Erst Pizza, dann Politik, war das Motto an einem Abend diese Woche im Kulturzentrum in Ludwigsburg. Der Verein JugendGoesZukunft hatte sechs Kandidierende des Wahlkreises Ludwigsburg eingeladen, sich den Fragen der Jugendlichen zu stellen. Und die rund 40 jungen Wählenden hatten nicht nur in den Diskussionsrunden einiges zu sagen.
Jugendliche wollen Teil der politische Debatte sein
"Ich bin noch sehr jung und finde, dass junge Menschen mehr einbezogen, mehr aufgeklärt werden müssen," sagt Hannah Herrmann, 18 Jahre alt. Die 15-jährige Gülsüm Dogan stimmt ihr zu. Sie moderiert die Veranstaltung in Ludwigsburg und engagiert sich beim Verein JugendGoesZukunft. Sie sagt, bei "Pizza & Politik" könnten sich Jugendliche beteiligen und ihre eigenen Fragen stellen. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Stimme untergeht. Da sind solche Abende wichtig."
Mehr Aufmerksamkeit für ihre Themen
"Mich interessiert, was die Politiker zu den Fragen der jüngeren Leute zu sagen haben," sagt Maxi Sattler, 19 Jahre. Er ist mit mehreren Freunden zur Veranstaltung gekommen. "Unsere Themen bekommen zwar mehr Aufmerksamkeit als in den letzten Jahren, aber immer noch zu wenig." Für diesen Abend hatten die Organisatoren vorab Themen abgefragt, die die Jugendlichen besonders bewegen. Das Ergebnis: Klimaschutz und Mobilität, Mentale Gesundheit und Bildung, Chancengerechtigkeit und Jugendbeteiligung.
Direktes Gespräch vs. Social Media
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: Social Media ist die Politik-Quelle Nummer eins für Jugendliche. 74 Prozent bekommen ihre Informationen über TikTok und Instagram. Das muss nicht unbedingt schlecht sein - auch Nachrichtenformate sowie Journalistinnen und Journalisten posten auf diesen Plattformen.
Trotzdem besteht das Risiko, durch den Algorithmus in Informationsblasen zu geraten. Das ist den Jugendlichen bewusst. "Über die Sozialen Medien bekommt man vielleicht nur eine einseitige Meinung. Hier hört man von allen Kandidierenden ihre Meinung zu den Fragen, die man hat," erklärt Maxi. Er wünscht sich deshalb mehr direkten Austausch mit Politikerinnen und Politikern.
Jugendliche fordern Veränderung
Doch wie sieht es allgemein mit den Jugendlichen in Baden-Württemberg aus? Ein Weckruf für die Politikerinnen und Politiker war dieses Jahr eine Jugendstudie des Kultusministeriums: Demnach haben 57 Prozent der befragten Neuntklässlerinnen und Neuntklässler wenig oder kein Vertrauen in Politikerinnen und Politiker. Auch das Interesse an Politik und die Zufriedenheit mit unserer Demokratie ist laut der Studie unter den Jugendlichen deutlich zurückgegangen.
Demokratiezufriedenheit sinkt deutlich Studie: Jugendliche in BW interessieren sich weniger für Politik
Fast jeder zweite Neuntklässler in Baden-Württemberg interessiert sich wenig oder gar nicht für Politik. Auch die Demokratiezufriedenheit sinkt laut der Jugendstudie deutlich.
In Ludwigsburg stellt sich am Ende der Veranstaltung hingegen ein optimistisches Gefühl ein. Liam Herrington, 18 Jahre, freut sich über die direkten Antworten der Politikerinnen und Politiker. Vor allem aber haben ihn die anderen Jugendlichen begeistert: "Wir wollen wirklich etwas verändern. Das hat man in allen Richtungen heute gesehen. Die Jugend hat großes Interesse daran, Veränderungen zu bewältigen."
Und bei einer Sache sind sich die Jugendlichen an diesem Abend in Ludwigsburg einig: Ihre Stimme zählt und kann etwas bewegen. Sie werden im kommenden März sicher wählen gehen.