Interne Ermittlungen der Stadt Stuttgart

Korruption bei in.Stuttgart? So gehen Stadt und Ermittler vor

Gegen einen Ex-Mitarbeiter der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart wird seit Monaten ermittelt. Korruption steht im Raum. Was haben die Ermittlungen bisher ergeben?

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Stand

In einem orangefarbener Flachdachbau auf dem Wasen hat die Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart ihren Sitz. Die Gebäudefarbe ist eigentlich das Auffälligste an dem städtischen Tochterunternehmen, das neben Frühlings- und Volksfest auch den Weihnachtsmarkt und weitere Großveranstaltungen im Auftrag der Stadt organisiert. Doch seit letztem Herbst sorgt eine Personalie bei in.Stuttgart für Aufsehen. Es ist von Seilschaften und Korruption die Rede. Auch beim SWR haben sich Marktbeschicker gemeldet, die sagen, hier sei vieles seltsam gelaufen. Die Stadt Stuttgart hat die Personalie so erschüttert, dass sie intern einen Sonderermittler eingesetzt hat, den ehemaligen BGH-Richter Rolf Raum.

Leitender Angestellter im Herbst plötzlich freigestellt

Ein leitender ehemaliger Mitarbeiter von in.Stuttgart war im Herbst 2025 zunächst freigestellt worden. Mittlerweile ist er - auf eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen, wie es heißt - ausgeschieden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt. Seither ist es auffällig still geworden.

Stuttgart

Ex-Bundesrichter soll intern ermitteln Verdacht auf Bestechlichkeit bei in.Stuttgart: Stadt setzt Sonderermittler ein

Im November wurden Unregelmäßigkeiten bei der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bekannt - ein Mitarbeiter wurde freigestellt. Jetzt will die Stadt intern klären.

Ins Rollen kam der Fall nach SWR-Informationen durch einen Insider aus dem Gastgewerbe. Dieser soll sich direkt an den Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) gewandt haben. Er klagte über unsaubere Praktiken eines Mitarbeiters. Ähnliches sollen auch zwei weitere Hinweisgeber an die Stadt herangetragen haben. Die Anschuldigungen waren aus Sicht der Stadt so gravierend, dass die Stadtspitze zu dem ungewöhnlichen Mittel griff und Raum als Sonderermittler beauftragte.

Dieser arbeitet sich nun an zwei Tagen pro Woche durch Unterlagen und Hinweise aus der Szene, die Stände auf den großen Festen in Stuttgart betreibt. Betroffene können anonyme Hinweise geben: sonderermittler-raum@prof-graf.com.

Was prüft der Sonderermittler der Stadt Stuttgart?

Der SWR steht mit Personen im Kontakt, die offenbar bereits mit dem Sonderermittler gesprochen haben. Ihr Vorwurf: Rund um die führende Person soll es gegen Gefälligkeiten lukrativere Standplätze gegeben haben. Direkt beweisen könne er das nicht, sagt ein Unternehmer. Andere fühlten sich diskriminiert bei der Platzvergabe, erzählt ein Standbetreiber dem SWR.

Das alles habe man auch der Staatsanwaltschaft geschrieben - und man sei verwundert - denn die Staatsanwaltschaft habe sich noch nicht gemeldet, sagt die Person, die anonym bleiben möchte: "Bisschen mehr Interesse hätte ich doch erwartet."

Was sagt der ehemalige Mitarbeiter?

Über seinen Anwalt lässt der ehemalige Mitarbeiter ausrichten, dass ihm "daran gelegen ist, ein uneingeschränktes Vertrauen der Öffentlichkeit in die zuverlässige Arbeit der in.Stuttgart zu bewahren. Mit dieser einvernehmlichen Aufhebung des Arbeitsverhältnisses geht ausdrücklich kein Eingestehen unseres Mandanten der erhobenen Vorwürfe einher."

Der Mandant habe die Selbstanzeige erhoben, weil er nach Beratung mit dem Anwalt davon ausgehe, "dass ihm kein strafrechtlich relevantes Verhalten wird vorgeworfen werden können wird".

