Der Verband Region Stuttgart (VRS) investiert rund eine Viertel Million Euro, um mit Schienenersatzverkehr (SEV) die Folgen der Stammstrecken-Sperrung 2025 vom 26. Juli bis 5. September für die Fahrgäste der S-Bahn Stuttgart erträglicher zu gestalten. Die müssen sich schon im Vorfeld auf einige Baustellen einstellen: Im Juni und Juli wird es zusätzlich zu Behinderungen kommen, da die Bahn Strecken instand setzt und den Ausbau des Digitalen Knoten Stuttgart (DKS) weiterführt.
Bisherige Pläne der Bahn für den Ersatzverkehr
Grund für die Bauarbeiten an der Stammstrecke Stuttgart ist, dass die Bahn den S-Bahn-Tunnel modernisiert und weiter mit der digitalen Leittechnik ECTS ausstattet. Alle S-Bahn-Linien sind davon betroffen, sie fahren dann nicht zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen. Geplant ist nun, dass zusätzliche Stadtbahnen und Busse verkehren.
Bisher hatte die Deutsche Bahn, die für die Arbeiten an der Stammstrecke verantwortlich ist und auch die S-Bahn fährt, einen Ersatzverkehr mit Bussen (SEV1) entlang der Haltestellen der Stammstrecke geplant - also mit den Haltepunkten Hauptbahnhof, Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität, Österfeld und Vaihingen. Zudem will die Bahn zusätzliche Regional-Express-Züge zwischen Hauptbahnhof und Böblingen über Stuttgart-Vaihingen fahren lassen.
Stadtbahn U1 bis Vaihingen soll RE-Züge und U14 entlasten
Der VRS ergänzt das um eine Verlängerung der Stadtbahnlinie U1 in den Hauptverkehrszeiten (etwa 6 bis 9 Uhr und 15 bis 19 Uhr). Sie soll in der Zeit über den Endpunkt Heslach Vogelrain hinaus bis Stuttgart-Vaihingen fahren und so die Linie U14 entlasten. Die U14 verkehrt zudem sonntags nach enger getaktetem Samstagsfahrplan.
Zwischen Leonberg und Stuttgart-Universität fährt die Expressbus-Linie X60 wochentags in den Hauptverkehrszeiten im 15-Minuten-Takt als ergänzende Querverbindung. Die zusätzlichen Stadtbahnen sollen mit gut 230.000 Euro, die Extra-Busse mit rund 45.000 Euro zu Buche schlagen. Der VRS bezahlt das aus seiner ÖPNV-Rücklage.
Weitere Bauarbeiten im Vorfeld der Stammstreckensperrung
Die Bahn kündigte ihrerseits an, noch im Vorfeld der Stammstreckensperrung kleinere Arbeiten im Netz durchführen zu wollen. Neben Instandsetzungs-Projekten und Vorbereitungen für die Stammstreckensperrung geht es bei den Baustellen im Juni und Juli um den Aufbau des Digitalen Knotens Stuttgart (DKS). Folgende Bauarbeiten und Behinderungen kündigt die Bahn an:
- Höhere Bahnsteige in Stuttgart-Bad Cannstatt: Ab Juni werden temporär die Bahnsteige an den Gleisen 5, 6 und 7 erhöht, wie an Gleis 8 bereits geschehen. Somit können im Sommer während der Stammstreckensperrung auch die Gleise von den S-Bahnen genutzt werden, da dann die Gleise 1 bis 4 nicht nutzbar sind. Während der Bauarbeiten halten Züge des Fern- und Regionalverkehrs auch an den S-Bahn-Gleisen 1 bis 4. Vom 7. Juni 2025 bis zum Beginn der Stammstreckensperrung fahren die S-Bahnen der Linien S1, S2 und S3 nur im Halbstunden- statt Viertelstundentakt.
- Rems- und Murrbahn: Wegen der Arbeiten in Bad Cannstatt halten ab dem Wochenende 14./15. Juni die Züge RE90, MEX19, MEX90 (Murrbahn) nicht an dem dortigen Bahnhof - und auch nicht die Linien RE1, RE90 und MEX13 (Remsbahn). Reisende, die in Bad Cannstatt ein- und aussteigen wollen, müssen in der Zeit entsprechend auf die S-Bahnen umsteigen. Auf der Murrbahn kommt es wegen Bahnarbeiten zwischen dem 7. und dem 15. Juni zusätzlich zu Einschränkungen.
