Mit der App "Hilf spontan" sollen Freiwillige niedrigschwellig per Push-Nachricht dorthin gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Die Anwendung wurde vom DRK Kreisverband Rems-Murr entwickelt. Seit dem Starkregen-Ereignis im Rems-Murr-Kreis vor zwei Jahren und der Flutkatastrophe im Ahrtal weiß man beim Deutschen Roten Kreuz: Im Krisenfall wollen viele Menschen helfen, doch sie wissen nicht wie.
Massive Zerstörungen im Rems-Murr-Kreis
So wie Heike Schmidt. Sie erinnert sich noch genau an den Tag im Juni vor zwei Jahren. Mit ihrer Familie sitzt sie in ihrem Haus in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) in der Küche, draußen prasselt der Regen unaufhörlich aufs Dach. "Und ich dachte noch, das kann nicht normal sein", erzählt sie. Kurz darauf habe sie schon Videos von ihren Bekannten zugeschickt bekommen. Darauf sei zu sehen gewesen, wie ein Auto an einem Küchenfenster vorbei geschwemmt wurde.
Es ist die Nacht auf den 3. Juni 2024. Starkregen und Unwetter. Der Rems-Murr-Kreis ist besonders schwer getroffen. Sturzfluten richten massive Zerstörungen an, zwei Menschen sterben. Für Heike Schmidt ist diese Situation besonders bewegend. Sie stammt von der Ostsee, Flutgeschichten wie diese kennt sie aus der eigenen Familie. Umso mehr fühlt Heike Schmidt in dieser Nacht mit den Menschen in Schorndorf und Umgebung mit. Es müsse furchtbar sein, einfach herausgerissen zu werden, im Dunkeln, habe sie sich damals gedacht.
DRK will Hilfsbereitschaft bündeln
In dieser Nacht hat Heike Schmidt sofort den Impuls: Jacke anziehen, hingehen, helfen. Aber sie hält sich erstmal zurück, weil sie nicht weiß, wo sie helfen soll. Genau hier setzt die App "Hilf Spontan" an. Sie soll laut dem Verband eine einfache Möglichkeit sein, die Hilfsbereitschaft der Menschen zu bündeln und gezielter einzusetzen.
"Für uns als Hilfsorganisation ist es unheimlich wichtig, dass helfende Menschen kanalisiert werden und in festen Strukturen unterstützen", erklärt Beate Wichtler vom DRK-Kreisverband Rems-Murr. Wer unterstützen will, kann sich registrieren und selbst festlegen, wobei er helfen möchte - ganz ohne Verpflichtungen. Gefragt sind unterschiedlichste Fähigkeiten: Führerschein, Sprachkenntnisse, handwerkliches Geschick oder einfach die Bereitschaft, ältere Menschen oder Kinder zu unterstützen.
Konkrete Hilfe per App
Je detaillierter sich die Nutzer in der App registrieren, desto besser, weiß auch Karin Gericke, die ebenfalls beim DRK-Kreisverband Rems-Murr arbeitet. Gericke betreut die App und erzählt, dass mit der Anwendung auch bei sozialen Projekten im Alltag geholfen werden soll.
Im Katastrophenfall würden vom DRK ganz konkret Anforderungen in der Anwendung eingegeben werden, erklärt Gericke. Das bedeutet: Die App filtert vorab, welche der Qualifikationen die Helfenden für den jeweiligen Fall mitbringen müssen. Eine Verpflichtung gibt es nicht.
Rund 200 Freiwillige registriert
Die App soll auch Informationen beispielsweise zur Notfallvorsorge liefern. Zudem können Nutzer besondere Situationen wie Überflutungen oder Straßensperrungen selbst melden. Die Anwendung wurde von der Stiftung des Deutschen Roten Kreuzes im Rems-Murr-Kreis mit 12.500 Euro gefördert. Ein ähnliches Konzept gibt es bereits in Bonn und in Österreich.
Knapp 200 Freiwillige nutzen "Hilf Spontan" bereits - auch Heike Schmidt aus Schorndorf ist registriert. Sie sei froh, dass es dieses Angebot gebe. Für sie sei klar, sie wolle anpacken und mithelfen.