Die Polizei Stuttgart bereitet sich nach eigenen Angaben derzeit intensiv auf das Fußballspiel VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel Aviv vor. Bei dem Europa League-Spiel am Donnerstag kommende Woche (Beginn 18:45 Uhr) in der MHP Arena rechne man mit großen Herausforderungen. "Wir bereiten uns auf ein breites Spektrum vor bis hin zu terroristischen Szenarien", sagt Carsten Höfler, Stuttgarter Vize-Polizeipräsident und Polizeiführer beim bevorstehenden Einsatz. Ganz konkrete Hinweise auf eine extremistische Gefährdung lägen derzeit aber nicht vor.
Europa League VfB Stuttgart: Polizei plant Großeinsatz bei Spiel gegen Maccabi Tel Aviv
Vor den Europa-League-Spielen gegen Maccabi Tel Aviv sind der VfB Stuttgart und der SC Freiburg alarmiert. Ein Fan-Ausschluss wie zuletzt in Birmingham ist momentan nicht geplant.
Maccabi: Erinnerung an Ausschreitungen in Amsterdam
Vor gut einem Jahr, im November 2024, war es in Amsterdam im Umfeld des Spiels Ajax - Maccabi zu Ausschreitungen gekommen. Pro-palästinensische Schläger machten in den Straßen der niederländischen Hauptstadt Jagd auf israelische Fans, Maccabi-Anhänger provozierten mit anti-palästinensischen und rassistischen Parolen. Beim Spiel vor einem Monat im britischen Birmingham verzichtete Maccabi nach einigem Hin und Her mit den Sicherheitskräften auf ihr Gästekontingent an Karten für das Spiel gegen Aston Villa. Das Spiel ohne Auswärts-Fans sorgt weiter für Gesprächsstoff.
Stuttgart will unterdessen einen möglichst reibungslosen Ablauf gewährleisten. "Wir wollen allen Fans ein sicheres und friedliches Fußballspiel ermöglichen", sagt Höfler. Dafür werde man mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften und "allen Fähigkeiten" in Stuttgart präsent sein. Man bereite sich auf ein "breites Spektrum" an Einsatzlagen vor - und zwar für zweieinhalb Tage. So erwarte man die ersten israelischen Gäste schon am Mittwoch, viele würden auch erst am Freitag abreisen.
Polizei: Schutz der jüdischen Gäste und Versammlungsfreiheit
"Wir schützen jüdisches Leben, wir verhindern antisemitische Übergriffe und wirken jeder Form der Gewalt mit Nachdruck entgegen", ist das Versprechen von Höfler. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz zufolge sind Antisemitismus und Israelfeindlichkeit verbindende Elemente verschiedener extremistrischen Spektren. Islamisten, manche Links- und Rechtsextremisten sowie Anhänger extremistischer palästinensischer Organisationen sind Jüdinnen und Juden Sowie dem Staat Israel feindlich gesonnen.
"Antisemitismus hat in Stuttgart keinen Raum", betont Höfler. Die Polizei sei deshalb auch im Austausch mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg und dem Beauftragte der Landesregierung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, Michael Blume. Das mit dem Nahostkonflikt verbundene "Emotionalisierungs- und Mobilisierungspotential" habe die Polizei Stuttgart also im Blick.
Polizei: Einschränkungen für Gäste und Anwohner
Die Polizei macht aber auch klar, dass man Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantieren wolle und müsse. Schon jetzt sind Protestkundgebungen in Stuttgart geplant - der Stadt Stuttgart zufolge ist beispielsweise schon für Mittwoch eine größere Kundgebung angemeldet. Hilfreich für den Einsatz der Polizei seien in den kommenden Tagen die Erfahrungen und Übungen aus jüngster Zeit wegen der Europameisterschaft 2024 in Stuttgart.
Im Zusammenhang mit der Großeinsatzlage wird es für Gäste wie für Anwohner in den Tagen zu Einschränkungen kommen. Die Situation in der Landeshauptstadt ist aktuell ohnehin herausfordernd - wegen der Adventszeit und insbesondere des Weihnachtsmarktes mit vielen internationalen Gästen. Auch die Situation bei An- und Abreise sowie die Unterbringung der israelischen Fans stellt die Polizei vor Herausforderungen.
Auch in Freiburg wird man gespannt auf die Erfahrungen aus Stuttgart warten: Dort ist Maccabi am 22. Januar beim SC Freiburg zu Gast.