Wanderausstellung "gefährdet leben"

Queere Menschen in NS-Zeit: Friedrich Enchelmayer aus Stuttgart landete im KZ

Auch Homosexuelle lebten während der NS-Zeit gefährlich. Eine Ausstellung in Ludwigsburg zeigt auch Schicksale von Menschen aus der Region Stuttgart.

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Friedrich Enchelmayer aus Stuttgart-Bad Cannstatt wurde 1934 und 1937 vom Landgericht Stuttgart zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt - weil er gegen den Paragraphen 175 verstoßen hatte. Dieser stellte sogenannte "Unzucht zwischen Männern" unter Strafe. Enchelmayers Schicksal und das vieler anderer queerer Menschen ist Teil der Wanderausstellung "gefährdet leben", die bis Mitte Januar im Staatsarchiv Ludwigsburg zu sehen ist.

"Ärztliche Behandlung" für Homosexuelle

Nur ein einziges Foto gibt es von Enchelmayer, der als Eisendreher arbeitete. Auf dem Foto schaut ein gut aussehender junger Mann in die Kamera. "Nach Verbüßung meiner ersten Strafe", schrieb Enchelmayer, "ließ ich mich ärztlich behandeln, aber ohne Erfolg. Ich lernte ein Mädchen kennen, mit dem ich zwei Jahre ein Verhältnis hatte und das zur Verlobung führte. In der Folgezeit aber erkannte ich, dass sie nicht zu mir und meiner Veranlagung passte."

Ein Dokument zeigt das Foto von Friedrich Enchelmayer und dessen Geburtsdaten.
Friedrich Enchelmayer aus Bad Cannstatt wurde wegen seiner sexuellen Orientierung deportiert.

"gefährdet leben" zeigt Schicksale queerer Menschen

Neben Enchelmayers Lebensgeschichte werden in der Wanderausstellung auch viele andere Biografien queerer Menschen in der NS-Zeit anhand von Dokumenten, Grafiken, Fotografien und Zitaten nachgezeichnet. Die Ausstellung erzählt von staatlichen Repressions- und Verfolgungsmaßnahmen, aber auch von Denunziationen aus der Bevölkerung. Die Ausstellung macht deutlich, wie das Leben vieler queerer Menschen gebrochen und zerstört wurde, was zu Haft, Suiziden und Emigration führte. Zugleich thematisiert sie Liebe, Freundschaften und Netzwerke, die halfen, unter widrigsten Lebensumständen Wege der Selbstbehauptung zu gehen.

Plakatwände zeigen, wie der NS-Staat homosexuelle Menschen verfolgte.
Plakatwände zeigen, wie der NS-Staat homosexuelle Menschen verfolgte.

Wanderausstellung jetzt in Ludwigsburg

Erst 2023 standen zum ersten Mal queere Opfer im Fokus beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag. An dieses erinnerungspolitische Signal knüpft jetzt die Wanderausstellung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld an, die durch Deutschland tourt. Ludwigsburg ist eine besondere Station, weil hier Dokumente aus den Beständen des Landesarchivs Baden-Württemberg hinzukommen, die regionale Schicksale wie das von Friedrich Enchelmayer beleuchten.

Das Leben von Friedrich Enchelmayer aus Bad Cannstatt endete schon im Alter von 32 Jahren - wegen seiner sexuellen Orientierung. Als Volksfeind angeprangert, wurde er 1940 ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Es folgten Inhaftierungen in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Neuengamme. Dort kam er am 9. November 1940 ums Leben.

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SWR

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