In Sindelfingen (Kreis Böblingen) ist am Donnerstag eine Methanisierungsanlage eröffnet worden. Das dort produzierte Biogas soll ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist werden. Andre Baumann (Grüne), Staatsekretär im Umweltministerium, spricht von einem "echten Leuchtturm für zirkuläre Wirtschaft" und von einer "Blaupause für die Industrie von morgen".
Aus Bioabfall und Grüngut wird Biogas sowie CO2
Die Produktion von Biogas geschieht in zwei neuen Anlagen. In Leonberg (Kreis Böblingen) wird aus Bioabfällen und Grünschnitt Rohbiogas gewonnen. Dafür wurde im Februar eine neue Vergärungsanlage eröffnet. Über eine Pipeline gelangt das Rohbiogas nach Sindelfingen. Dort wird es zu Biogas veredelt.
Offizielle Inbetriebnahme Leonberg hat jetzt wieder eine Biovergärungsanlage
Nachdem in Leonberg die Biovergärungsanlage 2019 abgebrannt war, wurde jetzt eine neue Anlage in Betrieb genommen. Ziel: mehr Versorgungssicherheit und verbesserter Klimaschutz.
Bei der Veredelung entsteht Biomethan, das beispielsweise zum Heizen genutzt werden kann. Dafür wird es ins Erdgasnetz eingespeist. "Wir erzeugen grüne Energie. Erdgas wird ersetzt durch grünes Biogas", sagt der Böblinger Landrat Roland Bernhard (parteilos) und spricht von "riesigen Vorteilen für die Klimabilanz".
Böblinger Landrat lobt Unabhängigkeit von Ausland
Jährlich soll die Anlage 18.000 Tonnen des Treibhausgas CO2 einsparen. Fast noch wichtiger als die Vorteile beim Klimaschutz sei die Autarkie, so Landrat Bernhard weiter. "Wir müssen uns unabhängig machen von den Erdgaslieferungen aus fremden Ländern. Wir sehen das jüngst im Iran-Konflikt."
Die Bioabfälle und der Grünschnitt kommen aus den Kreisen Böblingen und Esslingen, künftig auch aus dem Kreis Göppingen. "Wir erzeugen regionale Energie", freute sich Landrat Bernhard. Andere Redner sprachen auch von "Kreislaufwirtschaft" und "zirkulärer Wirtschaft".
CO2 aus Sindelfingen zur Sprudelherstellung
Abfallprodukt der Methanisierung ist Kohlendioxid, also CO2. Würde dieses in die Atmosphäre gelangen, wäre das schlecht für die Klimabilanz, heißt es beim Landratsamt. Deswegen wird es abgeschieden, aufbereitet und verflüssigt. In der Lebensmittelindustrie kann es dann zum Beispiel zur Sprudelherstellung genutzt werden.
Die Kosten für die Methansierungsanlage gibt das Landratsamt mit acht Millionen Euro an. Die erzeugte Menge Biomethan soll rechnerisch für rund 2.000 Haushalte reichen.
Biogas soll Erdgas beigemischt werden
Bis 2045 will bis Deutschland klimaneutral sein. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass neue Gasheizungen ab 2029 mit mindestens zehn Prozent grünem Gas betrieben werden müssen. Dieser Anteil soll dann schrittweise auf 100 Prozent steigen.