Am Anfang stand die Katastrophe: Frank Kofler aus Salach (Kreis Göppingen) arbeitete mehr als 25 Jahre als Maschinen-Konstrukteur. Vor wenigen Wochen dann wurde er betriebsbedingt gekündigt. Ein Schock - aber dann stieß er auf das Programm "Pflegecamp" des Kreises Göppingen: Es ermöglicht jungen wie älteren Menschen ein Praktikum in der Pflege. Dem 55-jährigen Kofler bot das eine Erfahrung, die ihn vielleicht zu dem Beruf geführt hat, den er schon immer machen wollte.
Kreis Göppingen: Projekt gegen Mangel an Pflegekräften
Am ersten Praktikums-Tag bei Pflegecamp hospitiert Kofler in einer Tagespflege. In der Einrichtung in Eislingen lernt der 55-Jährige, wie man Blutdruck misst, Tabletten verabreicht und pflegebedürftigen Menschen Socken anzieht. "Eigentlich wollte ich schon immer mit Menschen arbeiten, das ist schon mehr mein Ding, als nur Konstruktionen zu machen," sag er. "Das macht mir zwar auch Spaß, aber Menschen geben einem viel mehr zurück."
Menschen geben einem viel mehr zurück.
Mehr als 130.000 Pflegefachkräfte fehlen laut Bundesagentur für Arbeit bis zum Jahr 2040 in Baden-Württemberg. Das gab dem Kreis Göppingen den Impuls, um mit dem Pflegecamp gegenzusteuern. Schließlich sind - alleine schon infolge der Babyboom-Generation - immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen. Doch viele Menschen hätten Berührungsängste und der Beruf zahlreiche Vorurteile, so Kofler. Das sei bei ihm jedoch anders: Er freue sich, mit Menschen in Kontakt zu treten.
Jobs in der Pflege: Nicht nur Schichtdienst
In der Tagespflege in Eislingen, in der Kofler hospitiert, werden pflegebedürftige Menschen morgens gebracht und nachmittags wieder abgeholt. Die Einrichtung hat zudem nur unter der Woche geöffnet und damit gute Arbeitszeiten. "Das ist schon eher ungewöhnlich für den Beruf, normalerweise arbeitet man im Schichtdienst und auch an Feiertagen, das möchten nicht alle", sagt der Leiter der Einrichtung, Jörg Witzani. Aber eben auch solche Jobs gebe es in der Pflege.
"Viele ältere Menschen ziehen eine Umschulung in Betracht"
Witzani macht seit drei Jahren die Leitung - und hatte dabei wiederholt Kontakt mit neuen Pflegekräften. Dabei habe er wiederholt erlebt, dass Menschen auch spät in ihrem Berufsleben eine Umschulung in den Pflegeberuf in Betracht ziehen würden. "Ich glaube, es gibt kaum Berufe, die einen so erfüllen, weil man aktiv jeden Tag hier etwas Gutes macht", sagt er. "Man hilft Menschen, spürt diese Dankbarkeit und trägt einen wichtigen Teil zur Gesellschaft bei."
In der Pflege arbeiten überwiegend Frauen
Diese Rückmeldung und Dankbarkeit hat auch Kofler erfahren, wie er sagt. Das bringt ihn zum Nachdenken: "Mein eigentlicher Plan war, wieder als Konstrukteur und an den Maschinen zu arbeiten", sagt er. Allerdings gebe es aktuell kaum freie Stellen in der Branche. Nun also dieses Praktikum. "Und kam bei mir der Gedanke, vielleicht nochmal was anderes zu machen."
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Männer arbeiten tendenziell weniger in der Pflege, auch gibt es kaum Vollzeitbeschäftigte. Laut Bundesagentur für Arbeit waren 2024 in Baden-Württemberg vier von fünf Pflegekräften Frauen. Allerdings: Der Anteil der Männer steigt in den letzten Jahren leicht an. Zudem sind Pflegeberufe auch durch einen hohen Anteil Teilzeitbeschäftigter geprägt. Fast jede zweite Pflegekraft arbeitet in Teilzeit, wie eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit zeigt.
Umschulung und Quereinstieg möglich
Der Weg in den Pflegeberuf wäre für Kofler möglich, er müsste jedoch ein Jahr lang umschulen und könnte dann einen Quereinstieg machen. Noch sei die Entscheidung bei ihm nicht gefallen, doch das Praktikum habe bleibenden Eindruck hinterlassen. "Ich muss wahrscheinlich noch zwölf Jahre arbeiten, das sind noch ein paar Jährchen. Wenn ich mir vorstelle, mit Kindern oder älteren Menschen zu arbeiten, dann ist das für mich eine schöne Vorstellung."