Vor neun Jahren ist der heutige Bürgermeister von Neckartailfingen (Kreis Esslingen), Wolfgang Gogel, nachts aus dem Schlaf gerissen worden. Er war gerade erst mit seiner Familie hergezogen. "Die Feuerwehr ist nachts durch die Straßen gefahren und hat die Bevölkerung gebeten, alles aus dem Keller hochzuräumen. Ich bin da nachts aufgeschreckt und war sehr überrascht", sagt Gogel dem SWR. Ein erhöhter Grundwasserspiegel hatte 2013 einige Keller überflutet. Das Ereignis prägt Gogel bis heute. 2022 wurde er dann zum Bürgermeister von Neckartailfingen gewählt - seitdem setzt sich der parteilose Politiker für den Hochwasserschutz ein.
1,15 Millionen Euro für neue Hochwasser-Schutzwand
Bereits im Dezember 2025 wurde eine kleine Mauer entlang einer Wiese am Neckar errichtet. Jetzt ist auch der zweite Bauabschnitt eingeweiht: Die Neckar-Ufermauer über dem Straßentunnel B297 ist erhöht worden. Damit der Blick auf den Neckar erhalten bleibt, gibt es Aussparungen in der Stahlbetonmauer. Hier muss die Feuerwehr im Hochwasserfall ausrücken und die Lücken mit Metalleinsätzen schließen. Etwa zwei Stunden dauert das nach Einschätzung der Feuerwehr.
Rund 1,15 Millionen Euro hat die Erhöhung der Mauer gekostet. Rund einen Monat früher als geplant ist die Schutzmauer nun errichtet - denn eigentlich war der Plan, erst im Juni fertig zu werden. Laut der Gemeinde Neckartailfingen ist die linke Neckarseite des Ortes jetzt gegen Hochwasser geschützt - die rechte Seite soll in den kommenden Jahren durch zwei weitere Baumaßnahmen geschützt werden. Bürgermeister Gogel sagt dazu: "Das Thema Hochwasserschutz ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich habe das weiterhin ganz oben auf meiner Prioritätenliste."
Im Schlauchboot durch das Hochwasser von 1978
"Für mich ist das ein wichtiger und emotionaler Tag", sagt Bürgermeister Gogel im SWR-Interview am Tag der Einweihung. Wasser könne nämlich erheblichen Schaden anrichten, weiß Gogel. Er freut sich darüber, "dass sich die Menschen hier im Ort sicher fühlen." Niemand wolle, dass sich das Jahrhundert-Hochwasser von 1978 nochmal wiederhole. Bei einem Wasserpegel von fast sechs Metern Höhe mussten Anwohnende damals mit Schlauchbooten durch den Ort fahren.