Helferin wollte Hebamme werden

Geburt auf der Straße: Frau aus Stuttgart hörte Schreie einer Schwangeren und half

In Stuttgart bekommt eine Frau auf dem Gehweg ihr Baby. Eine Nachbarin hörte die Frau und half spontan bei der Geburt. Warum sie damals im Sommer alles richtig gemacht hat.

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Von Autor/in Verena Neuhausen

Marie Fischer aus dem Stuttgarter Süden hört vor ihrer Wohnung eine Frau laut stöhnen. Aus dem Fenster sieht sie, wie sich eine Hochschwangere an einen Laternenmast stützt. Spontan begreift sie: Das sind Wehen. Sie rennt drei Treppen runter zu der Schwangeren und dem Mann, der versucht, seine Frau zu halten. Marie Fischer ist sofort klar: Hier wird gerade mitten auf dem Gehweg ein Baby geboren.

Angst, dass das Baby auf den Boden fällt

"Als ich ankam, war der Kopf von dem Baby sogar schon draußen", erzählt sie im Gespräch mit SWR3 am Freitag. Das Ganze war letzten Sommer, erst jetzt erzählt sie davon, denn: "Das war für mich das Krasseste, was ich je erlebt hab - wie ein Geschenk."

"Hey hör auf deinen Körper, der weiß schon, was er tut", sagte sie der werdenden Mutter. Ihr sei damals sofort bewusst gewesen, dass das Kind schon bei der nächsten Wehe auf der Welt sein wird. Deshalb griff sie zu allem, was das junge Paar dabei hatte: einen Babyautositz, Decken, Jacken. "Wir müssen wahnsinnig aufpassen, dass wir das Kind auffangen", sagte sie dem Vater, so erzählt sie es heute, "dass es nicht auf den Boden knallt und gleichzeitig kein Zug auf die Nabelschnur kommt".

Helferin wollte Hebamme werden

Warum sie so souverän reagiert hat? "Ich wollte früher Hebamme werden. Es war einfach in meinem Kopf, und ich wusste genau, was ich machen muss." In Sachen Geburt hatte sie auch viel bei Praktika im Krankenhaus gelernt. Heute ist Marie Fischer Grundschullehrerin. Ihr Interesse rund um Geburten hat sie sich bewahrt.

"Der erste Schrei - wir waren alle mega erleichtert"

Bei der Geburt an einer Kreuzung unweit des Stuttgarter Marienhospitals ging alles gut. "Es ist nicht auf den Boden gefallen, es kam sehr schnell raus." Weil das Neugeborene erst ganz leise war, reagierte Marie Fischer weiter genau richtig: "Wir haben stimuliert, gerubbelt - alles getan, was man halt so tun muss", sagt sie. "Dann kam der erste Schrei, und wir alle waren megaerleichtert!"

Helferin: "Die Mutter ist die eigentliche Heldin"

Nach der Geburt und dem Bericht bei SWR3 bekommt Marie Fischer ganz viel positive Rückmeldungen. Heute sagt sie: "Die eigentliche Heldin ist die Mama von dem Baby!" Sie sei auch nicht die einzige, die geholfen habe. Der Papa sei supersüß gewesen und auch andere Nachbarinnen seien hinzugekommen. "Wir haben alle gemeinsam unterstützt", erinnert sie sich. Trotzdem war es Marie Fischer, die in dem Moment Ruhe verbreitete und der jungen Mutter Zuversicht gegeben hat. "Aber die hätte es auch ohne mich toll hinbekommen", sagt sie heute.

Zu der Familie mit dem im Sommer auf der Straße geborenen kleinen Jungen hat sie bis heute viel Kontakt. "Denen geht es super", berichtet sie. Erst später hat sich herausgestellt, dass die junge Familie in ihrer Nachbarschaft lebt. Ein halbes Jahr nach der Geburt sagt sie: "Ich möchte nicht für meinen Einsatz gefeiert werden, ich bin einfach nur dankbar, dass ich da mit dabei sein durfte."

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Verena Neuhausen
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