In Leonberg (Kreis Böblingen) wird am Sonntag eine neue Oberbürgermeisterin oder ein neuer Oberbürgermeister für die nächsten acht Jahre gewählt. Amtsinhaber Martin Georg Cohn (SPD) tritt nicht wieder an. Fünf Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich zur Wahl. Drei davon gelten als Favoriten.
Drei Kandidaten gelten als Favoriten bei der OB-Wahl
Die Große Kreisstadt Leonberg mit rund 50.000 Einwohnern stehe vor einer Vielzahl an Herausforderungen: Die Zukunft des Leonberger Krankenhauses stehe auf der Kippe, es fehle an günstigem Wohnraum, gebe Verkehrsprobleme und auch um die Wirtschaft und die Finanzen der Stadt stehe es nicht bestens. So merkten es Marion Beck, Josefa von Hohenzollern und Tobias Degode bei einer Talkrunde in der Stadthalle Leonberg vergangene Woche an. Zeitungsberichten zufolge sind sie die drei aussichtsreichsten Kandidaten für einen Wahlsieg.
Insgesamt gleichen sich die Themen der fünf Kandidatinnen und Kandidaten in ihrem Wahlprogramm. Lediglich die Gewichtung und Herangehensweise sind unterschiedlich.
Wahlprogramm: gleiche Themen - verschiedene Herangehensweisen
Marisa Betzler (parteilos) aus Stuttgart ist Sachbearbeiterin in der Stuttgarter Wohngeldbehörde. Als Oberbürgermeisterin würde sie die Stadt digitalisieren. Weitere Top-Themen sind für sie die Gesundheitsversorgung, die Belebung des Marktplatzes und der Schuldenabbau der Stadt.
Der Leonberger Kandidat Willi Alfred Erich Matthias Kerler (parteilos) ist Sachverständiger. Er setzt sich für Sicherheit und Attraktivität in der Innenstadt ein und möchte auch das Klima in der Stadtverwaltung verbessern.
Leonberg: Digitalisierung ein Thema bei der OB-Wahl
Marion Beck (parteilos) leitet das Amt für Wirtschaftsförderung und Kultur in Herrenberg. Sie möchte eigenen Angaben nach die Stadtverwaltung attraktiver gestalten und die Stadtentwicklung nachhaltig voran treiben. Im Wahlkampf bekommt sie Rückendeckung von den Grünen.
Tobias Degode (parteilos) bringt als Verwaltungsleiter des Kulturamts in Düsseldorf viel Führungs- und Finanzerfahrung mit. Einer seiner Schwerpunkte ist, die Stadtverwaltung neu aufzustellen. Zudem möchte er die Stadt digitalisieren, mehr günstigen Wohnraum schaffen und den Verkehr besser verteilen. Unterstützt wird Degode von der CDU und den Freien Wählern.
Eine Kandidatin: Erste Bürgermeisterin Josefa von Hohenzollern
Prinzessin Josefa von Hohenzollern-Emden tritt trotz Mitgliedschaft bei der FDP als unabhängige Kandidatin an. Bei einem Wahlsieg will sie sich für mehr Vereinbarkeit von Kommunalpolitik und Familie einzusetzen. Auch sie möchte die Stadtverwaltung schnell besetzen - unter anderem mit früheren Führungskräften. Ihr Ziel sei unter anderem auch, das Leonberger Krankenhaus zu erhalten.
Streit zwischen OB Cohn und Bürgermeisterin von Hohenzollern
Derzeit ist von Hohenzollern Erste Bürgermeisterin von Leonberg. Nach einer Auseinandersetzung mit Oberbürgermeister Cohn wurde sie 2023 zwangsbeurlaubt. Von Hohenzollern, die vor ihrer Heirat 2024 noch Schmid hieß, hatte den OB 2022 angezeigt, weil er zu schnell gefahren sein soll und dann versucht haben soll, auf das Bußgeld Einfluss zu nehmen. Cohn widersprach der Darstellung und zeigte wiederum von Hohenzollern an. Ihre Aufgaben im Rathaus haben der OB und der Zweite Bürgermeister Klaus Brenner unter sich aufgeteilt.
OB Cohn (SPD) wollte nicht erneut für das Amt kandidieren. Grund dafür sei seiner Aussage nach das fehlende Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern und Akteuren der Kommunalpolitik in seine Arbeit. Seit seiner Amtszeit ab 2017 hatte es im Rathaus einige Auseinandersetzungen gegeben.
Verwaltung rechnet mit Stichwahl im Oktober
Am Sonntagabend sollen die vorläufigen Wahlergebnisse kommen. Das Endergebnis soll laut Pressesprecherin der Stadt Leonberg erst am Dienstagabend bekannt gegeben werden. Gewählt ist laut Stadt, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten hat. Sollte keiner der Kandidaten über 50 Prozent kommen, dann soll am 12. Oktober eine Stichwahl zwischen den zwei Finalisten mit den meisten Stimmen stattfinden.