Ermittlerinnen und Ermittler für Cyberkriminalität mit Sitz in Esslingen haben mit ihrer Arbeit zu einem europäischen Haftbefehl beigetragen. Dabei geht es um einen 28-jährigen Ukrainer, der der Kopf einer Hacker-Gruppe sein soll. Um ihn zu identifizieren, habe man unzählige Datensätze wie Chatnachrichten und Transaktionen in Kryptowährungen akribisch ausgewertet, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Polizeipräsidium Reutlingen mit.
Behörden sprechen von mehr als 300 Opfern
Der Beschuldigte und mehrere andere Personen werden demnach verdächtigt, weltweit mehr als 300 Unternehmen erpresst zu haben. Zu den Opfern sollen auch mindestens neun Unternehmen aus Deutschland zählen. Die Gruppe soll durch Schadsoftware sensible Daten entwendet und verschlüsselt haben, die erst nach einer Zahlung wieder freigegeben wurden. Diese Methode wird auch als Ransomware bezeichnet.
Gruppe eine der "aggressivsten und erfolgreichsten"
Die Beschuldigten sollen dabei jedoch keine eigenen Hacker-Tools verwendet haben, sondern solche, die von der berüchtigten "HIVE"-Gruppierung entwickelt wurden. Indem sie sich also deren Netzwerk anschlossen, handle es sich in diesem Fall um eine sogenannte "Affiliate-Gruppierung" - und diese sei eine der "aggressivsten und erfolgreichsten", teilten die Behörden mit. Die Nutzung der nicht selbst entwickelten Software werde außerdem als "Ransomware-as-a-Service" bezeichnet, heißt es in der Mitteilung der Behörden weiter.
Zehn Millionen Dollar Prämie
"Die Gruppierung ging dabei höchst professionell vor und forderte für die Entschlüsselung und Nichtveröffentlichung der Daten hohe Lösegelder." Die ihnen vorgeworfenen Cyberangriffe hätten zu einem wirtschaftlichen Schaden geführt, der auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt wird. Die US-Regierung hat den Angaben zufolge zehn Millionen Dollar für die Ergreifung des Hauptbeschuldigten ausgelobt. Grund dafür seien aber "weitere Taten, die nicht das hiesige Verfahren betreffen".