Zwischennutzung einmal anders: Das leerstehende Ladengeschäft Am Vaihinger Markt 30 am Eingang zur Fußgängerzone in Stuttgart-Vaihingen ist nun für zehn Tage ein Studio - und ein Treffpunkt für Menschen, die sich mit der Zukunft des Heizens beschäftigen wollen. Der SWR und CORRECTIV widmen sich mit Fragen, Erfahrungen und Debatten rund um die Wärmewende. Schließlich will Baden-Württemberg in 15 Jahren klimaneutral sein - und Stuttgart in zehn Jahren.
Wärmeplan der Stadt Stuttgart: Vorstellung und Debatte
Zum Auftakt des PopUp Studios stellte Jürgen Görres, Abteilungsleiter im Amt für Umweltschutz der Stadt Stuttgart, die Themen Wärmeplan und kommunale Förderungen vor. Immerhin will die Landeshauptstadt 2035 - und damit fünf Jahre vor dem Land und zehn vor dem Bund die Klimaneutralität erreichen. "Wir haben uns da ein ambitioniertes Ziel gesetzt", erklärte Görres - und stellte fest, dass es dafür beides brauche: weniger Verbrauch und grüne Energie.
Und: Auch wenn die Stadt eine Wärmeplanung vorgelegt hat, sei das immer nur eine Momentaufnahme. Wenn darüber hinaus etwas entsteht, dann "ist das an keiner Stelle verboten", betonte Görres - im Gegenteil: Es sei sogar sehr willkommen. Er könne es nur begrüßen, wenn Bürger sich zusammen tun, um ein kleines gemeinsames Wärmenetz aufzubauen - auch wenn die Stadt für diesen Standort das gar nicht geplant habe.
Wärmewende: Beispiele aus Stuttgart - und eine Debatte
Am Beispiel eines Hauses in Stuttgart-Vaihingen zeigte Görres klar, wie's geht: Dort hätten die Eigentümer einen Altbau konsequent saniert - Dach, Dämmung, Photovoltaik, Wärmepumpe - 525.000 Euro stand am Ende auf der Rechnung. Aber: Nach Abzug der Förderung - von der Stadt etwa kamen gut 65.000 Euro - seien es nur noch knapp 280.000 Euro gewesen. Bei 6.700 Euro Energiekosten-Ersparnis im Jahr und einer ohnehin nötigen baulichen Sanierung. "Und ich muss das ganze Paket nicht auf einmal machen", ergänzte Görres. "Ich kann das auch Abschnitt für Abschnitt angehen."
Allerdings: Im Publikum saß auch eine Hauseigentümerin, die von Schwergang bei der städtischen Förderung berichtete: Sie wollte ihren Altbau mit einer speziellen, hauchdünnen Folie dämmen. Allerdings: Das Energieberatungszentrum Stuttgart, welches das für die städtische Förderung notwendige Beratungsprotokoll anfertigt, stellte sich auf den Standpunkt, dass das nicht funktionieren könne. Darum keine Förderung - und Frust bei der Betroffenen Bürgerin. Daneben kam Kritik von Stuttgarterinnen und Stuttgartern zur Sprache, die keinen Anschluss ans Fernwärmenetz erhalten - obwohl es fast bis ans Haus reicht.
Infos, Beratung, Debatten zur Wärmewende
Diskutiert wurde entsprechend bis in den Abend hinein - und so soll es die kommenden Tage weiter gehen. Immer zwischen 12 und 20 Uhr (außer sonntags) ist nun das kleine Radiostudio samt Online-Dependance geöffnet. Der Empfangsraum steht Besuchern und Gästen offen - ein Ort, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Geplant sind Infoveranstaltungen, Beratungsangebote, Diskussionsrunden und Interviews. Für einzelne Programmpunkte braucht es eine vorherige Anmeldung, für viele nicht.
Nicht nur in Stuttgart gibt es ein PopUp Studio. Weitere Orte sind Vaihingen an der Enz (28. bis 31. Oktober) und Lörrach (4. bis 8. November). Hintergrund der PopUp Studios ist eine Kooperation zwischen dem SWR und dem Recherche-Netzwerk CORRECTIV. Redakteurinnen und Redakteuren habe in den vergangenen Wochen und Monaten recherchiert zu den Thema Heizen und Wärmewende. Über die virtuelle Plattform "CrowdNewsroom" können sich bereits Bürgerinnen und Bürger mit ihren persönlichen Erfahrungen, Sorgen und Ideen einbringen.