Mit den heißen Sommertagen stellt sich in Baden-Württemberg erneut die Frage: Wann gibt es Hitzefrei an Schulen? Während die Temperaturen diese Wochen regelmäßig über die 30-Grad-Marke klettern und teilweise bis zu 39 Grad erreichen können, diskutieren Eltern, Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte über die Regelungen zum Hitzefrei. Doch wie genau funktioniert das eigentlich in Baden-Württemberg?
Keine einheitliche Festlegung von Hitzefrei für Schulen in BW
In Baden-Württemberg gibt es keine gesetzlich festgelegte Temperatur, ab der automatisch Hitzefrei erteilt wird. Das Kultusministerium gibt lediglich Empfehlungen aus, am Ende soll die Schulleitung entscheiden. Wenn es um 11 Uhr vormittags im Schatten mindestens 25 Grad hat, soll Hitzefrei gegeben werden können - frühestens aber nach der vierten Schulstunde.
Die Entscheidung hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von den Betreuungsangeboten, den verfügbaren Lehrkräften und ob die Schüler abgeholt werden können. Die Empfehlung gilt nicht für berufliche Schulen und die Oberstufe an Gymnasien.
Bauart des Schulgebäudes spielt Rolle bei Entscheidung über Hitzefrei
Aber auch die Art des Schulgebäudes spielt eine Rolle bei der Entscheidung. Besonders in älteren Schulgebäuden ohne moderne Klimatisierung oder ausreichende Beschattung kann die Hitze schnell zu einer gesundheitlichen Belastung werden. "Es obliegt jeder Schule ganz individuell, ob und wann sie Hitzefrei gibt, in Abwägung der Tatsachen vor Ort", sagt Simone Höhn vom BW-Kultusministerium dem SWR.
Ein Problem seien auch Schulen im ländlichen Raum. "Da haben manche Schülerinnen und Schüler nicht die Möglichkeit, direkt nach Hause zu gehen, weil vielleicht der Bus nur alle Stunde fährt oder weil sie darauf angewiesen sind, dass sie jemand mit dem Auto mitnimmt", so Höhn weiter. Dann müsse von Seiten der Schule auch dafür Sorge getragen werden, dass diese Schülerinnen und Schüler in geeigneten Aufenthaltsräumen beaufsichtigt werden. Auch die Betreuung der jüngeren Schülerinnen und Schüler müsse gewährleistet sein, da viele Eltern berufstätig sind.
Damit kein Flickenteppich entstehe, sollen sich die Schulen auch mit benachbarten Schulen absprechen, heißt es vom Kultusministerium. Das sei wichtig, so Höhn, damit "nicht eine Schule hitzefrei hat und die andere nicht", so Höhn.
Hitzewelle erreicht Höhepunkt Wetterdienst warnt vor "extremer Hitze": BW steuert auf 40 Grad zu
Seit dem Wochenende hat eine Hitzewelle Baden-Württemberg im Griff. Am Mittwoch sollen die Temperaturen den Höhepunkt erreichen.
Bildungsgewerkschaft GEW fordert Umbaumaßnahmen gegen Hitze
Die Diskussion über Hitzefrei hat durch den Klimawandel an Bedeutung gewonnen. In den vergangenen Jahren wurden immer häufiger Rekordtemperaturen gemessen, auch in Baden-Württemberg. Laut einer Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben die Sommer in der Region eine deutliche Tendenz zur Erwärmung. Dies stellt Schulen vor neue Herausforderungen.
Monika Stein, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Baden-Württemberg, fordert mehr Umbauten an Schulen gegen Hitze. Ventilatoren und Wasserspender allein reichten nicht aus, so Stein im Gespräch mit dem SWR: "Etliche Schulen haben noch immer keine Jalousien gegen Sonnenhitze - trotz der bekannten Folgen des Klimawandels."
Umfragen zeigten demnach, dass Raumtemperaturen um die 30 Grad im Sommer häufig vorkommen. Stein erhofft sich an dieser Stelle mehr Hilfe von Land und Bund. Eigentlich müssten die jeweiligen Schulträger einzeln für Umbauten aufkommen, so die Gewerkschafterin, doch diese seien dazu nicht in der Lage - denn: "das ist leider eine Frage des Geldes“. Hitzefrei mag kurzfristig eine Lösung sein - dann allerdings müssen Lernstoff und Klausuren nachgeholt werden.
In einem SWR Extra am Montag um 20:15 Uhr haben wir gezeigt, was die Hitze mit den Menschen im Südwesten macht: