Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat zwei Bedienstete der Staatsanwaltschaft Stuttgart angeklagt. Das teilten die Behörde am Montag mit. Demnach ist die Anklage schon Anfang Februar erfolgt. Der Wachtmeister und eine "weitere Bedienstete aus dem Unterstützungsbereich der Staatsanwaltschaft" hätten zwischen 2022 und 2025 elektronische Daten aus dem internen Programm "web.sta" abgerufen. In der Software werden umfangreiche Daten zu Strafverfahren verwaltet. Die Angeklagten sollen so erlangte Informationen an ihre externen Auftraggeber weitergegeben haben. Dafür sollen sie als Gegenleistung Schmuck und Bargeld erhalten haben.
Nach Ermittlungen zu Schüssen in Tamm Wachtmeister in U-Haft - Polizei ermittelt gegen Stuttgarter Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft Heilbronn verdächtigt sieben Bedienstete der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Es geht um den Verdacht von Bestechlichkeit und den Verrat von Dienstgeheimnissen.
Auch die beiden Auftraggeber der Justizbediensteten sowie eine Person, die in einem Umschlag 1.000 Euro übergeben haben soll, sind angeklagt. Die Bediensteten sollen sich wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Den Auftraggebern wird Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechung vorgeworfen. Die fünfte Person ist wegen Beihilfe angeklagt. Das Ermittlungsverfahren wurde aus Gründen der Unabhängigkeit und Neutralität von der Staatsanwaltschaft Heilbronn geführt.
Verbindungen zu versuchtem Mord in Tamm
Der Fall steht in Verbindung mit einem versuchten Mord im Mai 2025 in Tamm im Kreis Ludwigsburg. Dort war ein 23-jähriger Mann mitten in einem Wohngebiet auf offener Straße angeschossen worden. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen. Dahinter soll nach Erkenntnissen des SWR wohl ein Konflikt in der Security-Branche stecken. Die Polizei hatte in dem Zusammenhang im Oktober zwei Tatverdächtige mit niederländischer Staatsangehörigkeit festgenommen. Die beiden nun von der Staatsanwaltschaft Heilbronn angeklagten Männer sollen die beiden Niederländer zu dem Mordversuch in Tamm angestiftet haben.
Korruptionsverdacht weitet sich aus Streit in Security-Branche im Kreis Ludwigsburg: Finanzbeamter festgenommen
Im Mai 2025 ist auf einen Security-Mitarbeiter in Tamm geschossen worden. Jetzt wurde ein Finanzbeamter festgenommen, der im Zusammenhang mit dem Fall Daten weitergegeben haben soll.
Diesen Fall in Tamm betreffend soll der Wachtmeister die Information weitergegeben haben, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart das Verfahren wegen versuchten Mordes an die Staatsanwaltschaft Heilbronn abgegeben hatte. Weitere Informationen zu dem Fall soll der Justizbedienstete nicht weitergegeben haben. Hinter den Ermittlungsergebnissen steht die Sonderkommission "Frost" des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Zwischenzeitlich hatten die Ermittler sogar sieben Bedienstete unter Verdacht, unbefugt Daten an Dritte weitergegeben zu haben.
Wachtmeister werden weitere Taten zur Last gelegt
Allerdings legen die Ermittler dem Wachtmeister auch zur Last, dass dieser Erkenntnisse zu weiteren Verfahren und eingegangenen Strafanzeigen an Personen aus seinem persönlichen Umfeld weitergegeben habe. In zwei Fällen soll er in der Staatsanwaltschaft Stuttgart zudem Verfahrensakten noch vor einer Erfassung mit nach Hause genommen zu haben. Dabei soll er beabsichtigt haben, eine Strafverfolgung zu verhindern. Deshalb wird dem Wachtmeister auch Verwahrungsbruch und versuchte Strafvereitelung im Amt vorgeworfen.
Korruptionsverdacht weitet sich aus Streit in Security-Branche im Kreis Ludwigsburg: Finanzbeamter festgenommen
Im Mai 2025 ist auf einen Security-Mitarbeiter in Tamm geschossen worden. Jetzt wurde ein Finanzbeamter festgenommen, der im Zusammenhang mit dem Fall Daten weitergegeben haben soll.
Neben dem Verfahren gegen die beiden Justizbediensteten wird in dem Komplex aktuell auch gegen einen Finanzbeamten ermittelt. Er steht unter Verdacht der Bestechlichkeit und der Verletzung von Dienstgeheimnissen. Der Beamte der Finanzverwaltung soll Halterabfragen zu Kfz-Kennzeichen vorgenommen habe. Diese Erkenntnisse soll er weitergegeben und dadurch möglicherweise Ermittlungen gefährdet haben.
Die mutmaßlichen Auftraggeber sowie der Wachtmeister sitzen aktuell in Untersuchungshaft, die Justizbedienstete ist indes auf freiem Fuß. Ob und wann nun ein Hauptverfahren gegen die Angeklagten eröffnet wird, entscheidet nun das Landgericht Stuttgart.