Ein Schwerpunkt auf der Touristikmesse CMT, die in Stuttgart vom 17. Bis 25. Januar 2026 stattfindet, ist das Caravaning. Viele Campingbegeisterte sind für die Messe gleich im eigenen Camper angereist und wohnen auf dem Wohnmobilstellplatz am Messegelände. Ein Umstand, den die Uni Stuttgart nutzt: Wo viele Menschen campieren, fällt viel Abfall an, auch organischer Abfall wie Urin. Statt den Urin in öffentlichen Toiletten zu entsorgen, soll er in großen Behältern auf dem Stellplatz gesammelt und dann zu Forschungszwecken an die Uni Stuttgart gebracht werden.
Urin ist ein wertvoller Rohstoff
Das Team um Professor Lucio Blandini, Leiter des Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren, nutzt Urin, um einen neuen, nachhaltigen Baustoff herzustellen. Ein verkannter, aber wertvoller und leicht zu beschaffender Rohstoff. "Es ist zugegebenermaßen unkonventionell, mit Urin als Material für das Bauen zu arbeiten", so Blandini auf der CMT. Aber um die Probleme in der Baubranche anzugehen, müsse man auf neue Konzepte setzen.
Die Herstellung von Biobeton schont die Umwelt
Hergestellt wird der Biobeton durch Biomineralisierung, ein Verfahren, bei dem lebende Organismen durch chemische Reaktionen anorganisches Material erzeugen. Für den Biobeton wird Sand mit einem bakterienhaltigen Pulver gemischt. Die Mischung kommt in eine Schalung und wird drei Tage lang mit Urin gespült, der mit Calcium angereichert ist. Das Sandgemisch verfestigt sich zu Biobeton. Ein umweltschonender Baustoff, der nach Angaben der Uni Stuttgart potenziell CO2-neutral und komplett aus Abfallstoffen herstellt werden kann. Die Produktion von herkömmlichem Beton ist dagegen sehr energieintensiv, weil große Hitze und viel Strom benötigt werden.
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Pro Kubikmeter Biobeton werden 26.000 Liter Urin benötigt
Die ersten Materialproben sind circa 20 Zentimeter hohe Zylinder, die gute Materialeigenschaften haben. "Es wäre toll, wenn ein zwei- oder dreigeschossiges Haus aus dem Material entstehen könnte", so Blandini. Spannend sei nun zu testen, welche Eigenschaften größere Biobetonteile haben. Für die Herstellung werden enorme Mengen Urin benötigt: rund 26.000 Liter pro Kubikmeter Beton. Diese Mengen lassen sich am besten bei Großveranstaltungen beschaffen, wie jetzt bei der CMT.
Camper auf der CMT unterstützen das Projekt
Andreas Neumann ist mit seinem Camper von Hamburg aus zur CMT nach Stuttgart gekommen und wohnt während der Messezeit auf dem Wohnmobilstellplatz neben den Hallen. Er ist von dem Forschungsprojekt und der Urinsammelaktion begeistert. Nur durch die Forschung, nur durch Upcycling kann man etwas für die Natur tun, sagt er. Und da er eine Trenntoilette in seinem Camper verbaut habe, trenne er sowieso Urin vom Rest, könne also problemlos spenden.
Die Wissenschaftler der Stuttgarter Uni hoffen, dass bei der Sammlung während CMT 600 Liter zusammenkommen, damit sie ihr Biobeton-Projekt im großen Stil weiterführen können.