Die größte kommunale Bioabfallverwertungsanlage in Baden-Württemberg ist jetzt in Leonberg (Kreis Böblingen) offiziell in Betrieb genommen worden. In der Anlage werden Biogas, Flüssigdünger und Gärreste hergestellt. Betrieben wird die Vergärungsanlage von der interkommunalen Bioabfallverwertung GmbH Leonberg. Gesellschafter sind der Landkreis Böblingen mit 65 Prozent und der Landkreis Esslingen mit 35 Prozent. Ab 2027 soll auch der Landkreis Göppingen dazukommen.
Neubau ersetzt abgebrannte Anlage
Die Landkreise Böblingen und Esslingen kooperieren schon seit 2005 bei der Verwertung von Bioabfällen. 2019 war die damalige Anlage vollständig abgebrannt. Mit dem Neuaufbau wurde die Anlage dann deutlich vergrößert. Sie hat jetzt eine Gesamtkapazität von 72.000 Tonnen, davon 60.000 Tonnen Bioabfälle und 12.000 Tonnen Grünabfälle. Kernstück der Anlage sind zwei Fermenter mit jeweils 2.250 Kubikmeter Volumen. In den Fermentern vergären die biologischen Abfälle und werden durch Rührwerke durchmischt. Durch diesen Prozess entsteht Biogas, das als grüne Energiequelle fossile Energieträger ersetzen kann. Pro Jahr sollen circa acht Millionen Kubikmeter Rohbiogas mit einem Energiegehalt von rund 46.200 Megawattstunden hergestellt werden.
Lokale Energiegewinnung für den Klimaschutz
Lokale, regenerative Energiegewinnung bedeute mehr Sicherheit und mehr Klimaschutz, betont Böblingens Landrat Roland Bernhard (parteilos). Er ist auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Bioabfallverwertung GmbH Leonberg. Mit der neuen Anlage nutze man die Chancen für innovative Technologien bei der Bioabfallvergärung und insbesondere bei der Verwertung von Biogas durch Methanisierung und CO2-Verflüssigung, so Bernhard.
Durch die Anlage sollen jährlich rund 18.000 Tonnen CO2-Gase eingespart werden. Die Gesamtkosten der neuen Bioabfallverwertungsanlage liegen bei rund 54 Millionen Euro. 21 Millionen Euro kommen als Entschädigung für die abgebrannte frühere Anlage von einer Versicherung. Von Bund und Land gibt es Zuschüsse.
Weiterverarbeitung in beiden Landkreisen
Sowohl das Biogas als auch die Nebenprodukte werden im näheren Umkreis weiterverarbeitet. Der größte Teil des Biorohgases wird per Leitung nach Sindelfingen (Kreis Böblingen) transportiert und dort methanisiert. Danach kann das Methangas direkt in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Sindelfingen eingespeist werden. Neben Biogas liefert die Anlage auch Presswasser, also flüssiges Gärgut, als Flüssigdünger für die Landwirtschaft. Aus den Gärresten wird in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) Kompost hergestellt.
Die frühere Anlage brannte 2019 komplett ab
In der Nacht auf den 11. September 2019 brach aus noch immer ungeklärter Ursache ein Feuer in der alten Vergärungsanlage aus. Betroffen war die Halle, in der Bioabfälle zu Wärme und Kompost verarbeitet wurden. Damals war die Rauchsäule zwei Kilometer hoch und bis über die Autobahn 8 zu sehen. Die Feuerwehr mit über 200 Einsatzkräften brauchte vier Tage, um die gesamten Glutnester zu löschen. Am Schluss mussten die Überreste der Halle abgerissen werden. Es war damals der größte Feuerwehreinsatz in der Leonberger Geschichte.