Einige Stunden lang im Dunkeln: In den vergangegen Tagen war der Strom mancherorts im Kreis Rastatt und in Baden-Baden einige Stunden lang weg. Dabei war ziemlich auffällig, dass es überall sehr heiß war. Viele fragen sich deshalb, ob die extreme Hitze etwas mit den Stromausfällen zu tun hat.
- Wie stark setzt Hitze den Stromnetzen zu?
- Kamen die Stromausfälle durch die Hitzewelle?
- Warum greifen Netzbetreiber bei Hitze ins Netz ein?
- Wie können wir den Stromverbrauch bei Hitze reduzieren?
- Wie verhalte ich mich bei einem Stromausfall richtig?
- Größerer Stromausfall oder nur ein Hausproblem?
- Wo gibt es offizielle Warnungen bei einem Stromausfall?
- Erneute Stromausfälle in den kommenden Wochen?
- Wie sich Hitzeperioden auf die Infrastruktur auswirken
Wie stark setzt Hitze unseren Stromnetzen zu?
Grundsätzlich halten die Bauteile im Netz einiges aus. Aber extreme Hitze kann irgendwann Probleme machen, erklärt SWR-Energieexpertin Katha Jansen. Kritisch wird es, wenn die Wärme, die das Kabel erzeugt, nicht mehr abgeleitet werden kann, weil auch der Boden drumherum zu heiß ist. Dann kann es laut Expertin passieren, dass das Kabel beschädigt wird und möglicherweise einen Stromausfall auslöst.
Sind die Stromausfälle der letzten Tage durch die Hitze entstanden?
Vermutlich nicht. Laut Netzbetreibern haben die Ausfälle in den vergangenen Tagen in Baden-Württemberg nicht an der Hitze gelegen. Kurzschlüsse, defekte Kabel und kaputte Hausanschlüsse seien aus anderen Gründen verantwortlich gewesen.
Warum müssen die Netzbetreiber ins Netz eingreifen, wenn es heiß ist?
Unser Stromnetz funktioniert gut und stabil, wenn so viel verbraucht wird, wie produziert wird und ins Netz reingeht, sagt Expertin Jansen. Wenn es heiß ist, erzeugen wir oft weniger Strom, weil konventionelle Kraftwerke gedrosselt werden müssen. Schlicht, weil die Kühlung nicht mehr reicht.
Gleichzeitig verbrauchen wir aber mehr Strom, weil Klimaanlagen und Co. laufen. Und zwar auch zu Zeiten, in denen wenig erneuerbarer Strom produziert wird. Für die Netzbetreiber heißt das: Es ist viel Management nötig, also Strom hin- und herschicken, Kraftwerke zuschalten und abschalten, um das Netz stabil zu halten. Das ist machbar, aber aufwendig, so Jansen.
Wie kann ich meinen Stromverbrauch bei Hitze sinnvoll senken?
Klimaanlagen verbrauchen viel Strom. Deshalb rät die Expertin, zuerst zu versuchen, Wärme draußen zu halten. Es sei wichtig, Rollläden mit Luftschlitzen zu schließen, außen zum Beispiel mit Markisen oder Sonnenschirmen zu verschatten und hauptsächlich zu lüften, wenn es draußen kühler ist. Wenn es im Innenraum doch zu warm ist, sollte man die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen. Denn jedes Grad kälter erhöht laut Jansen den Energieverbrauch.
Auch der Kühlschrank verbraucht bei Hitze mehr Strom. Deshalb lohnt es sich, die Temperatur zu prüfen: Sieben Grad im Kühlschrank und -18 Grad im Gefrierfach gelten als ideal. Jedes Grad kälter steigert den Stromverbrauch um rund sechs Prozent, so die Verbraucherzentrale.
Wie soll ich mich bei Stromausfall verhalten?
Im Idealfall ist man mit Taschenlampen, einem Trinkwasservorrat und einem batteriebetriebenen Radio vorbereitet. Dazu gibt es auch konkrete Empfehlungen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz.
Falls gerade eine potenziell gefährliche Maschine in Benutzung ist, sollte sie unbedingt ausgesteckt werden, so Jansen. Das gilt auch für andere große Geräte, außer dem Kühlschrank. Das Ausstecken kann dem Netz helfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen.
Wie erkenne ich, ob es ein größerer Stromausfall ist, oder nur ein Hausproblem?
Wenn es draußen dunkel ist, reicht oft ein Blick aus dem Fenster, so die Expertin. Leuchten die Straßenlaternen, sind die Ampeln an und ist es bei den Nachbarn hell? Dann habe ich ein hausinternes Stromproblem. Tagsüber kann ich mir als erstes den Sicherungskasten anschauen. Wenn darin alles normal scheint und keine Sicherung rausgeflogen ist, hilft inzwischen oft das Internet auf dem Smartphone weiter. Denn da werden Stromausfälle ziemlich schnell gemeldet.
Welche offiziellen Warnungen oder Infoservices gibt es bei Stromausfällen?
Bei Stromausfällen informieren regionale Versorger wie Netze BW oft über Störungskarten auf ihren Websites. Laut Jansen steht auch auf der Internetseite der Störungsauskunft meist genau, welche Gebiete betroffen sind und teilweise auch eine Prognose, wie lange das Ganze dauern könnte.
Offizielle Warn-Apps wie NINA oder Katwarn senden außerdem Push-Nachrichten bei größeren Ausfällen. Städte und Gemeinden posten zudem häufig aktuelle Infos auf ihren Websites oder Social-Media-Kanälen.
Wie wahrscheinlich ist es, dass Stromausfälle in den nächsten Wochen nochmal vorkommen?
Die Energieversorger zeigen sich zurückhaltend. Sie sagen, theoretisch kann Hitze zu Problemen führen, aber die aktuellen Vorfälle bringen sie nicht mit den Temperaturen in Verbindung. Teilweise laufen die Ermittlungen zur Ursache noch. Eine Wahrscheinlichkeit abzuleiten sei schwer.
Es ist aber klar, dass länger anhaltende Hitze den Bauteilen im Netz irgendwann zusetzt, so die Expertin. Dann kann es auch passieren, dass die thermische Belastung zu hoch ist. Durch die voranschreitende Klimaerhitzung werden wir immer mehr dieser Hitze-Episoden im Sommer erleben und müssen dann schauen, ob die Infrastruktur das aushält.
Wenn es zu weiteren Stromausfällen kommt, werden es sehr wahrscheinlich eher kleine, räumlich und zeitlich begrenzte Ausfälle sein, erklärt Jansen. Denn insgesamt ist das deutsche Stromnetz eines der sichersten. Vor einem richtigen Blackout braucht man also keine Angst haben.
Wie wirken sich Hitzeperioden generell auf unsere Infrastruktur aus?
Heiße Temperaturen wirken sich langfristig auf unsere Infrastruktur aus. Autobahnen, Schienennetze und Brücken, die unsere Versorgung sichern, wurden nicht für steigende Temperaturen gebaut. Der Straßenbelag auf Autobahnen, etwa auf der A8 bei Pforzheim, wird durch extreme Hitze beschädigt. Ein Teil der A8 wurde am Donnerstagabend über Nacht gesperrt. Extreme Hitze und viel Lkw-Verkehr haben laut der Autobahn GmbH für starke Verformungen der Fahrbahn gesorgt.