Veranstalter, Wirte und Polizei des Cannstatter Volksfests auf dem Wasen ziehen insgesamt eine positive Bilanz. In den vergangenen 17 Tagen sind rund 4,2 Millionen Besucherinnen und Besucher auf das Wasen-Gelände geströmt, das teilte die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bei einer Pressekonferenz zum Abschluss am Sonntag mit.
Wasen-Gelände musste einmal wegen Überfüllung geschlossen werden
Das sind knapp 400.000 Gäste weniger als im Vorjahr. Aber wegen des wechselhaften und kühlen Wetters sei das trotzdem ein gutes Ergebnis, so Andreas Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft "in.Stuttgart".
"Die Zahlen zeigen, dass das Volksfest beliebter denn je ist", so Kroll. Immer wieder sei es aber vorübergehend sehr voll auf dem Wasen gewesen, auch am vergangenen Samstag. Am 3. Oktober musste das Gelände sogar kurzzeitig wegen Überfüllung geschlossen werden. Aber das Sicherheitskonzept habe gut funktioniert, sagte Kroll.
Langes Wochenende auf dem Wasen Nach Sperrung wegen Überfüllung: Wieder buntes Treiben auf Cannstatter Volksfest
Am langen Wochenende ist es auf dem Wasen voll. Bereits am Freitagabend musste der Zugang zum Festgelände gesperrt werden. Das sollte laut Veranstalter nicht aber wieder passieren.
Das Volksfest wird mit Unterbrechungen seit 1818 jährlich von Ende September bis Anfang Oktober gefeiert. "Wasen-Bürgermeister" Thomas Fuhrmann (CDU) betonte, wie wichtig es für die Stadt und die Region ist.
Das Cannstatter Volksfest ist eine der wichtigsten Veranstaltungen, die wir haben. Seine Bedeutung ist enorm groß.
Wirte zufrieden mit dem Wasen 2025
Auch der Sprecher der Wirtinnen und Wirte, Werner Klauss, zeigte sich zufrieden. Manche Wirte haben zulegen können. Andere hätten aber auch etwas weniger Umsatz gemacht, das seien oft neue Wirtinnen und Wirte. "Aber wir erwarten nicht, dass die Umsatzzahlen immer weiter steigen, das ist ja auch der wirtschaftlichen Lage geschuldet", so Klauss.
Bilanz des Schaustellerverbandes fällt durchwachsener aus
Mark Roschmann, der Vorsitzende des Schaustellerverbands Südwest Stuttgart, zieht insgesamt ebenfalls ein positives Fazit. Vor allem mit Blick auf die Themen Lärm und Müll habe sich die Situation auf dem Wasen verbessert. Das Mehrwegbecher-System habe dafür gesorgt, dass der Platz in diesem Jahr sauberer gewesen sei.
Roschmann betonte aber auch, dass es große Unterschiede je nach Betrieb gebe. Viele Schaustellerinnen und Schausteller hätten mit dem schlechten Wetter zu kämpfen gehabt. Kritik übte er an der Sperrung des Platzes am Tag der Deutschen Einheit. Hier müsse über neue Konzepte gesprochen werden.
Polizei: 20 Prozent mehr Straftaten
Die Polizei zeigte sich ebenfalls zufrieden mit den 17 Tagen Volksfest. Es sei weitgehend friedlich zugegangen, auch wenn die Zahlen das nicht vermuten lassen. Jörg Schiebe, Leiter des Polizeireviers Bad Cannstatt, erklärte, dass es im Vergleich zum Vorjahr zu 20 Prozent mehr Straftaten auf dem Platz gekommen sei. Das sei aber noch deutlich unter dem Niveau von 2023.
Zu knapp 1.000 Einsätzen musste die Polizei nach eigenen Angaben ausrücken. Angesichts von 4,2 Millionen Besuchern sei das aber immer noch erfreulich wenig, so Schiebe weiter.
