In einigen Kliniken und Pflegeheimen springen externe Leihkräfte ein, wenn es personell eng wird. Das habe aber einige Nachteile, so betroffene Pflegeheime. Einige Krankenhäuser und andere Einrichtungen suchen deshalb nach Lösungen.
Die Benevit-Gruppe mit Sitz in Mössingen (Kreis Tübingen) sucht nach Alternativen. Sie hat zehn Mitarbeitende organisiert, die ausschließlich einem internen Springerpool zugeordnet sind. Das heißt, sie arbeiten nicht auf einer bestimmten Station der fast 50 Einrichtungen. Sie werden dort eingesetzt, wo es Engpässe durch Krankheiten oder Urlaube gibt.
Für diese Flexibilität bekommen sie ein Gehalt, das um ein Drittel höher liegt als bei ihren Kolleginnen und Kollegen, sagt Unternehmensgründer Kaspar Pfister dem SWR. Er würde diesen Pool gerne noch um bis zu fünf Stellen erweitern, um den Bedarf decken zu können.
Zeitarbeit ist sehr teuer für die Einrichtung
Eine externe Leihpflegekraft sei dagegen deutlich teurer. Sie kostet bis zu 18.000 Euro im Monat, rechnet Pfister vor. Aktuell braucht er vier bis fünf Zeitarbeitskräfte monatlich. Das liege aber zum Teil an formalen Vorgaben der Behörden, kritisiert er.
Denn bei Benevit arbeiten zum Beispiel 50 ausländische Mitarbeitende, die voll ausgebildet seien. Eigentlich würde Pfister sie gerne für wichtige Aufgaben in der Pflege einteilen. Momentan kann er sie aber nur als Hilfskräfte einsetzen. Der Grund: Ihr Abschluss, den sie im Ausland gemacht haben, wurde noch nicht anerkannt. So etwas dauere lange.
Kritik an Leiharbeitskräften
Neben den Mehrkosten, die nicht refinanziert würden, hält Kaspar Pfister die Zeitarbeit auch aus vielen anderen Gründen für "die schlechteste Alternative." Er bemängelt, dass sie nicht im Team integriert seien und die Bewohnerinnen und Bewohner in den Senioreneinrichtungen nicht kennen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe er die Leihkräfte als wenig engagiert erlebt.
Einrichtungen wollen auf Zeitarbeit verzichten
In den Senioreneinrichtungen der Evangelischen Heimstiftung von Bad Wildbad (Kreis Calw) bis Tübingen werden seit eineinhalb Jahren gar keine Leihpflegekräfte mehr eingesetzt. Sie haben einen Springerpool mit angestellten Pflegekräften, die eine Zulage bekommen, wenn sie bei Engpässen woanders einspringen - und kommen damit hin.
Kliniken in Tuttlingen, Sigmaringen, Tübingen verzichten auf Leiharbeit
Im Klinikum für den Landkreis Tuttlingen gibt es keine Leasingkräfte in der Pflege. Wie schafft das Klinikum das? "Wir wollen als Arbeitgeber mit fairen Bedingungen und einem guten Arbeitsklima punkten", erklärt Pressesprecher Ralf Trautwein die Strategie. Das Klinikum sei auf dem heimischen Arbeitsmarkt sehr aktiv: Man gehe in Schulen, lade zu Praktika ein, gehe auf Messen, um für sich als Arbeitgeber zu werben. Jedes Jahr starten 40 Personen eine dreijährige Ausbildung. Seit neuestem bietet das Klinikum auch eine Teilzeitausbildung an, zum Beispiel für Bewerberinnen und Bewerber mit Kindern.
Ähnlich agiert auch das SRH Klinikum Sigmaringen. Hier werden unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle geboten und vor gut einem Jahr ist ein "Flexpool" geschaffen worden. Trotzdem werden in absoluten Ausnahmefällen kurzzeitig Leiharbeitskräfte beschäftigt.
Das Universitätsklinikum Tübingen hat 2024 komplett auf Zeitarbeiter in der Pflege verzichten können, hat Pflegedirektor Klaus Tischler dem SWR berichtet. Der Klinikverbund Südwest mit Häusern in Nagold und Calw ist gerade dabei die Strukturen so zu verändern, dass künftig keine Leasingkräfte mehr mitarbeiten müssen.