Auf dem Stuttgarter Frühlingsfest gibt es seit diesem Jahr eine neue Sicherheitsstruktur für alle Festzelte. Über eine App können Gäste im Notfall die Security alarmieren und sekundenschnell Hilfe holen. "SafeNow" heißt die App. Firmengründer Tilman Rumland erzählt im SWR-Interview, dass ein Erlebnis in einem Nachtclub den Anstoß gegeben hat. Mit seiner Firma in München hat er die App entwickelt, die nun weltweit genutzt werden kann.
Idee für die App "SafeNow" durch dramatischen Erfahrung
Der Impuls für die App kam aus einer dramatischen Erfahrung: Seine damalige Freundin sei in der Toilette des Clubs sexuell missbraucht worden, erzählt Rumland. "Das Frustrierende war, dass an diesem Abend acht Security-Leute gearbeitet haben. Und einer von denen stand Luftlinie von da, wo sie Hilfe gebraucht hätte, keine zehn Meter entfernt." Die Security habe den Vorfall nicht sehen und nicht hören können.
Wie kann das sein im 21. Jahrhundert? Da ist jemand, der Hilfe braucht, da ist jemand, der bezahlt wird, um Hilfe zu leisten, aber die zwei finden sich nicht.
"Dann ist die Idee entstanden", so der 36-Jährige. "Weil ich mir gedacht habe: Wie kann das sein im 21. Jahrhundert? Da ist jemand, der Hilfe braucht, da ist jemand, der bezahlt wird, um Hilfe zu leisten, aber die zwei finden sich nicht." Der Wunsch, eine technologische Lösung zu finden, war die Geburtsstunde der "SafeNow"-App.
Alle Festzelte bieten Hilfe auf Knopfdruck
Alle Festzelte auf dem Wasen sind jetzt sogenannte "SafeNow"-Zonen. Rumland erklärt: "Sobald Sie in eine Zone reingehen, beim Benz, beim Göckelesmaier, beim Wasenwirt oder im Royal, sind Sie automatisch in so einer Art sicherem Bereich eingeloggt." Das heißt: Innerhalb dieser Zonen können die Nutzer über die "SafeNow"-App mit einem Klick die Security im jeweiligen Zelt alarmieren.
Unsere Kolleginnen von dasding.stuttgart haben die App im Festzelt getestet:
Der Standort wird dabei auf den Meter genau mitgesendet. So kann innerhalb in kürzester Zeit Hilfe da sein, wenn jemand beispielsweise belästigt oder angegriffen wird. Oder auch, wenn es einen medizinischen Notfall gibt. Unser Test zeigt, das funktioniert zumindest an einem Tag mit wenigen Besuchern innerhalb von Sekunden: Wir drücken den Button und sehen sofort auf dem Display, wie wir innerhalb des Zeltes genau lokalisiert werden.
Alarm und Standort werden direkt an Sicherheitspersonal geleitet
Das Sicherheitspersonal bekommt den Alarm in derselben Sekunde, wenn der Nutzende per App Hilfe ruft. Sie macht sich, so das Konzept, sofort auf den Weg. Jetzt können wir noch kurz anklicken, welche Hilfe konkret nötig ist, etwa ob jemand verletzt ist oder ob es ein Feuer gibt. Zeitgleich ruft auch jemand vom Sicherheitspersonal an, um sich die Situation schildern zu lassen.
Gerade diese Zusatzinformationen helfen den Helfern. Maurice Jammal, Ordner im Festzelt beim Benz, erklärt: "Dann weiß man einfach schon, auf was man zuläuft. Wenn es eine schwer verletzte Person ist, kann man gleich auch die weitere Kette verständigen, in dem Fall dann einen Krankenwagen."
Einfaches Handling, aber Gefahr von Fehlalarm
Unser Test zeigt auch, dass das erste Nutzen der App nicht selbsterklärend ist. Wer die App schon vor dem Festzelt-Besuch lädt, bekommt die Aufforderung, eine Gruppe zu erstellen; denn es gibt auch die Möglichkeit, "SafeNow"-Gruppen mit Familie, Freunden oder Kollegen einzurichten. Erst direkt am oder im Festzelt betritt man eine "SafeNow"-Zone, in der die jeweilige Security zuständig ist.
Start am Samstag Stuttgarter Frühlingsfest 2026: Das müsst ihr vor dem Besuch wissen
Am Samstag hat das 86. Stuttgarter Frühlingsfest begonnen. Wie finde ich mich zwischen Riesenrad und Autoscooter zurecht? Was kostet die Maß Bier? Und was, wenn was passiert?
Ansonsten ist das Handling einfach, manchmal sogar fast zu einfach. Denn es kann durchaus passieren, dass man versehentlich an den Button kommt und die Security alarmiert. Und wer selbst in einer Notsituation ist, hat vermutlich nicht die Muße, die App zu bedienen; das müssen dann die Zeugen tun.
Sicherheitskonzept findet Zuspruch
Viele Besucherinnen, die wir befragt haben, kannten das Konzept nicht, haben es aber positiv bewertet, nachdem sie es gezeigt bekommen hatten. Melissa, eine 30-jährige Besucherin im Festzelt, kannte die Sicherheits-App schon: "Ich habe die App bereits installiert und finde, das ist wirklich ein super Angebot!"
Festwirt Macel Benz, der "SafeNow"-Vorreiter auf dem Wasen war, erzählt, das Feedback, das er bekomme, sei ebenfalls durchweg positiv. Auch präventiv sei das Konzept sinnvoll: Wenn man sehe, da entstehe gerade eine gefährliche Situation, könne man Hilfe holen, bevor etwas passiere.
Nutzung der App soll kostenlos bleiben
Für die Nutzerinnen und Nutzer ist die App kostenlos. Das Konzept finanziert sich über die Betreiber der "SafeNow"-Zonen, die sich damit eine ergänzende Sicherheitsmaßnahme kaufen, und über Sponsoren. Tilman Rumland verspricht, die App werde auch künftig für die User kostenlos bleiben: "Es sollen nicht diejenigen, die sich unwohl fühlen, zur Kasse gebeten werden." Sonst müsse man eine Marke aufbauen, die versucht, den Leuten Angst zu machen." Er wolle das Gegenteil: "Den Leuten ein Tool geben, mit dem sie ein bisschen sicherer sind und dadurch mehr Spaß haben und besser feiern können."