub für wenig Geld ermöglichen. Allein in Baden-Württemberg gibt es zwölf solcher Familienferienstätten, aber auch in beliebten deutschen Ferienregionen wie in Bayern und an Nord- und Ostsee. Die Preise variieren je nach Lage, Ausstattung, Haupt- oder Nebensaison und sind im Buchungsportal einsehbar. Eine Woche Vollpension mit zwei Kindern unter zwei Jahren an der Ostsee kann dann beispielsweise ohne gesonderte Förderung 644 Euro kosten. Eine Woche mit Vollpension am Bodensee für zwei Erwachsene und zwei Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren 1.522 Euro. Die Nachfrage nach diesen Angeboten für die anstehende Ferienzeit ist hoch. Auf SWR-Anfrage heißt es von der BAG, es seien in vielen Einrichtungen nur noch vereinzelt Plätze frei.

Einzelne Standorte haben sich auf spezielle Bedürfnisse eingerichtet, sind etwa barrierefrei oder bieten Kindern und Eltern pädagogische Angebote und Gesundheitsaktivitäten wie zum Beispiel Pilates oder Ernährungsberatung. Eine gesonderte Förderung von Urlaub in Familienferienstätten durch das Land Baden-Württemberg gibt es seit 2005 nicht mehr. Andere Bundesländer, wie etwa Rheinland-Pfalz, fördern solche und ähnliche Urlaube bis zu einer gewissen Einkommenshöhe mit unterschiedlich hohen Geldbeträgen. Gegenüber dem SWR sagte eine BAG-Sprecherin, die Nachfrage nach einem geförderten Urlaub mit "familienfreundlichen Preisen" habe in den Jahren seit Corona stark zugenommen. Darin sehe man einen "Handlungsauftrag an die Politik", die Förderung weiter auszubauen. "Besonders Bundesländer wie Baden-Württemberg möchten wir motivieren, sich nach langer Pause wieder aktiv an der Förderung der Familienerholung zu beteiligen", so die BAG-Sprecherin.

Familienbildungsfreizeiten

Das BW-Sozialministerium hat mit Landesmitteln 2008 das STÄRKE-Programm aufgelegt. Koordiniert durch den Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) bietet STÄRKE neben Angeboten wie offenen Treffs rund 30 Familienbildungsfreizeiten - teils auch in den Sommerferien - an. Die richten sich zum Beispiel an Familien mit psychisch belasteten Kindern, Kindern mit Behinderung oder auch an verwaiste Eltern. Die Kosten für die Teilnahme werden fast vollständig vom Landesprogramm übernommen. Pro Person (ab dem 1. Lebensjahr) ist ein Eigenanteil von 25 Euro zu zahlen. Anträge für die bezuschusste Teilnahme an den verschiedenen STÄRKE-Angeboten finden sich hier auf der KVJS-Homepage. Im vergangenen Jahr haben nach vorläufigen Zahlen des KVJS rund 660 Familien in Baden-Württemberg an verschiedenen Familienbildungsfreizeiten des STÄRKE-Programms teilgenommen. Wie viele Familien 2025 teilnehmen werden, sei noch nicht bekannt, so eine KVJS-Sprecherin.

Ferienfreizeiten für Kinder

Die verschiedenen kirchlichen und nicht-kirchlichen Sozialverbände, aber auch verschiedene Vereine bieten überall in Baden-Württemberg Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche an. Auch bei den Deutschen Jugendherbergen findet man in einzelnen Städten Angebote zur Tagesferienbetreuung. Jugendreisen ohne Eltern gibt es außerdem von vielen gemeinnützigen Trägern und Verbänden. Und auch lokale Sportvereine veranstalten häufig Ferienprogramme. Solche Angebote für Kinder und Jugendliche werden teilweise von Hilfswerken, Landkreisen, Kommunen und Städten, aber auch aus Landesmitteln und Programmen verschiedener Ministerien gefördert. Familien, die Sozialleistungen erhalten, können aus dem sogenannten Teilhabebedarf 15 Euro im Monat pro Kind erhalten - zum Beispiel für eine Mitgliedschaft im Sportverein.

Familienurlaub in der Jugendherberge

In Jugendherbergen kommen nicht nur Schulklassen unter: Auch für Familienurlaube werden Jugendherbergen immer beliebter. Mehr als 400 gibt es in Deutschland. Eine Woche im Familienzimmer in einer Jugendherberge an der Ostsee ist beispielsweise für unter 1.000 Euro zu haben. Teilweise bieten die Herbergen auch zusätzlich zu Schlafplatz und Essensangebot familienfreundliche Freizeitaktivitäten: vom Ausflug in den nahegelegenen Wildpark bis hin zum gemeinsamen Segelkurs. Voraussetzung für die Nutzung des Angebots ist die Mitgliedschaft im Deutschen Jugendherbergswerk. Die kostet für Familien 22,50 Euro pro Jahr. Partner oder Partnerin und alle im Haushalt lebenden Kinder bis einschließlich 26 Jahre erhalten zu dieser Familienmitgliedschaft ihre kostenlose Mitgliedskarte dazu.

