Seit einem guten halben Jahr gibt es die Pflege-WG im Weilimdorfer Stadtteil Giebel in Stuttgart. Das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg leitet das Wohnprojekt. Ähnliche Pflege-WGs betreibt das Werk bereits seit über 20 Jahren. Dennoch ist die Wohnart in Deutschland noch nicht weit verbreitet.
Für Pflegerin Sofia Panagiotidou ist das schwer nachvollziehbar. "Wir können hier mehr Lebensqualität bieten", sagt sie im SWR-Interview. "Wir können auf die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner eingehen. Es gibt einen Wochenplan, den wir zusammen mit den Bewohnern erstellen. Das heißt, da können wir auch auf Essenswünsche eingehen. Und wenn jemand Geburtstag hat, dann kann man sich sowieso wünschen, worauf man Lust hat."
Pflege-WG in Stuttgart: Bewohner werden eingebunden
Teil des Wohnkonzeptes ist es, die Bewohnerinnen und Bewohner möglichst häufig einzubeziehen. Zum Beispiel beim Kochen. "Ich finde es super, dass wir auch jüngere Bewohner haben, da lernen die Älteren manchmal noch was, und es gibt ihnen auch immer wieder einen Motivationsschub", erklärt Panagiotidou lachend.
"Hier kann auch die Familie zu Besuch kommen, und die Bewohner können gehen, wenn sie möchten", so Panagiotidou. "Außerdem können die Bewohnerinnen und Bewohner hier frei entscheiden, wie lange sie bleiben möchten. Wenn es ihnen beispielsweise besser geht, können sie jederzeit ausziehen."
Unterschiedliche Altersgruppen leben in der WG zusammen
Das ist vor allem für Menschen wie Michael Jahn wichtig. Der 50-Jährige sitzt seit einem Reitunfall im Rollstuhl. "Die Ärzte nennen das 'Querschnittslähmung incomplete'", erklärte Jahn. "Das heißt, die Nerven sind geschädigt, aber nicht vollständig durchtrennt." Bevor er in die Pflege-WG gezogen ist, hatte er ein halbes Jahr in Kliniken verbracht. "Die Alternative wäre im Moment ein Pflegeheim gewesen, aber hier ist es einfach 'heimeliger', das ist mir sehr wichtig."
Auch die 90-jährige Sofia Thut will nicht mehr aus der Pflege-WG weg. Klar würde nicht mehr alles so gehen wie früher, aber dafür habe sie hier Hilfe. Aber was geht, das mache sie noch. Zum Beispiel Bügeln.
"Wir können auch viel öfter etwas unternehmen", erklärt Pflegerin Sofia Panagiotidou. "Wenn ich mal in eine Situation komme, in der es nicht mehr alleine geht, dann würde ich auf jeden Fall lieber in so einer WG leben als in einem Heim. Wir sind hier wie eine Familie."