Auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart hat es am ersten Wochenende Verdachtsfälle von K.-o.-Tropfen gegeben. In drei Fällen bestehe der Verdacht, dass Besuchern sogenannte K.-o.-Tropfen in Getränke geschüttet wurden, sagte ein Polizeisprecher.
- Verdacht auf K.-o.-Tropfen: Was ist passiert?
- Ermittlungen auch wegen Körperverletzung
- K.-o.-Tropfen: Wie kann man's erkennen und reagieren?
- Was tun bei Übergriffen im Festzelt?
- Festzelte kooperieren mit Safe-Apps
- "Safe Space" für Frauen auf dem Gelände
- So können Außenstehende helfen
Verdacht auf K.-o.-Tropfen: Was ist passiert?
Die Personen auf dem Cannstatter Volksfest hätten über körperliche Beschwerden geklagt. In allen drei Fällen müsse aber das Ergebnis der Untersuchung der jeweiligen Urinproben abgewartet werden. Laut Polizei gibt es auf vergleichbaren Festen immer wieder solche Fälle.
Die meist geschmacks- und geruchslosen K.-o-Tropfen wirken wie Drogen. Die Opfer können für Minuten oder mehrere Stunden bewusstlos werden. Die Täter nutzen diese Zeit für Sexualdelikte oder zum Ausrauben. Meist können sich die Betroffenen hinterher nicht mehr richtig daran erinnern.
Ermittlungen auch wegen Körperverletzung
Zudem kam es nach Angaben der Beamten am ersten Volksfest-Wochenende auf dem Cannstatter Wasen zu mutmaßlichen Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Beleidigungen und vereinzelt sexuellen Belästigungen. Laut Polizei bewegen sich die Vorfälle im erwarteten Rahmen für solche Feste. "Wir hatten bislang keine außergewöhnlichen Vorkommnisse", sagte ein Sprecher.
Die genaue Anzahl der Straftaten am ersten Wochenende teilt die Polizei nicht mit, sie sei aber auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Die meisten Einsätze und Straftaten verzeichnete die Polizei am Samstag.
FAQ zum Cannstatter Wasen Cannstatter Volksfest 2025 in Stuttgart: Das müssen Besucher wissen
Was sind in diesem Jahr die Highlights beim Cannstatter Volksfest auf dem Wasen in Stuttgart? Was kostet die Maß Bier? Und wann wird es am vollsten?
K.-o.-Tropfen: Wie kann man's erkennen und reagieren?
Mit Blick auf die K.o.-Tropfen-Verdachtsfälle macht das Hilfsangebot "Wasenboje" darauf aufmerksam, dass "sich die Intoxikation mit K.o.-Tropfen nicht automatisch von Alkoholkonsum unterscheiden lässt, weil die Symptome ähnlich sind", so eine Mitarbeiterin. Deshalb rät sie dazu, die Mitfeiernden aufmerksam im Auge zu behalten und beisammenzubleiben, um Anzeichen zu erkennen, die sich vom sonstigen Verhalten bei Trunkenheit unterscheiden. Ansonsten seien Symptome wie Erinnerungslücken, Schwindel und Erbrechen teils ähnlich wie beim Alkoholkonsum.
Falls der Verdacht auf K.o.-Tropfen besteht, sollte sofort medizinisches Personal hinzugezogen werden. Auch wenn die Identifikation der Ursache vor Ort noch nicht direkt möglich ist: "Ein richtiger Test kann nur im Krankenhaus gemacht werden", sagt die Mitarbeiterin der "Wasenboje" weiter.
Was tun bei Übergriffen im Festzelt?
Bei den Delikten auf Volksfesten tauchen immer wieder auch Übergriffe auf - ein sensibles Thema. Um Betroffenen zu helfen, arbeiten manche Festzelte mit diskreten Codewörtern. Wenn man sich mit diesen Sätzen an das Personal wendet, wissen sie, dass sich jemand in einer hilfsbedürftigen Situation befindet und können direkt eingreifen. Auf dem Cannstatter Volksfest ist das im Festzelt Wasenwirt "Wo ist Eve", im Göckelesmaier "Wo ist Luisa".
Festzelte kooperieren mit Safe-Apps
In einigen Festzelten gibt es auch die Möglichkeit, über Safe-Apps Unterstützung zu rufen. Im Zelt "Beim Benz" ist das die App "SafeNow". Im Notfall kann man damit den eigenen Standort mit dem Sicherheitspersonal teilen. Der Wasenwirt arbeitet mit der App "Eve". Betroffene sollen unter anderem so schnell Hilfe bekommen.
"Safe Space" für Frauen auf dem Wasengelände
Bei der "Wasenboje" können Mädchen, Frauen und alle, die entsprechend Hilfe suchen, niederschwellig Ansprechpartnerinnen finden. Der grün-blaue Container soll seit 2023 eine erste Anlaufstelle bei Belästigung oder Missbrauch sein. Hier arbeiten speziell geschulte und ausschließlich weibliche Fachkräfte.
Sie helfen in kritischen Situationen und greifen auch präventiv ein. Wer Hilfe auf dem Nachhauseweg, einen Ort zum Handyaufladen oder zum Zurückziehen braucht, kann sich an die Anlaufstelle wenden.
Sexuelle Belästigung: So können Außenstehende helfen
Doch was tun, wenn man als Besucherin oder Besucher des Volksfests eine Person in einer hilflosen Situation beobachtet - beispielsweise im Kontext eines sexuellen Übergriffs? Hier sollten Außenstehende laut den Expertinnen von der "Wasenboje" aktiv werden: "Es ist wichtig, dass man auf jeden Fall einschreitet und nicht einfach wegschaut. Der erste Schritt ist immer, dass man zu dem Mädchen oder der Frau geht und guckt, ob alles in Ordnung ist, aber sie entscheiden lässt, wie es weitergehen soll. Das ist ganz wichtig", sagt eine Mitarbeiterin. Im weiteren Schritt sei es auch ratsam, sich bemerkbar zu machen, sich also bei Security-Mitarbeitenden zu melden - falls nötig auch lautstark, denn: "Nicht jeder oder jede kann immer laut sein."
Jeder solle sich vor einem Wasen-Besuch bewusst machen, was passieren kann, "sodass, wenn die Frau selbst nicht in der Lage ist, was zu sagen oder sich zu wehren, sofort jemand anderes einschreitet und den Ernst der Situation wahrnimmt", so die "Wasenboje"-Mitarbeiterin.