Bei einem Polizeieinsatz im Stuttgarter Osten ist in der Nacht ein Mann erschossen worden. Die Beamten waren gegen 2 Uhr zu einer Bar in der Nähe des Ostendplatzes gerufen worden, heißt es von Staatsanwaltschaft, Polizei und Landeskriminalamt in einer Mitteilung.
Verdächtiger flüchtete vom Tatort
Grund für den Einsatz waren gewaltsame Auseinandersetzungen. Dabei soll ein 29-Jähriger einen gleichaltrigen Mann durch einen scharfen Gegenstand schwer am Hals verletzt haben. Der mutmaßliche Angreifer war den Angaben zufolge danach vom Tatort geflohen.
Polizist schießt auf Verdächtigen
Der junge Mann flüchtete in einen Innenhof in der Nähe. Dort stellte ihn ein Polizist. Dabei gab der Beamte der Mitteilung zufolge einen Schuss ab, der den Mann laut Polizei im Oberkörper traf. Der Mann sei kurz darauf gestorben.
Landeskriminalamt untersucht Polizeieinsatz
Der genaue Verlauf des Vorfalls werde derzeit ermittelt, heißt es von den Behörden. In der Mitteilung teilen sie außerdem mit: "In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart wird die Sachbearbeitung bezüglich der Hintergründe des Streits und des versuchten Tötungsdelikts durch das Polizeipräsidium Stuttgart übernommen." Weil die Polizei eine Schusswaffe einsetzte, ermittelt wie in solchen Fällen üblich das Landeskriminalamt Baden-Württemberg.
Warum wurde sofort geschossen?
Nach SWR-Informationen gehen die Ermittlungsbehörden davon aus, dass sich der betreffende Polizist in einer Bedrohungssituation befand und deshalb schoss. Demnach könnte der Flüchtende ruckartige Bewegungen gemacht haben, die wie ein Angriff gewirkt haben könnten. Unklar ist, ob nur ein oder mehrere Polizisten die Verfolgung aufgenommen hatten.
Nach SWR-Informationen trug der Polizist, der den tödlichen Schuss abgab, keine Bodycam. Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt machen derzeit keine Angaben, wie es zu dem Schuss aus der Polizeiwaffe kam. Der Verlauf des Vorfalls werde derzeit geklärt, hieß es dazu.
Kretschmann: Kein unrechtmäßiger, unverhältnismäßiger Waffengebrauch
Am Dienstag äußerte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) allgemein zu polizeilichen Einsätzen, bei denen geschossen wird. Er verwahrte sich gegen die Annahme, dass Polizisten in Baden-Württemberg schneller zur Waffe greifen würden als früher. Jeder Schusswaffengebrauch eines Polizisten ziehe ein staatsanwaltschaftliches Verfahren nach sich, so Kretschmann: "Das ist eine völlig andere Situation als in den USA. Das ist ja schon mal eine große Versicherung dagegen, dass da irgendwas geschieht, was nicht geschehen soll, nämlich ein unrechtmäßiger, unverhältnismäßiger Waffengebrauch."