Finanzstreit überschattet Feierstunde

Endstation Renningen: Letzter Abschnitt der Hermann-Hesse-Bahn in Betrieb

In Renningen ist der letzte Abschnitt der Hermann-Hesse-Bahn in Betrieb gegangen. Seit Februar fahren die Züge von Calw bis Weil der Stadt, seit Montag auch bis in den Kreis Böblingen.

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Von Autor/in Mathias Zurawski, Annika Jost, Simon Hartmann, Wolfgang Hörter

Der neue Fahrplan gilt. Ab sofort fährt die Hermann-Hesse-Bahn bis zu ihrer Endhaltestelle in Renningen im Landkreis Böblingen. Die stillgelegte Strecke wurde nach jahrelanger intensiver Diskussion unter anderem über den Artenschutz mit einer Investition von 240 Millionen Euro wiederbelebt.

Inbetriebnahme Herman-Hesse-Bahn "Meilenstein" für Fahrgäste

Die Hermann-Hesse-Bahn fährt jetzt von Calw über Althengstett und Weil der Stadt bis Renningen in einem 30-Minuten-Takt. Die Strecke soll damit gerade für Berufspendler die Anbindung an den Großraum Stuttgart verbessern. Um die stillgelegten Gleise wieder zu aktivieren, waren große Investitionen nötig. Das Projekt verschlang rund 240 Millionen Euro, deutlich mehr als die anfangs veranschlagten 60 Millionen.

So wurde eigens ein Tunnel gebaut und Fledermäuse mussten in Ersatzquartiere umgesiedelt werden. 90 Prozent der Baukosten für die Hermann-Hesse-Bahn übernehmen Bund und Land. Um das restliche Geld gibt es Streit: Der Landkreis Calw erwartet vom Landkreis Böblingen rund 4,2 Millionen Euro Zuschuss.

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Es geht um 4,2 Millionen Euro für die Hesse-Bahn. Der Kreis Böblingen will die HHB nicht mitfinanzieren. Calws Landrat spricht von Vertrauensbruch. Böblingen wehrt sich.

Streit um Finanzierung überschattet Inbetriebnahme

Der Landkreis Calw fordert vom Landkreis Böblingen, diese Zahlung zu leisten. Der Landkreis Böblingen dagegen sieht sich nicht in der Pflicht. Der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) beruft sich auf eine nach seiner Aussage mündlich getroffene Vereinbarung zur Kostenübernahme. Einen schriftlichen Vertrag in dieser Sache, der für beide Seiten bindend ist, gibt es allerdings nicht.

Ob man eine Vereinbarung oder einen Vertrag schließt, ist für mich zweitrangig. Man sollte sich auf ein Wort in der Politik verlassen können.

Böblingens Landrat Roland Bernhard (parteilos) dagegen betont, dass es nie eine verbindliche Zusage gegeben habe. Auch ein Kreistagsbeschluss fehle, ergänzt Bernhard. Dieser sei für eine Kostenbeteiligung aber notwendig, betont der Landrat gegenüber dem SWR.

Es gab zu keinem Zeitpunkt einen Handschlag, der eine Beteiligung versprochen hätte.

Die Hermann-Hesse-Bahn fährt jetzt bis Renningen im Landkreis Böblingen.
Die Hermann-Hesse-Bahn fährt jetzt bis Renningen im Landkreis Böblingen.

Kaum Feierstimmung bei der Inbetriebnahme

Bei der offiziellen Veranstaltung zur Inbetriebnahme am Montagvormittag in Renningen waren die Beteiligten um Feierstimmung bemüht. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard ließ sich entschuldigen. Er wurde bei der Feierstunde an einem Nebengleis des Renninger Bahnhofs vom Verkehrsdezernenten des Landkreises, Gernot Kämmerer, vertreten.

Das Projekt hat sich immer wieder verzögert. Wegen der Fledermäuse und wegen anderen Akteuren. Aber heute wollen wir feiern.

In Renningen betonte Helmut Riegger nochmals, er hoffe, dass sich die Auseinandersetzung über die Finanzierung der Bahn politisch beilegen lasse. Bei der Umsetzung des Projektes hätten es alle Beteiligten schwer gehabt. Ein Vertreter des Landkreises Böblingen äußerte sich bei der Feierstunde nicht.

Keine Lösung im Finanzstreit zwischen Calw und Böblingen in Sicht

Einen Fehler sieht der Calwer Landrat in der mündlich getroffenen Vereinbarung nicht. Der Landkreis Böblingen sei ein großer Profiteur der neuen Bahn, betonte Helmut Riegger gegenüber dem SWR. Im Landkreis Böblingen wird der Nutzen der Bahn dagegen anders bewertet. Die Vorteile lägen vor allem im Tourismus. Ausflügler in den Schwarzwald würden profitieren, so Landrat Roland Bernhard.

Ich gehe davon aus, dass man sich zusammensetzt wie vernünftige Leute und dann eine politische Lösung findet.

In einem von beiden Landkreisen unterzeichneten Eckpunktepapier aus dem Jahr 2019 ist die Rede von einer "anteiligen Finanzierung des verbleibenden Kommunalanteils". Darauf beruft sich der Calwer Landrat mit seiner Forderung an den Landkreis Böblingen unter anderem. Wie der Streit ums Geld beigelegt werden kann, ist derzeit offen.

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Mathias Zurawski
Mathias Zurawski
Annika Jost
SWR-Reporterin Annika Jost
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SWR-Reporter Simon Hartmann bei einer Live-Schalte für SWR Aktuell
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