Windpark Königseiche

Gutachten stellt unzulässigen Brummton fest: Windräder dürfen nur noch eingeschränkt laufen

Wegen störender Töne bei starkem Wind darf der Windpark Königseiche auf dem Schurwald nur noch eingeschränkt betrieben werden. Der Ruf nach einem Aus für die Windräder wird lauter.

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Seit anderthalb Jahren gibt es Ärger um den Betrieb des Windparks Königseiche auf dem Schurwald in Uhingen-Baiereck im Kreis Göppingen. Der Grund: die Wisch- und Brummgeräusche, die von den zwei Windrädern oberhalb der Siedlung im Nassachtal ausgehen. Auch nach dem Tausch der Getriebe und der Wiederinbetriebnahme im Herbst ebbten die Klagen nicht ab. Nun zeigt ein Immissions-Gutachten: Bei bestimmter Windlast geht von den Anlagen tatsächlich ein unzulässiger Ton aus. Das Umweltamt des Landkreises hat deshalb nun Auflagen erlassen.

Der Windpark Königseiche auf dem Schurwald: Wegen eines störenden Brummtons werden nun die Forderungen lauter, die beiden Windräderüber Baiereck stillzulegen.
Der Windpark Königseiche auf dem Schurwald: Wegen eines störenden Brummtons werden nun die Forderungen lauter, die beiden Windräderüber Baiereck stillzulegen. Fabian Ziehe

Brummtöne bei Messungen im März nachgewiesen

Die Messungen hatten in der Nacht auf den 14. März stattgefunden - und zwar an drei Messpunkten in Baiereck. Damit ist es eine "Immissionsmessung", es wurde also gemessen, was vor Ort ankam. Anfang September hatte es wie generell vorgeschrieben bereits eine "Emissionsmessung" nahe der Anlagen gegeben. Bei diesen waren die Werte eingehalten worden. Nun aber wurde neben Wischgeräuschen bei stärkerem Wind auch eine "auffällige Geräuschkomponente" entdeckt, wie das Umweltamt des Landratsamts Göppingen am Freitagabend geschrieben hatte.

Da Windenergieanlagen generell nicht derart "tonhaltig" sein dürfen, habe der Betreiber der Anlage, Uhl Windkraft aus Ellwangen (Ostalbkreis) als "Sofortmaßnahme" zugesagt, die Windräder bei Windgeschwindigkeiten von mehr als neun Metern pro Sekunde herunterzuregeln. Darüber hinaus, so das Umweltamt, prüfe der Betreiber technische Maßnahmen, um den störenden Ton durch technische Anpassungen generell zu beseitigen. Ob das gelingt, werde man durch eine weitere Immissionsmessung überprüfen. Von Uhl Windkraft hatte es bis Sonntag noch keine Rückmeldung auf eine SWR-Anfrage gegeben.

Ortsvorsteher nicht überrascht von Messung

Für den Baierecker Ortsvorsteher Vincent Krapf (CDU) ist das Ergebnis der Messung keine Überraschung. Er erklärt, dass es trotz des Getriebetauschs Mitte 2025 seit der Wiederinbetriebnahme im Oktober schon mehr als 60 "Problemnächte" gegeben habe, wie eigene Messungen sowie zahlreiche Beschwerden aus der Bürgerschaft ergeben haben. "Unsere Forderung war stets, dass es eine Langzeit-Immissionsmessung im Ort gibt, weil eine Nacht nicht repräsentativ ist." In der Messung im März nun habe es nur in Böen so viel Wind gegeben, dass die Anlagen unter Volllast liefen. In anderen Nächten sei der störende Ton andauernd.

Vincent Krapf, Ortsvorsteher von Baiereck, zweifelt mittlerweile generell daran, dass sich der Höhenzug über dem Nassachtal für Windräder eignet.
Vincent Krapf, Ortsvorsteher von Baiereck, zweifelt mittlerweile generell daran, dass sich der Höhenzug über dem Nassachtal für Windräder eignet. Fabian Ziehe

"Wir hatten viele schlimme Nächte, etwa über Weihnachten und Ostern“, sagt Krapf. Er ist nun froh, dass das Phänomen auch von den Behörden festgestellt ist und dass nun Maßnahmen ergriffen werden. Allerdings geht er nicht davon aus, dass die Schritte, die Uhl Windkraft nun angekündigt hat, tatsächlich helfen." Unsere Messungen zeigen, das bei nahezu allen Windgeschwindigkeiten Tonhaltigkeiten vorhanden sind." Die eigenen Messungen einer "zertifizierten Messstelle", an der auch die Stadt Uhingen beteiligt sei, würden in den nächsten Wochen ebenfalls vorgelegt.

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Krapf: Zweifel am Standort über Baiereck

Krapf zweifelt mittlerweile daran, dass der Standort generell für Windkraft geeignet ist. Es gebe seit längerem Anzeichen, dass die Topographie, also die Tal-Lage von Baiereck, schlichtweg ungünstig sei und die Tonhaltigkeit und die Schallpegel verstärke. Die Werte sind bei den Messpunkten im Ort höher als bei den Messstationen die weiter an den Anlagen außerhalb des Ortes liegen. Es gebe Vermutungen, dass es einen Effekt ähnlich eines klassischen Amphitheaters gebe - wobei es dafür noch keine belastbare Studie in Deutschland gebe.

Menschen aus Baiereck bei einer Ortsbegehung im Oktober 2025: In den 16 Monaten des Betriebs des Windparks Königseiche hat es wiederholt und gehäuft Klagen wegen Lärmbelästigung durch die Windkraftanlagen gegeben - gerade in den Nächten.
Menschen aus Baiereck bei einer Ortsbegehung im Oktober 2025: In den 16 Monaten des Betriebs des Windparks Königseiche hat es wiederholt und gehäuft Klagen wegen Lärmbelästigung durch die Windkraftanlagen gegeben - gerade in den Nächten. Fabian Ziehe

Krapf, dem nach eigenen Angaben die Energiewende wichtig ist, fürchtet neben der Gesundheit seiner Bevölkerung auch um den Ruf der Windkraft. "Wenn 16 Monate nach der Erstinbetriebnahme und zahlreichen kostenintensiven technischen Maßnahmen immer noch Mängel bestehen, die der Genehmigung widersprechen und die Bürger gesundheitlich belasten, ist grundsätzlich die Frage der Standortwahl zu stellen“, sagt Krapf

BI "Pro Schurwald" fordert Stilllegung der Windräder

Bertram Feuerbacher von der Bürgerinitiative "Pro Schurwald" fordert unumwunden das Aus für den Windpark. "Tonhaltige Anlagen sind nicht genehmigungsfähig, diese Anlagen sind einfach stillzulegen. Er will jetzt das Gutachten einsehen, wenn es vollständig vorliegt. Darüber hinaus hält er es zudem für bedenklich, dass trotz der Probleme in Baiereck weiter über eine Anlage in Sichtweite nahe von Schorndorf-Unterberken (Rems-Murr-Kreis) nachgedacht werde. Erst müsse nun geprüft werden, ob die Tonhaltigkeit nicht ein generelles Problem von Windkraftanlagen sei.

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SWR

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