Mehr Aggressionspotenzial gegen Polizei
Allerdings habe man in diesem Jahr eine Zunahme der Aggression, vor allem gegen die Polizei, beobachtet, so Schiebe. "Für künftige Feste werden wir analysieren, wie wir in Bezug auf das Aggressionspotenzial noch besser auf die Menschen zugehen können", so der Revierleiter.
Aufsehen erregte in diesem Jahr ein Fall rund um einen Einsatz in einem der Festzelte in der Nacht von Montag auf Dienstag. Nach einer Schlägerei in einem Festzelt auf dem Stuttgarter Wasen beklagten sich Schaustellerinnen und Schausteller über Polizeigewalt. Bei dem Einsatz wurden auch mehrere Polizisten verletzt.
Cannstatter Volksfest Nach Bericht über Wasen-Schlägerei: Schausteller erheben Vorwürfe gegen Polizei
Die Polizei hatte von einer großen Auseinandersetzung berichtet. Doch nun melden sich Schausteller zu Wort und kritisieren, die Beamten hätten sich unangemessen verhalten.
Ermittlungsgruppe nach Schlägerei auf dem Wasen gegründet
Der Fall werde jetzt von einer eigenen Ermittlungsgruppe "Loge" im Polizeireviers 6 Bad Cannstatt untersucht. "Weil aber auch entsprechende Vorwürfe gegen meine Beamten aufkamen, ermittelt jetzt auch die Abteilung 'Amtsdelikte'. Das ist auch richtig so, wir müssen uns solchen Vorwürfen stellen", erklärte Schiebe.
Mark Roschmann vom Schaustellerverband betonte am Sonntag, dass man Gewaltausbrüche nicht gutheißen könne. Man müsse jetzt die polizeilichen Ermittlungen abwarten und dürfe keine vorschnellen Schuldzuweisungen vornehmen.
Bundespolizei verzeichnet einen Anstieg von Straftaten
Die Bundespolizei zog einen Tag später, am Montag, ihre Bilanz zum Volksfest. Den Angaben nach kam es in ihrem Zuständigkeitsbereich, dem Bahnhof Bad Cannstatt und dem Hauptbahnhof, zu 64 festgestellten Straftaten. Das sei ein Anstieg im Vergleich zum vergangenen Jahr, in dem 45 Fälle verzeichnet wurden.
Einen leichten Rückgang konstatierte die Bundespolizei bei den Körperverletzungsdelikten. Hier habe es im Vorjahr 20 Fälle gegeben, in diesem Jahr 16. Im Bereich der Eigentumskriminalität wiederum sei ein leichter Anstieg wahrnehmbar. Wurde 2024 nur ein Fall verzeichnet, mussten die Beamten in diesem Jahr zehn Diebstahlsanzeigen aufnehmen, heißt es in einer Mitteilung.
Die Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten, wie das Verunreinigen von Bahnanlagen oder das unerlaubte Überschreiten der Gleise, habe mit 12 Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie 2024 gelegen. Allerdings hätten sehr viel mehr präventive Maßnahmen ergriffen werden müssen: Platzverweise, Gefährderansprachen und Erste-Hilfe-Leistungen habe es insgesamt 107 gegeben (im Vorjahr 50). Wie die Landespolizei beklagt auch die Bundespolizei ein erhöhtes Gewaltpotenzial gegenüber den Einsatzkräften.
"Wasenboje": Mehr Frauen und Mädchen suchten Hilfe
Das Projekt "Wasenboje", eine Anlaufstelle speziell für Mädchen und Frauen auf dem Wasen, verzeichnete mit rund 250 Fällen eine Zunahme zu 2024. Das könne auch daran liegen, dass das Angebot immer bekannter werde, hieß es von dem Projektleiter bei der Stadt Stuttgart, Marc Reinelt.
Geschultes Personal hilft dort bei Orientierungslosigkeit, Belästigung oder in anderen Situationen. "Ein Fünftel der Fälle waren kritisch, etwa durch sexualisierte Gewalt oder K.o.-Tropfen", so Reinelt. Im vergangenen Jahr waren es noch knapp 160 Fälle.