Seit die Stadt Stuttgart dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) überraschend gekündigt hat, ist der Alltag der neunjährigen Noemi von heute auf morgen komplett anders. Und das gilt auch für den ohnehin vollen Alltag ihrer Mutter Lisa Lieb. Normalerweise wird die mehrfach behinderte Noemi von einer Eingliederungshilfe im Schulunterricht betreut: Das bedeutet, dass sie von einer speziell geschulten Person individuell in ihrem Schulalltag unterstützt wird.
Derzeit muss Noemi zuhause bleiben
Nach dem überraschenden Aus ist Noemi nun den ganzen Tag zu Hause. Für ihre Mutter bedeutet das: Neben ihren drei gesunden Kindern versorgt sie auch Noemi. Sie muss gewickelt und fünf Mal am Tag mit Essen versorgt werden. Eine Mahlzeit kann rund 30 Minuten dauern. "Das geht schon", sagt Lieb, allerdings könne sie nicht die Klassengemeinschaft in der Schule ersetzen. "Das tut ihr gut, dort gefordert und gefördert zu werden."
Noemi sei ein zufriedenes Kind, doch im Familienalltag komme sie einfach etwas zu kurz. "Es geht halt irgendwie, aber natürlich habe ich nicht die Kapazitäten, das zu bieten, was in der Schule geboten wird", erzählt Lisa Lieb weiter. "In der Schule hatte sie bislang eine Person, die auf sie eingeht und sie kennt. Das ist wichtig, da Noemi selbst ihre Bedürfnisse nicht verbalisieren kann." Ihre Tochter ist autistisch, kann nicht sprechen und leidet regelmäßig unter Krampfanfällen. Wenn Noemi zu Hause ist, kann Lieb sie nicht alleine lassen oder das Haus verlassen, Erledigungen oder Ausflüge mit den anderen Kindern sind schwer möglich.
Stadt Stuttgart arbeitet "mit Hochdruck" an einer Lösung
Noemi ist eines von insgesamt bis zu 150 Kindern, die vom Wegfall der Eingliederungshilfe betroffen sind. Unterdessen laufen Gespräche der Stadt Stuttgart mit freien Trägern, die die Schülerinnen und Schüler künftig begleiten könnten, heißt es von der Stadt. Nach den Faschingsferien soll laut Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) dann für alle Kinder mit Förderbedarf eine neue Betreuung organisiert sein. Derzeit gebe es bereits für 65 der insgesamt rund 150 betroffenen Kinder eine Betreuungslösung. Mehrere Eltern und Schulen sagten dem SWR, dass sie diese Angabe der Stadt nicht bestätigen könnten.
Auf die Dauer geht es an die Substanz.
Für Familie Lieb ist eine baldige Lösung sehr wichtig. "Wenn vier Kinder gleichzeitig etwas von einem wollen, geht das auf die Dauer an die Substanz", erklärt Lisa Lieb. Die Schule sei nicht nur dafür da, die Eltern zu entlasten, sondern auch, das Recht des Kindes auf Bildung zu erfüllen.