Nachdem es am Ludwigsburger Bahnhof in den letzten Monaten immer wieder zu schweren Straftaten kam, hat die Polizei den Bahnhof als "gefährlichen Ort" eingestuft. Die Polizei hat seitdem die polizeilichen Maßnahmen verschärft. Das sorgt für unterschiedliche Reaktionen bei den Menschen in Ludwigsburg.
Schwierige Situation für Läden am Bahnhof
Ibrahim Dansik besitzt seit 20 Jahren einen Dönerladen direkt am Ludwigsburger Bahnhof. "Früher war es hier super, aber mittlerweile ist es nicht mehr so. Viele Menschen nehmen hier Drogen oder trinken Alkohol, der Bahnhof ist nicht mehr sicher", sagt er.
Die Situation habe sich laut Dansik in den letzten fünf Jahren verschärft und würde auch sein Geschäft beeinflussen. Er finde es gut, dass die Polizei mehr kontrolliert. Familien mit Kindern würden aufgrund der Situation zu seinem Laden schon lange nicht mehr kommen. Das sei früher anders gewesen.
Mitarbeiterin einer Kneipe mehrmals sexuell belästigt
Auch Pinelopi Touloimi arbeitet seit mehr als 20 Jahren in einer Kneipe am Bahnhof in Ludwigsburg. Dort hat sie sich früher nachts immer sicher gefühlt, erzählt sie. Doch inzwischen traue sie sich nicht mehr, nach der Arbeit alleine mit der S-Bahn nach Hause zu fahren. "Ich hole mir lieber ein Taxi, weil ich mehrmals sexuell belästigt wurde", erzählt die 44-Jährige. Ihr sei die Präsenz der Polizei vor allem nachts noch zu wenig.
Bahnfahrerin Angelika aus dem Raum Heilbronn kann diesen Eindruck nicht teilen. Die 66-Jährige fährt regelmäßig und auch abends mit dem Zug nach Ludwigsburg und wieder zurück. "Für mich ist das kein Problem, ich fühle mich sicher. Aber wenn die Polizei hier mehr Präsenz zeigt, ist das in Ordnung für mich", sagt sie.
Polizei Ludwigsburg registriert: Mehrere schwere Straftaten
Die Polizei begründet die Einstufung des Bahnhofs als "gefährlichen Ort" mit der Zunahme an schweren Straftaten. Anfang März war ein Mann bei bei einer Auseinandersetzung lebensgefährlich verletzt worden.
Am 11. März sei es dann zu einer Schlägerei zwischen zwei Männer gekommen und am 19. März habe ein Mann mit einer Softairwaffe für Verunsicherung am Bahnhof gesorgt.
Bäckerei-Verkäuferin traut sich nicht mehr allein zur Arbeit
Isir ist seit fünf Jahren in einer Bäckerei gegenüber des Bahnhofes angestellt. Sie fühle sich unsicher, weil viele Menschen direkt vor dem Bahnhof offen Drogen konsumieren würden. "Inzwischen kommt jede zehn Minuten eine Polizeistreife vorbei, aber ich finde das gut. Wenn ich Frühschicht habe, begleitet mich mein Mann zur Arbeit, alleine traue ich mich nicht", erzählt Isir.
Einen Taxifahrer, der namentlich nicht genannt werden will, stört es allerdings, dass jetzt mehr Polizei am Bahnhof ist. "Hier haben kürzlich vier oder fünf Polizisten einen Mann festgehalten, dann kamen sofort fünf weitere Polizeiautos. Der Mann wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher, das geht nicht", berichtet der Taxifahrer.
Polizei weist Vorwurf von "Racial Profiling" zurück
Bei den Vorfällen im Zusammenhang mit den schweren Straftaten sei laut Polizei auffällig, dass ein Großteil der Täter einen Migrationshintergrund habe. Sie betonte, dass das Verhalten ausschlaggebend für eine Kontrolle sei und nicht die Staatsangehörigkeit.
Den Vorwurf des "Racial Profiling", der im Rahmen einer Demonstration am Mittwoch den Beamten unterstellt wurde, bezeichnete die Polizei auf SWR-Anfrage als "haltlos". Beim "Racial Profiling" werden Menschen aufgrund ihrer äußeren Merkmale, wie der Hautfarbe, als verdächtig eingestuft. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in Ludwigsburg habe durch die Vorfälle gelitten und nicht durch ihre Präsenz, so die Polizei.