Am Dienstag haben der SWR und das Medienhaus CORRECTIV ein PopUp Studio zur Wärmewende eröffnet. Es befand sich im Alten Rathaus (Volkshochschule) und war bis Samstag geöffnet.
Am Eröffnungsabend stellten sich die Fachbereichsleiterin Umwelt und Mobilität der Stadt Lörrach, Britta Staub-Abt, der Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung und Klima, Martin Graf und Martin Gross vom Runden Tisch Klima den Fragen der Besucherinnen und Besuchern.
Eine Besucherin erzählte beispielsweise, sie lebe in einem Mehrfamilienhaus und wolle von Gas auf Wärmepumpe umsteigen. Die anderen im Haus aber wollten dies nicht. Gibt es Möglichkeiten von Seiten der Stadt zu helfen, eine Mediation? Leider nein, so die Antwort von Staub-Abt. Angesichts klammer Kassen eine schöne Idee, aber derzeit gebe es eine Haushaltssperre der Stadtverwaltung.
Ein anderer Besucher schilderte: Er habe ein kleines Einfamilienhaus und die Fernwärme führe direkt am Grundstück vorbei. Aber ein Anschluss sei wirtschaftlich nicht erschwinglich. Hier vertröstete Staub-Abt auf weitere Planungen, diese würden beständig fortgeführt werden.
Einbau von Wärmepumpen: Vergleich mit anderen Ländern
Auf die Frage, was sich denn amortisieren würde, stellte Innungsobermeister Martin Graf eine Gegenfrage: "Wenn man eine neue Küche einbaut, fragt man sich das dann auch?" Wichtig im Fall der Heizung sei doch, dass man es warm habe. Im Verlauf der Runde spielten auch die Handwerkerleistungen in anderen Ländern eine Rolle.
Ein Besucher berichtete, dass der Einbau von Wärmepumpen in Frankreich wesentlich günstiger sei. Graf gab zu Bedenken, dass es dann mit der staatlichen Förderung schwierig werden könnte. Überhaupt habe die Förderung zu einer Preisverzerrung am Markt geführt, so der Handwerker.
"Tschüss Gas?" - Wie weiter heizen?
Am Mittwochabend ging es bei einer Diskussion um das Thema Gas bei der Energieversorgung. Aus den Zuhörerreihen kamen zahlreiche Wortmeldungen zur Wärmewende: "Alle Prognosen weisen darauf hin, wenn wir jetzt nichts tun, dann werden wir einen ganz hohen Preis bezahlen", so einer der Zuhörer. Ein weiterer, der sein Haus bereits an die Fernwärme angeschlossen hat, berichtete: "Die Stadtenergie Lörrach bietet Energie an, die zu 40 Prozent gasbasiert ist. Das ist für unsere Motivation etwas frustrierend - zumal billiger ist es auch nicht."
Ganz so einfach und schnell lässt sich das Gas im Energiemix der Fernwärme nicht ersetzen.
Pilgermayer präsentierte dazu eine neue Idee, die beim Rhein in Mannheim schon in die Tat umgesetzt wurde. "Wir haben die Wiese direkt vor der Haustür, die fließt quasi durch Lörrach hindurch. Das Wasser wird in Kanäle abgezweigt, und deswegen müssen wir uns auf diese Kanäle konzentrieren. Die fließen auch durch das Stadtgebiet, und da können wir ansetzen um Flusswasserwärme zu gewinnen", so Pilgermayer.
Wärmewende mitgeplant Wasser-Wärmepumpe statt Gas: Künftige Klinik in Lörrach heizt mit neuer Methode
Eine riesige Klinik, die beim Heizen fast ohne Gas auskommt? Die wird es ab 2027 in Lörrach geben. Schon im Dezember soll die Wärmepumpen-Heizung in den Probebetrieb gehen.
