Anschluss an Stuttgart 21

Pfaffensteigtunnel: Bundesregierung will 1,69 Milliarden bereitstellen

Über den Tunnel sollen zukünftig die Züge der sogenannten Gäubahn aus Zürich, Singen und Horb zum Stuttgarter Flughafen und dem Stuttgart-21-Tiefbahnhof fahren können.

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Die Bundesregierung will für den Bau des sogenannten Pfaffensteigtunnels zwischen Böblingen und dem Stuttgarter Flughafen 1,69 Milliarden Euro bereitstellen. Das geht aus dem Entwurfs des Bundeshaushalts 2026 der Bundesregierung hervor. Der geplante Eisenbahntunnel soll zukünftig die als "Gäubahn" bekannte Strecke von Zürich, Singen und Horb an den künftigen S21-Tiefbahnhof anschließen.

Während aus dem Verkehrsministerium und den Oberbürgermeistern entlang der Gäubahn verhalten optimistisch reagieren, spricht die CDU-Fraktion im Verband Region Stuttgart nach dem Haushaltsentwurf von einer gesicherten Finanzierung. Ein Grünen-Politiker hingegen warnt vor voreiligen Schlüssen.

CDU-Fraktion im Verband Region Stuttgart: Bau kann 2026 beginnen

Die Finanzierung des Pfaffensteigtunnels sei im Entwurf des Bundeshaushaltes damit gesichert, erklärte am Donnerstag die CDU-Fraktion vom Verband Region Stuttgart. "Der neue Tunnel ist der Gamechanger für alle weiteren Ausbauvorhaben entlang der Magistrale Stuttgart - Zürich und wird für viele Landesteile Baden-Württembergs einen bedeutsamen Fahrzeitgewinn in die Metropolregion Stuttgart ermöglichen", sagte Fraktionsvorsitzender Jan Tielesch. "Der Pfaffensteigtunnel ist von enormer Wichtigkeit vor allem für die Anrainer der Gäubahn. Wenn der Bundestag so beschließt, kann es schnell gehen und bereits 2026 mit dem Bau begonnen werden", so der verkehrspolitische Sprecher der CDU/ödp-Regionalfraktion, Elmar Steinbacher.

Oberbürgermeister und Verkehrsministerium verhalten optimistisch

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg teilte dem SWR mit, man würde das Vorgehen der Bundesregierung begrüßen. "Es würde uns in unserem intensiven Engagement gegenüber dem Bund bestätigen, die Finanzierung dieses zentralen Vorhabens sicherzustellen und damit auf dem ambitioniertem Umsetzungszeitplan voranzuschreiten." Allerdings weißt das Ministerium darauf hin, dass der finale Beschluss des Haushaltes noch ausstehen und Gremien sich zuerst noch damit befassen müssen. "Die Sektkorken lassen wir dann knallen, wenn es verbindliche Beschlüsse aus Berlin gibt", heißt es schriftlich.

Auch die Oberbürgermeister entlang der Gäubahn interpretieren grundsätzlich den Haushalts als ein "starkes Signal". Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Oberbürgermeister aus Böblingen, Herrenberg, Horb, Rottenburg, Singen und Tuttlingen hervor. Stefan Belz (Grüne) aus Böblingen erklärte dem SWR: "Unsere Appelle der letzten Jahre sind endlich erhört worden. Jetzt gilt es, das alle gemeinsam an einem Strang ziehen." Denn auch die Oberbürgermeister warten noch auf den finalen Entschluss über den Bundeshaushalt und fordern nun Klarheit über die Finanzierung und den weiteren Projektverlauf. "Auch die Genehmigung der Planfeststellung fehlt noch", so Belz.

Auch der Bahnpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Matthias Gastel, warnt vor voreiligen Schlüssen. Der Bundeshaushalt sei noch nicht beschlossen, außerdem würden noch Unterlagen fehlen, die für eine Finanzierungsentscheidung notwendig sind. "Sich voreilig zu nicht gefassten Beschlüssen zu äußern ist ungewöhnlich und verkennt so manche damit verbundenen Probleme", so Gastel mit Blick auf die Aussagen der CDU-Politiker.

Jahrelanger Streit - Finanzierungsrahmen angepasst

Immer wieder hatten Politiker wie Verkehrsminister Hermann (Grüne) auf eine gesicherte Finanzierung des Pfaffensteigtunnels gepocht. Durch die Mittel, die die Bundesregierung im Bundeshaushalt bereitstellen will, scheint man nun auch mit teureren Baukosten zu rechnen. Bisher wurde von offizieller Seite meist mitgeteilt, man rechne mit rund einer Milliarde Euro für den Bau des Tunnels. Kritiker warnen seit Jahren davor, dass die Baukosten sich auf zwei bis drei Milliarden Euro belaufen könnten. Der Verkehrsclub Deutschland aus Baden-Württemberg (VCD) hat mehrmals auf ein ähnliches Tunnelprojekt der Bahn verwiesen: der Bau des Offenburger Tunnels auf der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel. Ursprünglich mit 1,2 Milliarden einkalkuliert, liegt seit der letzten offiziellen Prognose aus dem Jahr 2020 bei 3,8 Milliarden.

Durch die linke Röhre sollen die Züge zukünftig auf die Neubaustrecke nach Ulm fahren können - rechts im Bild ist der sogenannte Tunnelstutzen für den Pfaffensteigtunnel erkennbar.
Rechts im Bild ist der sogenannte Tunnelstutzen für den Pfaffensteigtunnel im neuen Flughafen-Fernbahnhof Stuttgart erkennbar erkennbar. Die Vorbereitungen für einen Tunnelanschluss wurden am Fernbahnhof bereits getroffen.

Auf Tunnel warten: Gäubahn-Unterbrechung wird viele Reisende treffen

Die Bahnstrecke zwischen Singen und Stuttgart ist auch als "Gäubahn" bekannt. Bisher fährt sie ab Stuttgart-Vaihingen in einem Bogen über den Stuttgarter Westen in den oben liegenden Kopfbahnhof. Dieser Weg wird durch den Umbau von Stuttgart 21 bald nicht mehr möglich sein.

Um den Anschluss der sogenannten Gäubahn an den S21-Tiefbahnhof hatte es immer wieder Streit gegeben. Dazu soll die Strecke künftig über den Flughafen Stuttgart laufen. Es hatte viele Ideen gegeben, die aber immer wieder verworfen werden mussten. Deshalb kam es bisher nicht zum Bau. Bis der Tunnel dann 2032 fertig sein soll, wird es daher nun eine Lücke in der Anbindung geben. Die Züge aus der Schweiz und Singen werden daher wohl bald in Stuttgart-Vaihingen enden. Dort müssen Reisende und Pendler dann in S- und Stadtbahnen umsteigen, um nach Stuttgart und zum neuen Tiefbahnhof zu gelangen.

Oberbürgermeister fordern Unterbrechung zu verhindern

Diese Unterbrechung der Gäubahn hatte bei den Anreinergemeinden immer wieder für viel Protest gesorgt. Die Oberbürgermeister entlang der Gäubahn bekräftigten am Freitag nochmals ihre Forderung, dass die Gäubahn solange in den alten Stuttgarter Kopfbahnhof fahren müsse, bis der Pfaffensteigtunnel fertig gebaut sei. Eine Unterbrechung der Gäubahn für mehrere Jahre sei für die Fahrgäste nicht zumutbar.

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Frieder Kümmerer
Frieder Kümmerer
Deborah Kölz
Deborah Kölz ist Redakteurin im SWR Studio Stuttgart.

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