Und das Angebot wird beliebter: Vom Deutschen Jugendherbergswerk heißt es auf SWR-Anfrage, besonders Herbergen am Meer, am Wasser und in den Bergen erlebten eine leicht gestiegene Nachfrage. In Baden-Württemberg seien vor allem Häuser in Ferienregionen wie am Bodensee, dem Schluchsee und dem Schwarzwald für die Sommerferien bereits sehr gut gebucht. Deutschlandweit gebe es aber noch Kapazitäten - insbesondere städtische Jugendherbergen seien weniger gefragt. Wer jedoch in den Sommerferien einen Herbergsurlaub plane, solle sich zeitnah um eine Reservierung kümmern.

Landesfamilienpass

Mit dem Landesfamilienpass samt Gutscheinkarte bietet das BW-Sozialministerium bis zu 25 Mal kostenlosen oder ermäßigten Eintritt für verschiedene Freizeitaktivitäten im Land. Enthalten sind Museen, Schlösser, aber auch die Blumeninsel Mainau am Bodensee oder Freizeitparks wie der Europa-Park in Rust (Ortenaukreis). Vor Ort in ihrer Gemeinde beantragen können den Landesfamilienpass "Familien in besonderen Lebenslagen", wie das BW-Sozialministerium schreibt. Das sind unter anderem Familien mit mindestens drei Kindern (auch Pflege- und Adoptivkinder zählen), Familien mit einem schwerbehinderten Kind oder Familien, die Sozialleistungen beziehen.

Urlaub gegen Hand

Eine eher ungewöhnliche Art, günstig mit der Familie Urlaub zu machen, läuft unter dem Begriff "Urlaub gegen Hand". Dazu gibt es bei Facebook diverse Gruppen, außerdem eigene Plattformen wie Holiday4Help und etwa auf dem Portal Kleinanzeigen Inserate. Dort bieten die verschiedensten Menschen Häuser, Wohnungen oder Zimmer an, die man teilweise mit Familie und auch mit Haustieren für einen bestimmten Zeitraum bewohnen darf.

Dafür wollen die Inserierenden kein Geld, sondern Hilfe bei diversen Tätigkeiten. Mal soll man in Abwesenheit der Besitzer auf Wohnung und Haustiere aufpassen, mal bei Renovierungsarbeiten helfen. Auch andersherum geht es: So posten dort immer wieder Familien, die "gerne mal raus" aus den eigenen vier Wänden würden. Sie bieten an, auf Häuser und Wohnungen von anderen aufzupassen

Hintergrund: "Urlaub, zumindest in den Schulferien, ist definitiv Utopie"

Laut Statistischem Bundesamt kann sich jeder Fünfte in Deutschland keine Woche Urlaub leisten. Bei Alleinerziehenden (38 Prozent) und Familien mit drei oder mehr Kindern (29 Prozent) ist der Anteil sogar noch höher. Und auch andere Ferienaktivitäten sind inbesondere für Familien eine finanzielle Belastung: In einer aktuellen Befragung im Auftrag des Sozialverbands Deutschland gaben mehr als 20 Prozent der befragten Eltern an, sich Besuche im Schwimmbad, im Zoo oder im Kino nur schwer oder sehr schwer leisten zu können.

Ein gemeinsamer Urlaub mit ihren Kindern sei ihr großer Traum - das hat eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern SWR-Reporterin Susanne Babila erzählt:

Auch auf Instagram berichten uns Menschen von solchen Erfahrungen: "Wir arbeiten beide und Urlaub, zumindest in den Schulferien, ist definitiv Utopie", schreibt eine Userin. Eine andere berichtet, sie habe nur ein Kind, um sich "diesen Luxus" leisten zu können. Doch auch von Hilfsangeboten und kreativen Lösungsansätzen erzählen einige - und bieten ganz konkret Hilfe an. Etwa einen Wohnungs- oder Haustausch, um über die Ferien mal rauszukommen: "Wenn man sich gegenseitig unterstützt, ist vieles möglich."

Social-Media-Beitrag auf Instagram von swraktuell

Baden-Württemberg

Wenn Urlaub zum Luxus wird Jeder Fünfte kann sich keinen Urlaub leisten - eine Betroffene aus BW erzählt

Für ein Fünftel der Deutschen sind Urlaubsreisen nach eigener Aussage nicht erschwinglich. Vor allem Alleinerziehenden geht es so. Wir haben mit einer Betroffenen gesprochen.

Sonntagmorgen SWR1

Landkreis Germersheim

Beginn der Sommerferien in Rheinland-Pfalz Wenn das Geld nicht für den Urlaub mit Kindern reicht

Ein Fünftel der Deutschen kann sich keine Urlaubsreisen leisten. Wie eine Mutter von vier Kindern aus dem Landkreis Germersheim auf die Sommerferien blickt.