Sportgeräte, Fotoscanner oder Nintendo Switch

Bibliothek der Dinge in Stuttgart bietet "leihen statt kaufen"

Warum Dinge kaufen, die man nur selten braucht? Deshalb hat die Stuttgarter Stadtbibliothek ein spezielles Leihangebot - und ist überrascht, was gefragt ist.

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Von Autor/in Siri Warrlich

Vor knapp drei Monaten hat am Stuttgarter Marktplatz die "Bibliothek der Dinge" eröffnet. "Der größte Star ist die Nintendo Switch", sagt Maggie Helmut von der Stadtbibliothek in einer ersten Bilanz. Für die drei Exemplare der Spielekonsole gab es Ende Juni 17 Vormerkungen - wer sie ausleihen will, muss also mit mehreren Monaten Wartezeit rechnen.

Ebenfalls extrem beliebt, und davon sind die Bibliotheksmitarbeiter ziemlich überrascht: die Wildtierkamera. Sie hatte Ende Juni 10 Vormerkungen. Auch die elektrische Töpferscheibe kommt sehr gut an und war Ende Juni drei Mal vorgemerkt. "Man sieht richtig das Leuchten in den Augen, wenn die Leute die Töpferscheibe abholen", sagt Helmut. "Töpfern ist in und die Leute sind sehr glücklich, wenn sie das Gerät mitnehmen können."

Die Bibliothek der Dinge hat vor knapp drei Monaten in Stuttgart eröffnet.
Der Rekordhalter bei den Vormerkungen: Die Nintendo Switch. 17 Leute haben sie vorgemerkt, stehen also auf der Warteliste fürs Ausleihen.

Der Ladenhüter hingegen ist derzeit die Lawinensonde, mit der man Menschen finden kann, die im Schnee verschüttet wurden. Sie wurde noch nie ausgeliehen, was an der Jahreszeit liegen dürfte, wie das Bibliotheksteam vermutet.

Die Bibliothek der Dinge hat vor knapp drei Monaten in Stuttgart eröffnet.
Die Lawinensonde wurde bislang noch nie ausgeliehen.

Alltagsgegenstände ausleihen: So funktioniert es

Generell kann man die Gegenstände in der Bibliothek der Dinge mit dem Bibliotheksausweis der Stadtbibliothek für je zwei Monate ausleihen und zahlt pro Gegenstand 2,50 Euro. 70 verschiedene Dinge gibt es zur Auswahl. Das Angebot ist breit gefächert. Zum Beispiel wird ein Fotoscanner zum Digitalisieren alter Fotos verliehen, Spielkonsolen, Sportgeräte, Beamer oder die bei Eltern beliebte Toniebox. Hier geht es zum Katalog der Bibliothek der Dinge mit allen Gegenständen. Etwa drei Viertel der Gegenstände sind derzeit ausgeliehen.

Gegenstände leihen statt kaufen: Beispiel Bohrmaschine

Die Idee dahinter: Gegenstände, die man im Alltag nur selten braucht, könnte man ausleihen anstatt sie selbst anzuschaffen. Das hilft der Umwelt. Ein häufig genanntes Beispiel dafür ist die Bohrmaschine. Sie hat schätzungsweise eine Lebensdauer von etwa 15 bis 20 Jahren, wird in dieser Zeit aber nur etwa 45 Stunden lang genutzt und liegt den Rest im Schrank. Diese Zahlen haben zwei Wissenschaftler für eine Studie zum Ausleihen von Heimwerker-Geräten aus dem Jahr 2000 geschätzt.

Das Argument der Forscher: Viele Hundert Stunden, in denen die Bohrmaschine theoretisch von anderen genutzt werden könnte, gehen verloren. Ausleihen könnte also sinnvoller sein als selbst kaufen.

Mode mieten statt kaufen in Stuttgart: Hier geht's zum tagesschau-Artikel über das Angebot

Bibliothek der Dinge: So wurden die Gegenstände ausgewählt

Die Idee, in Stuttgart eine Bibliothek der Dinge aufzubauen, stammt von der Puls-Gruppierung im Stuttgarter Gemeinderat. Maggie Helmut von der Stadtbibliothek Stuttgart hat das Angebot mit aufgebaut. Für die 22-Jährige war es das erste große Projekt in ihrem Job bei der Bibliothek.

Die Bibliothek der Dinge hat vor knapp drei Monaten in Stuttgart eröffnet.
Maggie Helmut hat die Bibliothek der Dinge mit aufgebaut.

"Am Anfang hatten wir eine lange Liste mit Ideen der Kollegen, welche Gegenstände sinnvoll sein könnten. Bei manchem musste ich selbst erst mal googeln, was das ist." Maggie Helmut hat ausgewählt und die Dinge angeschafft. Am Ende haben es zum Beispiel auch ein Heimplanetarium, eine klappbare Multifunktionsschaufel oder ein kleines Fußballtor in die Auswahl geschafft. Bohrmaschinen, wie im oben gewählten Beispiel, kann man in der Bibliothek der Dinge tatsächlich nicht ausleihen. Denn dieses Angebot gebe es bereits in vielen Baumärkten, sagt Helmut.

Nutzer wollen eigene Sachen spenden

Mehrere Leute hätten schon nachgefragt, ob sie selbst auch Gegenstände spenden können. Das Team der Stadtbibliothek Stuttgart prüft derzeit, ob das Sinn ergeben könnte und wie sie mit Sachspenden für die Bibliothek der Dinge künftig umgehen wollen. Außerdem werden von besonders beliebten Gegenständen weitere Exemplare angeschafft - damit die Wartezeit für alle Nintendo-Fans in Zukunft vielleicht etwas kürzer wird.

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