Unter großem Andrang hat am Freitagvormittag der Prozess um ein mutmaßliches illegales Autorennen mit zwei Toten im März in Ludwigsburg begonnen. Viele Angehörige der zwei getöteten Frauen und der Angeklagten sind ins Stuttgarter Landgericht gekommen. Angeklagt sind der Unfallfahrer und sein Bruder. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie den Tod der Frauen als mögliche Folge ihres mutmaßlichen Autorennens erkannt und billigend in Kauf genommen haben.
Warum wirken aktuelle Maßnahmen gegen Raser nur begrenzt - und welche Ansätze es gibt, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern? Auf unserem YouTube-Kanal von SWR Aktuell blicken wir genauer auf illegale Autorennen, die immer wieder für tödliche Unfälle sorgen.
Staatsanwaltschaft: Mehrere Mordmerkmale bei Unfall
Zusätzlich seien die speziellen Mordmerkmale der niedrigen Beweggründe, der Heimtücke und der Gemeingefährlichkeit erfüllt, so die Staatsanwaltschaft. Die beiden Brüder, 32 und 35 Jahre alt, sitzen in Untersuchungshaft. Dem mutmaßlichen Verursacher des Unfalls wirft die Staatsanwaltschaft Mord in zwei Fällen vor. Gegen den Bruder lautet der Vorwurf auf zweifachen versuchten Mord. Ein 25-jähriger Cousin der Männer ist unter anderem wegen Beihilfe zum verbotenen Kraftfahrzeugrennen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung angeklagt. Er steht ebenfalls vor Gericht.
Alle drei hörten der Anklageverlesung mit gesenkten Köpfen zu. Der 35-jährige Angeklagte hatte sich heute eigentlich zu seiner Person äußern wollen. Nach der Anklage war er laut seinem Verteidiger allerdings zu aufgewühlt dazu. Der Anwalt des dritten Mannes kündigte an, dass dieser sich im Laufe des Verfahrens äußern wolle, vermutlich im Frühjahr.
Zwei unbeteiligte Frauen starben nach Crash Mutmaßliches Autorennen in Ludwigsburg: Verdächtiger war polizeilich bekannt
Nach dem tödlichen Unfall am vergangenen Donnerstag sind viele Fragen noch offen. Allerdings haben Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt neue Details herausgegeben.
Tödlicher Unfall: Mutmaßlicher Raser knallt in Auto von Frauen
Der Unfall passierte abends am 20. März. Eine 23 Jahre alte Frau und ihre 22-jährige Freundin waren aus einer Tankstelle nach links in die Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg eingebogen. Plötzlich krachte ein Mercedes in ihren Ford. Das gerammte Auto der Frauen prallte auf eine Mauer und blieb zwischen zwei Bäumen hängen. Beide Frauen starben noch an der Unfallstelle. Die Ältere hatte einige Wochen später heiraten wollen.
Als der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung über den Todeszeitraum sprach, waren viele Angehörige der beiden Frauen sehr emotional und weinten. Die Familien der zwei Opfer sind auch als Nebenkläger bei dem Prozess dabei. "Eine Tochter, eine Schwester ist plötzlich aus dem Leben gerissen worden", sagte Fatih Zingal, der Rechtsanwalt einer der betroffenen Familien. Es werde ein sehr belastender Prozess für sie werden, so Zingal. Trotzdem wolle die Familie an jedem der 20 Prozesstage anwesend sein. Das Urteil soll voraussichtlich im April 2026 fallen.
Die "Rennstrecke" Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg
Die Schwieberdinger Straße, in der der Unfall passierte, führt von der Ludwigsburger Innenstadt zur Autobahn 81. Sie ist schnurgerade. Anlieger sagen, dass dort immer wieder Autos viel zu schnell unterwegs sind. Am Abend des 20. März waren das auch die drei angeklagten Männer. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihnen vor, sich zu einem sogenannten "Beschleunigungsrennen" mit zwei hochmotorisierten Autos verabredet zu haben. Bis auf Tempo 150 sollen die beiden ihre Fahrzeuge beschleunigt haben.
Ein 25-jähriger Cousin der Brüder soll den Startschuss zum Rennen gegeben und als Beifahrer des zweiten Autos das Rennen gefilmt haben. Zuvor sollen die Männer auch schon mit drei Autos durch Ludwigsburg gerast sein. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft dem SWR: "Es ist zutreffend, dass sie gegen 19.15 Uhr zunächst mit drei hochmotorisierten Fahrzeugen ein Beschleunigungsrennen durch die Bahnhofsunterführung unternommen haben sollen."
Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit Nach tödlichem Unfall in Ludwigsburg: Jetzt gilt Tempo 40
Im März kamen zwei Frauen in Ludwigsburg durch ein illegales Autorennen ums Leben. Seit Freitag gilt nun Tempo 40, und ein Blitzer soll aufgestellt werden.
Mittlerweile Tempo 40 auf der Unfallstrecke
Mittlerweile gilt auf der Schwieberdinger Straße Tempo 40. Noch in diesem Jahr soll in der Nähe der Unfallstelle auch ein Blitzer aufgestellt werden. Der nächste steht etwa 800 Meter entfernt. Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht (parteilos) bezweifelt, dass mehr Blitzer für mehr Sicherheit sorgen würden: "Wer solche Verbrechen begehen will, wer mit dieser Gesinnung Rennen veranstaltet, der wird immer seinen Raum finden." Da würden dann seiner Ansicht nach auch fünf Blitzer nicht helfen.
Wir kriegen das Risiko auch mit fünf Blitzern nicht ausgeschaltet.
Man werde aber zusätzlich mit mobilen Radargeräten kontrollieren, so Knecht. In der Bevölkerung müsse das Bewusstsein geschaffen werden: "So etwas darf nicht wieder passieren." An das neue Tempolimit 40 halten sich in der Schwieberdinger Straße trotzdem nicht alle, meinen Anlieger. "Die Autos fahren schon ziemlich schnell an einem vorbei", findet Anwohnerin Sybille Bayer. "Ich glaube nicht, dass die alle 40 fahren." "Die rasen schon manchmal", bestätigt auch der Ludwigsburger Salvatore Di Parma.