2034 soll die Produktion im Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) enden. Das geht aus einem internen Papier des Volkswagen-Vorstands hervor, wie die "WirtschaftsWoche" am Dienstag berichtete. Damit würden allein am Standort rund 15.500 Menschen ihren Job verlieren. Dazu sind in ein mögliches Ende der Produktion über 1.000 Lieferanten involviert.
Audi ist nach der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland der zweitgrößte Arbeitgeber in der Region Heilbronn-Franken. Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) war im ersten Moment von den Berichten überrascht. Mittlerweile machen sie ihn wütend, erklärte er dem SWR.
Einstimmiger Beschluss des Volkswagen-Vorstandes Produktion in Audi-Werk Neckarsulm soll laut Medienbericht 2034 enden
Seit Monaten wird über die Zukunft des Audi-Werks Neckarsulm diskutiert. Nun soll der Volkswagen-Vorstand eine Entscheidung getroffen haben. VW hat sich dazu bisher nicht geäußert.
Heilbronner Oberbürgermeister: "Audi ist Teil der DNA unserer Region"
"Wenn der Vorstand das jetzt tatsächlich so beschlossen hat, dann kann ich nur an den Aufsichtsrat appellieren, diesen Weg ganz konkret nicht mitzugehen", so Hertwig gegenüber dem SWR. Am Freitag berät der Aufsichtsrat von Volkswagen über die Sparpläne. Sollte er hinter den Plänen stehen, dann würde das noch lange nicht bedeuten, dass Neckarsulm aufgeben würde. "Wir haben schon vor über 50 Jahren gezeigt, dass wir um unser Werk kämpfen können", so Hertwig weiter.
Sein Heilbronner Amtskollege Harry Mergel (SPD) steht ebenfalls hinter Audi und den Beschäftigten. "Audi ist Teil der DNA unserer Region. Wer diesen Standort infrage stellt, stellt ein Stück Zukunft von Heilbronn-Franken infrage;" so Mergel wörtlich.
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) setzt darauf, dass mit Hilfe des VW-Aufsichtsrats noch eine andere Lösung gefunden wird. Zudem spreche viel für einen Erhalt des Standorts Neckarsulm. Die Nähe zu Heilbronn und dem dortigen Forschungscampus für Künstliche Intelligenz eröffne Audi neue Möglichkeiten für die Zukunft, so Özdemir.
Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) findet die Berichte alarmierend und erwartet von Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns ein klares Bekenntnis zum Standort Neckarsulm. Sparen allein sei keine Zukunftsstrategie.
Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Sascha Binder zeigt sich verärgert über die Hoffnungen, die zuletzt von Seiten des Vorstandes bei den Betriebsversammlungen geweckt wurden. Nun werde mit den Ängsten der Beschäftigten und ihrer Familien gespielt, so Binder.
Viele Landkreise, Familien und Zulieferer hängen von Audi in Neckarsulm ab
Wie viele Familien von Audi abhängig sind, zeigt sich am Neckar-Odenwald-Kreis. Von 15.000 Audi-Mitarbeitenden kommen laut Kreisverwaltung rund 4.500 Menschen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis. Darüber hinaus sind viele Zulieferbetriebe betroffen. "Wir haben dreimal so viele Arbeitsplätze im Zuliefererbereich als tatsächlich in der Kfz-Produktion. Viele dieser Zulieferer sitzen in ländlichen Räumen, auch bei uns," so der Präsident des Landkreistags, Landrat Achim Brötel (CDU).
Bei einer Schließung würden unter anderem Millioneneinnahmen für die öffentliche Hand wegbrechen. "Es geht um rund 15.000 Beschäftigte, um Familien, um Zulieferer, Dienstleister, Handwerk, Handel und um die wirtschaftliche Stabilität einer ganzen Region", so Neckarsulms Oberbürgermeister Hertwig. Bereits jetzt rechnet die Stadt damit, dass die Gewerbesteuereinnahmen mittelfristig um die Hälfte einbrechen.
IG Metall kündigt weitere Aktionen gegen Audi-Aus in Neckarsulm an
Für Alexander Reinhart, Betriebsratschef des Audi-Standorts Neckarsulm, ist die Art und Weise der jüngsten Berichte unverantwortlich. Am 21. September soll es deswegen noch einmal eine bundesweite Aktion der IG Metall geben. Gestreikt wird nicht, denn es herrscht Friedenspflicht bis Ende Oktober.
Dem Bericht der "WirtschaftsWoche" zufolge könnte der Vorstand von Volkswagen das "Leerlaufen von Werken" am Aufsichtsrat vorbei umsetzen, denn der Vorstand plant keine direkte Schließung von Werken - sie sollen nur keine Folgeprodukte mehr produzieren. Laut Bericht soll das Nachfolgermodell des A8 dann in Leipzig produziert werden.