Angebot in Weil der Stadt

Schwimmkurs für geflüchtete Frauen: "Jetzt habe ich keine Angst mehr"

Ein Schwimmkurs ausschließlich für Frauen, das Angebot in Weil der Stadt kommt bei Geflüchteten gut an. Viele entdecken nicht nur das Wasser für sich, sondern entwickeln auch neues Selbstbewusstsein.

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Seit Dezember können geflüchtete Frauen in Weil der Stadt (Kreis Böblingen) schwimmen lernen. Trainerin Ute Wolfangel bietet einmal wöchentlich einen privaten Schwimmunterricht im öffentlichen Hallenbad an. Viele der Teilnehmerinnen konnten davor nicht schwimmen oder haben sich nicht ins Wasser getraut.

Hallenbad Weil der Stadt: Schwimmen lernen als pure Notwendigkeit und als Genuss

"Drei - zwei - eins - und ...", nein, noch nicht jede Teilnehmerin taucht nun sofort ab. Für manche der geflüchteten Frauen braucht es noch etwas Überwindung, andere haben die Übung nicht gleich verstanden. Aber auch das soll dieser Kurs langfristig stärken: die Verständigung, den Mut, das Selbstbewusstsein. Ein gutes Dutzend Teilnehmerinnen hat sich da im Becken rund um Trainerin Wolfangel vom Arbeitskreis Asyl versammelt. Es geht ums Schwimmen lernen. Und einiges mehr.

Unter Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ist der Nichtschwimmer-Anteil doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Jahr 2022. Dabei darf Schwimmen eigentlich keine Frage der Herkunft sein - in erster Linie natürlich, weil das im Zweifelsfall über Leben und Tod entscheidet. Aber auch weil Freude, Wohlbefinden und Bewegung dazugehören - und die Frauen dann auch mit ihren Familien ins Bad, an den See oder ans Meer können. "Es gehört einfach dazu, schwimmen zu können", sagt Wolfangel.

Ute Wolfangel vom Arbeitskreis Asyl leitet den Schwimmkurs in Weil der Stadt. Sie hatte schon in Griechenland Geflüchteten das Schwimmen im Meer beigebracht.
Ute Wolfangel vom Arbeitskreis Asyl leitet den Schwimmkurs in Weil der Stadt. Sie hatte schon in Griechenland Geflüchteten das Schwimmen im Meer beigebracht.

Schon als Helferin für Flüchtlinge in Griechenland hatte sie Schwimmkurse im Meer gegeben. Als das Hallenbad Weil der Stadt 2023 einen Frauenbadetag einführte, stellte Wolfangel fest, dass auch dort geflüchtete Frauen waren. Nur trauten diese sich kaum ins Wasser, wenn überhaupt: Sie konnten nicht schwimmen. So entstand eine WhatsApp-Gruppe - erst mit 3 Mitgliedern, heute sind es rund 40. "Es hat sich herausgestellt, es gibt Bedarf", sagt Wolfangel. "Aber es gab keine reinen Frauen-Kurse." Solche Angebote suchten die Frauen aber - aus religiösen oder kulturellen Gründen und aus persönlicher Scheu. In einer reinen Frauenrunde fühlten sich viele zunächst wohler - gerade wenn jemand etwa körperliche Hilfestellung etwa beim Beinschlag braucht.

Egal ob Bikini oder Burkini: Die geflüchteten Frauen sollen sich wohlfühlen

An diesem Tag sind im Hallenbad Weil der Stadt Frauen aus aller Welt im Wasser - etwa aus Nigeria, Afghanistan und der Türkei. Teils tragen sie Schwimmanzüge oder einen Burkini, teils Bikini - jede so, wie sie sich wohlfühlt. Chally Dabae-Hauser hat sich eine gelbe Schwimmnudel aus Schaumstoff unter die Arme geklemmt. Sie hatte in ihrer früheren Heimat in Nigeria nicht schwimmen lernen können. Auch in Deutschland fürchtete sie sich zunächst vor dem Wasser. "Jetzt habe ich keine Angst mehr", sagt sie. "Ja, das macht Spaß!" Mithilfe der Schwimmnudel könne sie nun bereits "ein bisschen Gas" geben.

Chally Dabae-Hauser hatte zunächst Angst vor dem Wasser. Mittlerweile genießt sie das Baden und macht mit einer Schwimmnudel erste Schwimmzüge.
Chally Dabae-Hauser hatte zunächst Angst vor dem Wasser. Mittlerweile genießt sie das Baden und macht mit einer Schwimmnudel erste Schwimmzüge.

Kursteilnehmerin Alev Gövec wurde motiviert durch die Familie: "Die Kinder lernen in Deutschland schwimmen und ich möchte einfach mit meinen Kindern schwimmen." Anfangs gab es auch skeptische Blicke von anderen Badegästen, berichtet sie. "Doch je besser wir Schwimmen können, desto besser schauen sie", sagt sie und lacht. Es geht also für die Frauen im Kurs auch darum, selbstbewusst gegen schiefe Blicke anzuschwimmen. Und sich einfach ins Wasser zu trauen.

Trainerin Wolfangel hofft auf Nachahmer des Schwimmkurses

Wolfangel wünscht sich, dass das Modell in anderen Städten Nachahmer findet. Aktuell weiß sie aus der Region Stuttgart nur von einem einzigen ähnlichen Angebot in der Landeshauptstadt selbst. Mittlerweile wagen sich erste Frauen auch im Regelbetrieb ins Bad. Mehr noch: Auf einmal trifft Wolfangel beim privaten Schwimmbad-Besuch Kursteilnehmerinnen, die ihre eigenen Bahnen ziehen. Ihre Männer säßen derweil draußen mit den Kindern und trinken Kakao, erzählt Wolfangel und strahlt. Die ehrenamtliche Schwimmtrainerin zieht selbst einiges aus dem Kurs - gerade in den Momenten, wenn die Frauen merken, dass das Wasser sie trägt.

Wenn eine Frau auf einmal ganz alleine schwimmen kann - ich spüre da dieses Glücksgefühl!

Alev Gövec hat gestartet als Nichtschwimmerin - heute hat sie das Bronzeabzeichen. Sie genießt die Zeit im Kurs mit ihren Freundinnen und hat nun den Rettungsschwimmer als nächstes Ziel.
Alev Gövec hat gestartet als Nichtschwimmerin - heute hat sie das Bronzeabzeichen. Sie genießt die Zeit im Kurs mit ihren Freundinnen und hat nun den Rettungsschwimmer als nächstes Ziel.

Auch Gövec genießt die Zeit für sich im Wasser: "Die Schwimmzeit gehört mir", sagt sie. Die Kinder seien in der Zwischenzeit mit Papa unterwegs. "Und ich genieße das Schwimmen mit meinen Freundinnen." Gövec kann mittlerweile im Becken schon richtig Strecke machen. Mit ruhigen, kräftigen Schwimmzügen pflügt sie durchs Wasser. Nach einem Jahr hat sie das Bronzeabzeichen absolviert, also den Freischwimmer. Ihr nächstes Ziel: Rettungsschwimmerin. So kann sie vielleicht eines Tages den Kurs übernehmen und das Integrations-Projekt weiterführen.

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