Was sagt die Staatsanwaltschaft?

Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart wird wie bei laufenden Ermittlungsverfahren üblich lediglich bestätigt, dass die "Ermittlungen zu dem angefragten Komplex andauern". Es gebe auch schon Kontakt zu dem "Sonderermittler", wie die Staatsanwaltschaft Raum nur in Anführungszeichen nennt. Ob und wenn ja welche mögliche Zeugen oder Hinweisgeber bislang gehört wurden, dazu gibt es keine Informationen.

Diskussion um Apfelpunsch

Wie "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" zuerst berichteten, soll es Unregelmäßigkeiten rund um die Versorgung mit Apfelpunsch von Standbetreibern vor allem bei Weihnachtsmärkten gegeben haben. Der Vorwurf: Der ehemalige Mitarbeiter soll quasi als Zwischenhändler bei einer Firma aus Südtirol Getränke eingekauft, in Räumen von in.Stuttgart zwischengelagert und dann an Standbetreiber weiterverkauft haben.

Dazu erklärt jüngst der Anwalt des ehemaligen Mitarbeiters: "Hierüber war die in.Stuttgart aber selbstverständlich informiert und hatte damit volle Kenntnis sowohl hinsichtlich der Belieferung einzelner Stände mit Bio-Apfelpunsch durch die Firma Anjoka sowie die erfolgende Lagerung des Getränkes auf Lagerflächen der in.Stuttgart. Als das Unternehmen Anjoka über einige Jahre hinweg die Versorgung mit Bio-Apfelpunsch nicht selbst durchführen wollte, übernahm die Agentur unseres Mandanten den Einkauf und die Belieferung der Ständebetreiber, dies allerdings nachweislich zum Einkaufspreis und damit ohne jede Gewinnschöpfung."

Was sagt man bei in.stuttgart?

Der SWR hat die heutige in.Stuttgart-Leitung, den neuen Geschäftsführer Guido von Vacano und den für die großen Feste neu zuständigen Christian Eisenhardt, gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, ebenso zu handeln, also Waren für Marktstände einzukaufen und dann an Standbetreiber weiterzuverkaufen. Spontane und einhellige Antwort beider: "Nein! Auf keinen Fall!".

Die Frage nach dem Warum lassen beide offen, es sei unklar, ob es rechtlich überhaupt zulässig sei. Zu dem früheren Fall wollen sie sich nicht äußern. Nur so viel sagt von Vacano: "Die Klärung dessen, was möglicherweise in der Vergangenheit vorgefallen ist, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, seit ich im Amt bin." Er wolle eine neue Führungskultur bei der in.stuttgart etablieren und vor allem wieder mehr Vertrauen herstellen - intern, aber auch nach außen.

Was ändert sich künftig?

Laut von Vacano habe man die Compliance-Regeln verschärft. Jeder, der bei den Stuttgarter Festen und Märkten aktiv werde, muss demnach einen Geschäftspartnerkodex unterschreiben. Unter seiner Leitung sei zudem mithilfe einer Rechtsanwaltskanzlei überprüft worden, ob bislang bei der Standplatzvergabe alles korrekt verlaufen sei. Auf dem Papier sehe es derzeit danach aus, sagt er. Dennoch habe man das Verfahren um die Vergabe für die nächsten großen Feste - das Volksfest auf dem Wasen und den Weihnachtsmarkt - optimiert. "Wir wollen das sehr transparent gestalten", so von Vacano.

Letztlich entscheide die Stadt Stuttgart über die Standplatzvergabe, in.stuttgart bereite aber die Entscheidungsgrundlage vor und wolle nach einem Punktesystem die Eignung der jeweiligen Bewerber prüfen. Und er verspricht: Wenn ein Bewerber künftig nicht zum Zuge komme, wolle man schriftlich begründen, warum.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Verena Neuhausen
Verena Neuhausen
Fabian Ziehe
Fabian Ziehe

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