Sie schimmern rötlich, pink und grün am Nachthimmel: Polarlichter gibt es an unserem Himmel nur selten zu sehen. Doch am Montagabend leuchtete es vielerorts bunt über Baden-Württemberg.
Das zeigen einige Fotos, die bei Social Media veröffentlicht wurden. Unter anderem teilten dort Menschen ihre Beobachtungen aus Böblingen, Nagold (Kreis Calw) oder Deizisau (Kreis Esslingen). Auch Leserinnen und Leser unseres BW-Newsticker am Morgen haben einige Fotos zugeschickt, zum Beispiel aus Bodman (Kreis Konstanz) und Böttingen (Kreis Tuttlingen).
Eine Auswahl der Fotos von unseren Userinnen und Usern seht ihr hier:
Es seien besondere Polarlichter zu sehen gewesen, so die stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg, Carolin Liefke. "Man hatte so Erscheinungen, wo es teilweise sehr, sehr hell war." Es habe Stellen gegeben, wo die Polarlichter nur für Sekunden zu beobachten gewesen seien. "Man hat sehr intensive Farben gesehen, das war sehr eindrucksvoll."
Polarlichter: Sonneneruptionen verursachen Himmelsphänomen
Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) waren die Polarlichter gut zu sehen in der Region Hohenlohe über 500 Meter, generell im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb, im Bereich Stuttgart und Hohenlohe. "Es gibt nicht tagtäglich Polarlichter in Deutschland", erklärte DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding. "In der Ausprägung, wie in der letzten Nacht, war es ein seltenes Ereignis. Es war bis in die Alpen sichtbar."
Zwischen 22 Uhr und etwa 23:15 Uhr hätten viele Nutzer über die Warnwetter-App Polarlichter gemeldet. "Das war die Zeit, wo es deutschlandweit gut zu sehen war, bis auf die Regionen, die durch Nebel getrübt waren", sagte er. Allein für Baden-Württemberg habe es 200 solcher Meldungen gegeben.
Ein Zeitraffer von Polarlichtern über Aalen-Reichenbach von SWR Aktuell-User Franz Müller:
Geomagnetischer Sturm verantwortlich für Polarlichter
Verantwortlich für die Aurora borealis - so der wissenschaftlichen Name der Polarlichter - ist ein sogenannter geomagnetischer Sturm, teilte der DWD mit. Wegen der Stärke des Sonnensturms seien die Lichter in der Nacht bis zu den Alpen zu sehen gewesen. "Wir hatten eine stärkere Eruption der Sonne und die ist jetzt bei uns angekommen", sagte Markus Bayer, Meteorologe beim DWD.
Durch die Eruption flogen Teilchen von der Sonne in Richtung Erde. Sie werden bei Sonnenstürmen vom Erdmagnetfeld in Richtung Pole gelenkt und dringen in die Erdatmosphäre ein, heißt es auf der Webseite des DWD dazu: "In den oberen Schichten der Atmosphäre treffen die geladenen Teilchen auf Luftmoleküle und regen diese zum Leuchten an."
Je stärker die Sonnenstürme, desto mehr Teilchen strömen in Richtung Erde und umso kräftiger werden die Polarlichter.
Geomagnetischer Sturm: Auswirkungen auf Satelliten möglich
Der geomagnetische Sturm erreichte Montagabend die zweithöchste Stufe G4, wie die US-Atmosphärenbehörde Noaa berichtete. Möglich seien bei dieser Stärke unter anderem Auswirkungen auf Satelliten. So könne auch das GPS-System ausfallen.
Die Eruptionswolke der Sonne habe die Strecke zwischen Sonne und Erde in nur etwa 25 Stunden bewältigt, berichtete die Astronomie-Plattform "Spaceweather". Das sei extrem schnell. Normalerweise benötige eine solche Wolke für diese Strecke drei bis vier Tage.
Gibt es nochmal Polarlichter zu sehen?
Für die kommende Nacht sind die Aussichten laut Wetterexperten Liefke eher bescheiden. Den Prognosen nach würden noch Polarlichter für Dienstag im Laufe des Tages, nachmittags erwartet - wenn es in Deutschland noch hell sei. "Da haben dann eher Leute in den USA, Kanada was von."
Es gebe allerdings immer wieder Überraschungen. "Auf der Hut sein, schadet nicht", sagte Liefke für die Nacht auf Mittwoch. "Einfach mal den Blick rauswerfen, wenn es klar ist."