- Neckar-Alb-Bahn: Auch zwischen Stuttgart und Tübingen ergeben sich durch die Arbeiten in Bad Cannstatt Beeinträchtigungen: Vom 7. bis 13. Juni fahren die DB-Züge der Linie RE6 zwischen Stuttgart und Tübingen nicht. Die SWEG-Züge der Linie RE6 sowie deren Metropolexpresz-Züge MEX12 und MEX18 verkehren indes doch. Wem das zu kompliziert ist, der kann von Tübingen aus auch über Herrenberg nach Stuttgart fahren.
- Flughafenstrecke: Wie schon im Vorjahr erneuert die Bahn auch diesen Frühsommer die Gleise der S-Bahn-Strecke zum Flughafen Stuttgart. Vom 13. Juni bis 11. Juli ist die Bahnstrecke zwischen Stuttgart-Vaihingen und Filderstadt gesperrt. In der Zeit fahren Ersatzbusse zwischen Stuttgart-Vaihingen und Filderstadt-Bernhausen (S2E). Zudem verkehren Direktbusse zischen Stuttgart-Vaihingen und Flughafen (S2X) sowie Böblingen und Flughafen (XEV).
- Gäubahn: Auch für die Trasse zwischen Stuttgart und Singen sind Sperrungen geplant: Zwischen Eutingen im Gäu und Horb sollen Arbeiten an der Oberleitung und am Oberbau der Strecke stattfinden. Deshalb soll es zwischen 20. Juni und 5. Juli für den Streckenabschnitt Ersatzbusse geben. Für die weitere Bauphase vom 6. Juli bis zum 25. Juli werde noch an Verkehrs- und Ersatzverkehrskonzepten gearbeitet, heißt es.
- Bahnhof Stuttgart-Feuerbach: Für die Zeit vom 28. Juni bis 7. Juli plant die Bahn Arbeiten an den Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik im Bereich von Stuttgart-Feuerbach. Die Ferngleise zwischen Zuffenhausen und Nordbahnhof sind in dieser Zeit gesperrt. Der Fern- und Regionalverkehr wird teilweise umgeleitet. Fernzüge halten als Ersatz für Stuttgart Hauptbahnhof zum Teil in Esslingen.
- Weitere Informationen: Alle geplanten Sperrungen, Einschränkungen und Ersatzverkehre bündelt die Bahn in einer Mitteilung. Sie empfiehlt zudem, vor Fahrtantritt die elektronische Fahrplan-Auskunft und die App DB Navigator zu nutzen. Da die Ersatzbusse längere Fahrzeiten haben als die regulären Züge, sollten die Fahrgäste zudem mehr Zeit für die Fahrten einplanen und im Zweifelsfall frühere Verbindungen nutzen.
Stammstreckensperrung 2026 ohne Panoramabahn
Auch für kommendes Jahr ist eine Stammstreckensperrung über die Sommerferienzeit geplant, dann allerdings verschärft, sollte wie geplant die Panoramabahn im Frühjahr stillgelegt werden, um S-21-Arbeiten abschließen zu können. Dann fällt für S-Bahn-Fahrgäste nicht nur die Ausweichroute weg, auch die Gäubahn ist dann zwischen Stuttgart-Vaihingen und dem Hauptbahnhof gekappt - und die Passagiere müssten dann auch den Ersatzverkehr statt der S-Bahn nutzen.
Taskforce für Gäubahn und Co. Lenkungskreis Stuttgart 21: 2026 wird es für Bahnfahrer noch schlimmer
Es bleibt dabei: Der Tiefbahnhof für Stuttgart 21 soll im Dezember 2026 eingeweiht werden. Doch für Zugreisende und Pendler wird es laut Lenkungskreis nächstes Jahr noch schlimmer.
Deshalb hat sich der S-21-Lenkungskreis, in dem neben dem VRS und der Bahn auch die Stadt und das Land sitzt, auf eine Taskforce geeinigt, die unter anderem die Stammstreckensperrung 2026 "fahrgastverträglich" gestalten soll. Diese Taskforce, so erklärte ein VRS-Sprecher dem SWR - werde gerade gebildet und sei in die aktuelle Gestaltung des SEV für die Sperrung 2025 noch nicht eingebunden gewesen. Auch habe es keine Beschlüsse gegeben zur besseren Information und Lenkung der Fahrgäste. Das hatte nach den Erfahrungen früherer Sperrungen das Land in einem Schreiben an die Bahn gefordert.