Im Mordprozess um eine getötete Sprachlehrerin aus Nürtingen (Kreis Esslingen) hat sich der 38-jährige Angeklagte am zweiten Verhandlungstag am Donnerstag vor Gericht zu den Vorwürfen geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit der 66-Jährigen eine intime Beziehung geführt, sie dann aber bei einem Streit aus Eifersucht erwürgt zu haben. Anschließend soll er ihren Leichnam in einen Bettüberzug gewickelt und in den Neckar geworfen haben. Der Fall hatte in Nürtingen für viel Unruhe gesorgt.
Angeklagter erzählt von langer Flucht aus dem Iran
Der 38-jährige Angeklagte erzählte vor dem Landgericht Stuttgart zunächst über sich. Er habe im Iran als Musikinstrumentenbauer und Musiklehrer gearbeitet. 2017 sei er aber verhaftet worden, weil er sich kritisch gegenüber dem dortigen Regime geäußert habe. Im Gefängnis sei er körperlich und psychisch misshandelt worden. Ein Verwandter habe ihn dann quasi freigekauft.
Er sei dann in die Türkei geflohen, wo er fünf Jahre gelebt habe. Danach sei er fast ein Jahr lang in einem Camp in Griechenland gewesen und 2023 über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. Hier stellte er einen Asylantrag. Er lebte dann in einer Asylunterkunft im Kreis Esslingen. Dort habe er ein Praktikum bei einem Geigenbauer gemacht und Sprachkurse besucht. In einem Kurs für Asylbewerber lernte er dann die ehrenamtliche Sprachlehrerin kennen.
Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord aus Eifersucht vor
Der Angeklagte bestätigte vor Gericht, dass er mit der 66-jährigen Frau eine intime Beziehung gehabt habe. Die Initiative dazu soll von ihr ausgegangen sein. Sie habe ihn immer wieder in ihre Wohnung in Nürtingen eingeladen.
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft kam es dann im Oktober 2024 zu einem Streit. Das Motiv sei erhebliche Eifersucht gewesen. Der Mann habe versucht, der Frau den Kontakt zu anderen Männern zu verbieten. Die 66-Jährige sei aber nicht bereit gewesen, auf ein selbstbestimmtes Leben zu verzichten, so die Staatsanwaltschaft. Daraufhin habe der 38-Jährige die Frau getötet, so die Anklage. Deshalb wird ihm Mord vorgeworfen.
Prozess am Landgericht startet Prozessbeginn in Stuttgart: Mord an Sprachlehrerin aus Eifersucht?
Vor dem Landgericht Stuttgart startet am Donnerstag ein Prozess gegen einen 38-Jährigen. Er soll im Oktober 2024 seine 66-jährige Sprachlehrerin ermordet haben.
Angeklagter: Tod der Sprachlehrerin war Versehen durch viel Alkohol
Der Angeklagte lieferte vor Gericht eine andere Version: Die Frau und er hätten am fraglichen Tag zusammen eingekauft und dann in ihrer Wohnung viel Alkohol getrunken. Als ihm schlecht geworden sei, habe ihm die 66-Jährige den Hals zugedrückt und den Mund zugehalten, weil sie wohl gedacht habe, dass er sich auf ihrem Bett erbrechen müsse. Sie habe dabei viel geschrien. Er habe dann versucht, sie in den Arm zu beißen und die Frau ebenfalls am Hals gehalten.
Nach einiger Zeit habe er gedacht, dass sie auf seiner Brust eingeschlafen sei, habe dann aber bemerkt, dass die Sprachlehrerin tot war. Er habe Angst gehabt, sein Kopf habe nicht funktioniert und ihm sei sehr schlecht gewesen. Laut Anklageschrift hat der 38-Jährige die Frau dann in einen Bettdeckenüberzug gewickelt und in Nürtingen in den Neckar geworfen. Die Vorsitzende Richterin wollte wissen, warum und wie er das gemacht habe. Er wisse nicht, wie er das geschafft habe, war die Antwort. Das habe bestimmt mit dem Alkohol zu tun.
Nürtingen: Angeklagter recherchierte im Netz und wollte fliehen
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist der Mann danach mit dem Auto der Frau in die Asylunterkunft gefahren. Laut Anklage recherchierte er mitten in der Nacht drei Stunden lang im Internet, wie die deutsche Polizei nach Straftätern fahndet. "Anschließend bereitete er seine Flucht vor", sagte der Staatsanwalt. Erfolglos: Vier Tage später wurde der 38-Jährige in seiner Unterkunft festgenommen.