In der Wilhelma in Stuttgart ist am Mittwoch eine neue Anlage für Amur-Tiger eingeweiht worden. Zweieinhalb Jahre lang wurde an dem rund 5.000 Quadratmeter großen Gehege gebaut, so das baden-württembergische Finanzministerium. Das Weibchen Noïa aus Frankreich und das Männchen Amazar aus den Niederlanden sind dort jetzt offiziell eingezogen. Die Wilhelma hofft, mit den beiden ein Zuchtprogramm für die gefährdete Art aufbauen zu können.
Amur-Tiger in Stuttgart: Im Besuchertunnel ganz nah zu sehen
Die beiden Tiger sind Ende Juni in Stuttgart angekommen und haben sich erstmal an ihr neues Zuhause in ihren hohen Ställen gewöhnt. Zu der neuen Anlage gehören auch ein Offenstall, sechs große Tigerboxen und eine weitläufige grüne Außenanlage. Diese kann in drei Bereiche unterteilt werden. Die Bäume, Sträucher und Stauden in der Anlage kommen auch im natürlichen Verbreitungsgebiet der Tiger vor. Auch eine Bademöglichkeit haben die beiden Raubkatzen.
Die Besucherinnen und Besucher können die Tiger ab Donnerstag von verschiedenen Stellen rund um die Anlage sehen. Vor allem der sogenannte Tigertunnel soll ein Erlebnis werden, sagte der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) bei der Eröffnung: "Kinder und Erwachsene werden die Raubkatzen aus einem unterirdischen Versteck heraus beobachten können. Das wird spannend."
Amur-Tiger sind stark gefährdet und waren fast ausgestorben
Amur-Tiger, auch Sibirischer Tiger genannt, ist die größte Unterart des Tigers. Laut Wilhelma können Männchen eine Länge von 2,90 Meter erreichen und bis zu 300 Kilogramm auf die Waage bringen. Sie kommen vor allem im äußersten Osten von Russland sowie in den angrenzenden Gebieten in China und Nordkorea vor.
Teile des Tiger-Geheges können durch Schieber abgetrennt werden
In den 1940er Jahren seien die Amur-Tiger fast ausgestorben gewesen, so der Zoologisch-Botanische Garten. Damals hätten nur noch weniger als 40 Tiere frei in der Natur gelebt. Dank strenger Schutzmaßnahmen gibt es heute zwar wieder rund 360 bis 500 wildlebende Tiere dieser Tigerart. Sie seien aber weiter gefährdet, weil Wilderer sie jagen und ihr Lebensraum schrumpft.
Die Wilhelma möchte mit Noïa und Amazar ein Zuchtprogramm aufbauen. Bis die beiden Tiger geschlechtsreif sind, dauere es noch einige Zeit. Das Gehege sei aber durch die verschiedenen Bereiche gut ausgelegt für die Zucht, so die Wilhelma. Amur-Tiger sind Einzelgänger, deswegen wurden im Gehege Schieber eingebaut, die einzelne Bereiche abtrennen können. So haben beide ausreichend Platz und können zur Paarung zusammengeführt werden.
Wilhelma: Anlage für Tiger hat fast sieben Millionen Euro gekostet
Die neue Tigeranlage ist nach der Terra Australis, die im Juli 2023 eröffnet wurde, ein weiteres großes Highlight der Wilhelma in Stuttgart. Bis 2021 hatte ein Tigerweibchen in der Wilhelma gelebt: eine Sumatra-Tigerin, deren Art aus Indonesien stammt. Deshalb war in der bisherigen Anlage auch ein Warmhaus notwendig, das sehr kostenintensiv war. Der Amur-Tiger ist eher an Kälte gewöhnt, schreibt das Finanzministerium BW, das das neue Gehege mit 5,5 Millionen Euro hauptsächlich finanziert hat. Der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma Stuttgart Bad-Cannstatt hat ebenfalls eine Million Euro dazugegeben.