Betriebsrat überrascht und verärgert

Daimler Truck will 5.000 Stellen streichen

Daimler Truck hat in Europa mehrere Baustellen. Um wieder auf Kurs zu kommen, muss das Unternehmen sparen. Auch Stellen sollen wegfallen. Nun ist klar, wie viele.

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Stand

Daimler Truck will bis 2030 ungefähr 5.000 Stellen in Deutschland streichen. Das teilte der Nutzfahrzeughersteller mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) bei Stuttgart auf seinem Kapitalmarkttag in Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) am Dienstag mit. Beim Betriebsrat des Unternehmens rief die Mitteilung Irritationen hervor. 

Stellenabbau Teil des Daimler-Sparprogramms

Betroffen ist den Angaben zufolge die Lastwagen-Sparte des Unternehmens. Dort gab es Ende 2024 rund 28.000 Stellen. Insgesamt hat Daimler Truck hierzulande rund 35.500 Beschäftigte.

Der Stellenabbau in Deutschland ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers Teil des Sparprogramms, mit dem Daimler Truck bis 2030 insgesamt eine Milliarde Euro in Europa einsparen will.

In dem Sparprogramm geht es allerdings nicht nur um Personal-, sondern auch um andere Kosten. Insgesamt will der Lkw-Hersteller auf diese Weise wettbewerbs- und widerstandsfähiger werden, heißt es.

SWR-Wirtschaftsredakteurin Tina Fuchs über den angekündigten Stellenabbau bei Daimler Truck:

Abfindungen für Verwaltungsangestellte

Im Mai hat sich die Unternehmensleitung mit dem Betriebsrat in einem Eckpunktepapier bereits auf ein Abfindungsprogramm geeinigt. Es richtet sich an die Beschäftigten in der Verwaltung an allen fünf Lkw-Standorten von Daimler Truck in Deutschland - unter anderem an die Mitarbeitenden in Gaggenau (Kreis Rastatt), Mannheim, Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen), Kassel und das größte Montagewerk für Lkw in Wörth in Rheinland-Pfalz.

Daimler Truck: Betriebsrat überrascht und verärgert

"Die Kommunikation des Unternehmens mit einem Stellenabbau von rund 5.000 Kolleginnen und Kollegen hat uns überrascht", sagt Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Daimler Truck. Man habe nicht über eine konkrete Zahl von abzubauenden Stellen gesprochen und auch nichts dergleichen vereinbart.

Die Zahl, die das Unternehmen nun kommuniziert hat, sei offensichtlich der Kapitalmarktkommunikation geschuldet. Es sei ärgerlich, "dass durch den Wunsch, dem Kapitalmarkt zugefallen, die Kolleginnen und Kollegen nur unnötig verunsichert werden", so Brecht weiter.

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Kosten senken durch Einsparungen

Von dem Sparprogramm "Cost Down Europe" bei der zuletzt schwächelnden Marke Mercedes-Benz Trucks sind sowohl die Produktion als auch die Zentrale, Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung betroffen. Gesenkt werden sollen neben den Personalkosten beispielsweise auch die Kosten für Material, Verwaltung, IT-Infrastruktur sowie Forschung- und Entwicklung.

Vom Betriebsrat heißt es weiter, dass man innerhalb der Vereinbarungen die Zukunftssicherung bis 2035 verlängert habe. Damit seien betriebsbedingte Kündigungen in diesem Zeitraum ausgeschlossen. "Niemand der Kolleginnen und Kollegen muss Angst vor einem Arbeitsplatzverlust haben. Ein Stellenabbau kann nur über natürliche Fluktuation beziehungsweise freiwillige Maßnahmen erfolgen", heißt es. Die Arbeitsplätze der Beschäftigten in Wörth blieben bis Ende 2034 gesichert, erklärte der Wörther Betriebsratsvorsitzende Thomas Zwick.

"Wir haben in den vereinbarten Maßnahmen Zugeständnisse gemacht, weil auch wir ein wettbewerbsfähiges Unternehmen wollen. Allerdings ist Sparen alleine keine Strategie. Wir brauchen gute Produkte und eine klare Wachstumsstrategie, um in Zukunft erfolgreich zu sein", so der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Brecht. Denn nur wenn Aufgaben, zum Beispiel im Ausland, günstiger erledigt werden könnten, könne dafür eine Tätigkeit in Deutschland wegfallen.

Daimler Truck will Produktion ins Ausland verlagern

Genau das hat Daimler Truck wohl vor und bekannt gegeben, mehr als 20 Prozent des europäischen Lkw-Produktionsvolumens in ein Land mit Kostenvorteilen zu verlagern. Damit will man die Kosten pro dort produziertem Lkw um 3.000 Euro zu senken.

Konkret will Daimler Truck so in den kommenden fünf Jahren die Profitabilität etwas stärker steigern als bisher. Die Vorstandsvorsitzende der Daimler Truck Holding AG, Karin Radström, peilt bis 2030 eine um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von mehr als zwölf Prozent an.

Die Zahlen beziehen sich nur auf das Industriegeschäft - umfassen also nicht die Finanzdienstleistungen. Bisher hatte der Nutzfahrzeughersteller das nur für den Fall günstiger Bedingungen erwartet.

Maue Nachfrage bei Daimler Truck in Europa

Das schwache Wirtschaftsumfeld in Europa und insbesondere in Deutschland bremst das Dax-Unternehmen seit längerem aus. Konzernweit ging der Absatz 2024 um zwölf Prozent zurück, im ersten Halbjahr 2025 um knapp sieben.

Lange hatte Daimler Truck vom Bestellboom der Speditionen nach der Corona-Pandemie gezehrt. Probleme gab es nicht mit der Nachfrage, sondern vor allem mit der Versorgung mit Teilen wie Elektronikchips. Hinzu kamen teils deutlich gestiegene Energie- und Frachtkosten. Seit einiger Zeit hat sich das Bild aber gewandelt: Viele Speditionen warten ab - und bestellen gerade keine neuen Lastwagen.

Daimler Truck ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Nutzfahrzeughersteller und beschäftigt mehr als 100.000 Menschen. In den USA führt der Konzern unter anderem die Marken Freightliner und Western Star. Die Produktpalette umfasst leichte, mittelschwere und schwere Lkw.

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Betina Starzmann
SWR-Redakteurin Betina Starzmann
Reporter/in
Geli Hensolt
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