Gerechtere Bildungschancen für Schüler

1,3 Milliarden Euro vom Land für benachteiligte Kinder: Wie wird das Geld an den Schulen eingesetzt?

Seit 2024 werden Schulen durch das Startchancenprogramm gefördert. Zwei Schulen aus dem Rems-Murr-Kreis sehen jetzt erste Erfolge.

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Von Autor/in Loris Hoffmann

In Baden-Württemberg werden seit 2024 insgesamt 540 Schulen durch das Startchancenprogramm gefördert. Durch das Programm soll der Lernerfolg von Kindern mit schwierigeren Voraussetzungen verbessert und der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufgebrochen werden. Zwei Schulen in Backnang (Rems-Murr-Kreis) ziehen jetzt eine erste Bilanz.

Alle Kinder in der ersten Klasse können jetzt lesen

"Wir stellen fest, dass durch das Programm in diesem Jahr alle Erstklässler lesen gelernt haben", sagt die Schulleiterin der Schillerschule in Backnang, Simone Otterbach. Das sei in den Jahren zuvor nicht immer der Fall gewesen.

Die Schillerschule bekommt durch das Startchancenprogramm zusätzlich 110.000 Euro pro Jahr. Damit bezahlt werden unter anderem acht pädagogische Assistenzen. "Wie gut Kinder lesen können, ist sehr vom Elternhaus abhängig. Mit den zusätzlichen Mitteln können unsere Assistenzen lernschwache Kinder unterstützen und mit ihnen jeden Tag lesen üben", so Otterbach. Eine solche individuelle Förderung sei ohne das Programm nicht möglich.

Pestalozzi-Schule in Backnang bekommt weniger Mittel

Solche zusätzlichen Assistenzkräfte hat auch die Pestalozzi-Schule in Backnang eingeführt, jedoch in einem geringeren Rahmen. Schulleiterin Simone Knoblauch begrüßt die Arbeit der zusätzlichen Kräfte, jedoch sei an ihrer Schule der Bedarf einer zusätzlichen Förderung ohnehin enorm. "Wir sind eine Sonderschule, aber die Gelder des Programms werden nach der Anzahl der Schüler an der jeweiligen Schule vergeben", sagt Knoblauch. Eigentlich bräuchten ihre Schüler eine noch intensivere Betreuung.

Simone Knoblauch könne zurzeit durch das Programm zwei Stunden zusätzliche Förderung pro Klasse in der Woche anbieten. Das sei zu wenig, sie sehe zwar Fortschritte, aber in einem geringen Maß, sagt sie.

Gewaltpräventionstrainer soll Konflikte lösen

Die beiden Schulen in Backnang teilen sich einen Schulhof. Dort kommt es immer wieder zu Konflikten. Mit den Mitteln aus dem Startchancenprogramm finanziert die Schillerschule auch einen Gewaltpräventionstrainer, der für einzelne Kinder gezielt Programme anbietet.

Ein Frühstück im Bauch ist für ein gutes Lernen essenziell.

Oftmals würden die Probleme der Kinder jedoch viel früher beginnen. Deshalb gibt es an den beiden Schulen ein gemeinsames tägliches Schulfrühstück, finanziert durch das Startchancenprogramm. "Manche Kinder kommen hungrig zur Schule, uns ist es wichtig, auch diesen Kindern gute Chancen bieten zu können", so Otterbach. Ein Frühstück im Bauch sei für ein gutes Lernen essenziell, erzählt sie.

Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufbrechen

In den kommenden zehn Jahren sollen mit dem Startchancenprogramm etwa jeweils 1,3 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln an Schulen in Baden-Württemberg fließen. 60 Prozent davon sind Grundschulen.

Entscheidend für die Auswahl der Schulen ist ein sogenannter Sozialindex, in den verschiedene Faktoren wie der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, das Einkommen und der Bildungsgrad in den Elternhäusern einfließen.

Kultusministerium sieht erste Erfolge

Auf Anfrage des SWR teilt das Kultusministerium mit, dass durch das Programm erste Wirkungen erkennbar seien. Vor allem für die Entlastung der Lehrkräfte sowie die Verbesserungen beim Spracherwerb. Dennoch würden viele Herausforderungen weiterhin bestehen.

Diese Herausforderungen sind auch für die beiden Schulen in Backnang weiterhin spürbar. "Wir beobachten, dass der Medienkonsum steigt, dadurch leidet bei vielen Kinder die Entwicklung der Sprache. Das wollen wir weiter durch das Startchancenprogramm abdecken, um diese Kinder noch gezielter fördern zu können", so Simone Otterbach.

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Loris Hoffmann
Porträtfoto von Loris Hoffmann

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