Die Sparpläne bei Volkswagen sind beschlossen: Am Donnerstagabend stimmte der Aufsichtsrat den Plänen des Vorstands einstimmig zu. 50.000 weitere Arbeitsplätze werden wegfallen, vier Werke stehen auf der Kippe - auch das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Die wichtigsten Fragen und Antworten.
- Werden die vier Werke schließen?
- Welche Lösungen gibt es für die Werke?
- Werden die Werke für die Rüstungsindustrie genutzt?
- Rollen bald chinesische Modelle aus deutschen Werken?
- Wie sehr steht Neckarsulm unter Druck?
Werden die vier Werke schließen?
Ob die vier Werke, darunter auch Neckarsulm, schließen werden, ist noch unklar. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für eine "nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur" entwickelt werden. "Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft", heißt es von VW.
Stand jetzt bekommt Neckarsulm ab 2034 keine Folgeaufträge mehr. Sollten sich Lösungen finden, wie die Produktion etwa effizienter wird, gibt es aber noch Hoffnung.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) mahnt konkrete Vorschläge für den Standort Neckarsulm an. "Ich erwarte jetzt vom VW-Vorstand, dem Aufsichtsrat und der Audi-Führung, dass sie das verbleibende Zeitfenster nutzen und Neckarsulm eine echte industrielle Perspektive geben, mit Produkten und Investitionen, die über das Jahr 2034 hinausreichen."
Welche Lösungen gibt es für die Werke?
Zwei Szenarien erscheinen als Lösung am realistischsten: Die Werke für die Rüstungsindustrie umzunutzen, oder chinesische Modelle dort zu fertigen.
Denn die Kosten so zu reduzieren, dass die Werke in dieser Hinsicht wettbewerbsfähig sind, dürfte schlicht unmöglich sein. 2026 lagen die Kosten in den deutschen Werken bei 6.490 Euro pro Fahrzeug, schreibt die WirtschaftsWoche, die einen internen Bericht des VW-Vorstands eingesehen hat. Europäische Standorte außerhalb Deutschlands lagen im Schnitt bei 2.832 Euro.
Werden die Werke für die Rüstungsindustrie genutzt?
VW-Chef Oliver Blume sagte bereits im Frühjahr, dass VW in Kontakt mit Unternehmen aus der Verteidigungsbranche sei. Das Werk in Osnabrück könnte potenziell umgerüstet werden. Laut Medienberichten verhandelt VW offenbar mit einem israelischen Rüstungskonzern. Dabei geht es um die Herstellung von Komponenten für den "Iron Dome".
In Neckarsulm wäre Rüstung zumindest denkbar. Zuletzt haben auch andere baden-württembergische Unternehmen in Rüstung investiert: Daimler Truck, Heidelberger Druckmaschinen oder der Laser-Spezialist Trumpf. Der Verband der Maschinenbauer (VDMA) sieht im Defense-Bereich eine gute Perspektive.
Rollen bald chinesische Modelle aus deutschen Werken?
Denkbar wäre auch, dass in den deutschen Werken künftige Fahrzeuge gebaut werden, die VW in China entwickelt hat und bislang nur dort anbietet. VW baut dort vergleichsweise günstige Elektroautos, die theoretisch auch hier produziert werden könnten.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sprach sich am Freitag erneut dafür aus, dass für das Werk in Zwickau auch China eine Lösung sein könnte. VW-Modelle für den chinesischen Markt, die noch nicht in Deutschland verfügbar seien, könnten dort produziert werden - das müsste intensiv geprüft werden, sagte Panter.
Wie sehr steht Neckarsulm unter Druck?
Jörg Schlagbauer, Betriebsratschef bei Audi, spricht davon, dass es nun darum gehe, nachhaltige Perspektiven für die Standorte zu scahffen und dem Konzern und Audi eine gute Zukunft zu ermöglichen. "Gerade nach den vielen Spekulationen und Unsicherheiten der vergangenen Wochen ist es wichtig, dass der Fokus nun auf den anstehenden Gesprächen und der konkreten Ausgestaltung liegt."
"Neckarsulm ist sicher eines der zehn, 15 größten Industriewerke in Baden-Württemberg", sagt der unabhängige Autoanalyst Jürgen Pieper. Aus seiner Sicht ist es unwahrscheinlich, dass das Werk schließt - auch wegen der langen Tradition und dem Hintergrund, dass es kein VW-, sondern ein Audi-Werk ist.