Das funktioniere wie bei Wärmepumpen, in diesem Fall aber mit Wasser statt wie sonst mit Luft. Ein ähnliches Prinzip ist auch bei der neuen Klinik geplant. Auf Wärmepumpen oder Fernwärme muss die Bevölkerung in Basel, Lörrachs Nachbarstadt, teils schon bald umstellen - spätestens bis 2037. In Riehen setzt man dabei beispielsweise auf Geothermie.
Auch Heizen mit Abwärme aus der Industrie kann auch eine Lösung sein, findet Lörrachs frühere Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm, die bis 2022 an der Spitze des Städtetags Baden-Württemberg stand. Ein Energieberater im Publikum hatte zum Schluss noch einen Tipp: "Erst mal die Häuser dämmen und so Energie sparen".
Über die Nutzung von Erdwärme in Lörrachs Schweizer Nachbarort Riehen informierte sich eine Besuchergruppe vor Ort. Sie erfuhren bei der Exkursion, dass das Thermalwasser aus einer Tiefe von 1.500 Metern hochgepumpt wird mit einer Temperatur von 67 Grad.
Wärmepumpen-Experte Marek Miara begeisterte sein Publikum
Am Freitag begeisterte der Wärmepumpen-Experte Dr. Marek Miara vom Fraunhofer Institut aus Freiburg sein Publikum im Alten Rathaus. Nach seinem Vortrag beantwortete er Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer.
"Wärmepumpen-Papst" Marek Miara Interview mit Freiburger Forscher: "Ich würde sofort zu einer Wärmepumpe raten"
Wie sehen Wärmepumpen der Zukunft aus? Werden sie billiger? Erreicht BW die eigenen Klimaziele? Interview mit Marek Miara, der als Deutschlands "Wärmepumpen-Papst" bezeichnet wird.
Am Samstag, als das SWR PopUp Studio in Lörrach zum letzten Mal geöffnet hatte, zogen die Verantwortlichen von SWR und CORRECTIV Bilanz. In den zurückliegenden vier Wochen hatten mehrere Hundert Personen die SWR PopUp Studios in Stuttgart, Vaihingen an der Enz und in Lörrach besucht.
SWR und CORRECTIV freuen sich über die gute Beteiligung
„Ich freue mich über die große Beteiligung, auch auf unseren Online-Plattformen,“ sagte Projektleiter Eberhard Halder vom SWR in Stuttgart. Rund um die Wärmewende hatten SWR und CORRECTIV in den drei Städten etwa 20 Veranstaltungen angeboten. Online, im „Crowdnewsroom“, beteiligten sich rund 2.000 Personen und gaben dort ihre Erfahrungen zur Wärmewende ein.
"Druck im Kessel - Wie trifft mich die Wärmewende?" Wärmewende-Projekt beendet: Vielen Dank für Ihre Beteiligung
Welche Erfahrungen haben Sie mit einem Heizungstausch gemacht? Welche Fragen haben Sie? SWR und CORRECTIV wollten wissen, was die Menschen in BW rund um die Wärmewende beschäftigt.
Rückblick: PopUp Studios in Stuttgart und Vaihingen an der Enz
Nicht nur in Lörrach gab es ein PopUp Studio zur Wärmewende. Auftakt war in Stuttgart-Vaihingen. Etwas mehr als eine Woche lang konnten Besucherinnen und Besucher Mitte Oktober mit Redakteurinnen und Redakteuren ins Gespräch kommen, Heizungskeller besuchen und bei einer Podiumsdiskussion dabei sein. Außerdem konnten sie die eigenen Erfahrungen rund um die Themen Heizen und Wärmewende in der virtuellen Plattform "CrowdNewsroom" eingeben.
In Vaihingen an der Enz (Kreis Ludwigsburg) hatte das PopUp Studio vom 28. bis zum 31. Oktober geöffnet. Höhepunkte waren unter anderem der Besuch von "Energiesparkommissar", SPIEGEL-Bestsellerautor und YouTube-Energieberater Carsten Herbert und ein Spaziergang durch die Altstadt mit einem städtischen Klimaschutzmanager und Verwaltungsfachleuten zu den Herausforderungen der Wärmewende in engen historischen Innenstädten.