Pionier, Vorbild und Wahrzeichen

Aktion zum Jubiläum: Stuttgarter Fernsehturm bis Samstagabend am Stück geöffnet

Der Stuttgarter Fernsehturm war 1956 der erste Stahlbetonturm der Welt. Auch 70 Jahre später ist er ein Besuchermagnet. Zum Jubiläum gibt es ein Programm mit einer Premiere.

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Stand

Von Autor/in Philipp Pfäfflin

Fernsehturm fast drei Tage nonstop geöffnet

Der Fernsehturm ist im Moment so lange geöffnet wie nie zuvor. Am Donnerstag um 0 Uhr ging es mit einem Sektempfang im Panoramacafé los. Besucherinnen und Besucher kamen, sangen "Happy Birthday" und stießen auf das Stuttgarter Wahrzeichen an. Der Turm sei "Ästhetik pur", sagte einer der mitternächtlichen Gratulanten. Andere Gäste sprachen von einem "tollen Bauwerk", dass "jedes Mal schön anzuschauen" sei und sagten: "Wenn man den Fernsehturm sieht, dann denkt man, da gehöre ich dazu."

Der Fernsehturm ist bis Samstagabend 22 Uhr geöffnet - passend zum 70-jährigen Jubiläum 70 Stunden am Stück. Besucherinnen und Besucher erwartet dabei nicht nur der Blick in die Weite, es gibt auch ein abwechslungsreiches Programm. Informationen finden sich hier. Geplant sind unter anderem ein Sektempfang um Mitternacht, ein Frühstück zum Sonnenaufgang und eine "70 Jahre"-Oldie-Party.

Nachts, tagsüber, im Sonnenschein, unter Gewitterwolken, im Nebel, mit Regenbogen und sogar während einer partiellen Sonnenfinsternis - SWR1-Redakteur Jörg Witzsch ist großer Fan des Stuttgarter Fernsehturms und fotografiert ihn immer wieder gerne.

Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Ein Supermond steigt neben dem Fernsehturm über dem Stuttgarter Talkessel in den Himmel. Am unteren Rand die Straßenlaternen der Neuen Weinsteige. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Hoffentlich klares Wetter – das war die größte Hoffnung für diesen ganz speziellen Tag. Die partielle Mondfinsternis wirkt neben dem Stuttgarter Fernsehturm noch einmal ganz besonders. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Nebel zieht von den Fildern aus nach Stuttgart hinein und hüllt langsam den Fernsehturm ein. Dass der Korb so schön gelb leuchtet, liegt daran, dass von dort aus gerade live gesendet wurde: Das Foto entstand während der SWR1 Hitparade - mit passender Beleuchtung des "höchsten Radio-Studios von Baden-Württemberg" in SWR1-Gelb. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Da wirkt selbst der Fernsehturm unscheinbar: Kilometerhohe Wolken türmen sich über dem Stuttgarter Talkessel. Sogar ARD Meteorologe Sven Plöger staunte über diese "Cumulonimbus capillatus incus". Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Natürlich darf ein Regenbogenbild vom Stuttgarter Fernsehturm nicht fehlen! Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Wolken schieben sich vor den Mond hinter dem Stuttgarter Fernsehturm. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Ein früher Mondaufgang hinter dem Stuttgarter Fernsehturm Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Eine dünne Hochnebelschicht hat sich über den Stuttgarter Fernsehturm gelegt. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Ganz langsam wird's herbstlich um den Stuttgarter Fernsehturm. Die ersten Bäume färben sich, und der Sonnenuntergang taucht alles in ein warmes Licht. Bild in Detailansicht öffnen
Bilder vom Stuttgarter Fernsehturm - fotografiert von Jörg Witzsch
Sie haben aber nicht erwartet, dass es ohne dramatischen Sonnenuntergang geht, oder? Bitteschön! Bild in Detailansicht öffnen

5. Februar 1956 wurde der Stuttgarter Fernsehturm eröffnet. Menschen, die gleich alt wie das Stuttgarter Wahrzeichen sind, profitieren in diesem Jahr besonders. Besucherinnen und Besucher mit Geburtsjahr 1956 haben laut SWR Media Services das ganze Jubiläumsjahr über kostenfreien Eintritt bis hoch zur zweigeschossigen Aussichtsplattform in 150 Metern Höhe.

Fernsehturm in Stuttgart wird zum Vorbild weltweit

Ursprünglich wollte der Süddeutsche Rundfunk (SDR) nur einen funktionalen Stahlgittermast aufstellen. Doch der Stuttgarter Bauingenieur und Statiker Fritz Leonhardt schlug einen Turm aus Stahlbeton vor. Sein Ziel: Er wollte ein öffentliches Gebäude schaffen mit Aussicht, Restaurant und architektonischem Charme. "Die größte Herausforderung war, dass es kein Vorbild gab", sagt Patrick Schnauffer, Teamleiter Fernsehturm. "Es gab auch keine Computertechnik, keine künstliche Intelligenz." Das Bauprojekt stieß auch auf Ablehnung. Manche Zeitgenossen unkten, der Bau würde nicht fertiggestellt oder gar umfallen.

Doch Bauingenieur Fritz Leonhardt ließ sich nicht abschrecken. Sein Vorbild war die Natur, zum Beispiel der Bambusstab, erklärt Turmkenner Schnauffer: "Die Röhre ist hohl. Sie wird von innen stabilisiert. Das wurde von der Natur abgeschaut." Auch das Fundament des Fernsehturms, das nur acht Meter in die Tiefe reicht, könne man vergleichen mit dem Wurzelgeflecht eines Baums. Das ermöglicht auch, dass der Turm selbst starkem Wind trotzt. Dabei schwankt er bis zu 30 Zentimeter in Höhe der Aussichtsplattform.

Der Mond geht über der Skyline von Toronto auf. Gut zu erkennen der Fernsehturm.
Der Stuttgarter Fernsehturm war Vorbild für viele Türme - auch für den CN Tower in Toronto. Dieser wurde 1976 eröffnet. (Archivfoto)

Als nach 20 Monaten Bauzeit der Stuttgarter Fernsehturm eröffnet wurde, war der damalige SDR-Intendant und Bauherr Fritz Eberhardt begeistert: "Ich eröffne mit Stolz das zehnthöchste Bauwerk der Erde in Stuttgart." Der Stuttgarter Fernsehturm machte Schule. Ob in Frankfurt oder Dortmund, im chinesischen Wuhan oder im südafrikanischen Johannesburg, im australischen Sydney oder im kanadischen Toronto - der Stuttgarter Fernsehturm hat eine "weltweite Turmbauwelle ausgelöst", sagt Patrick Schnauffer.

Besuchermagnet: Auch die Queen war schon oben

Mit seinen gut 217 Metern Höhe spielt der SWR Fernsehturm Stuttgart schon lange nicht mehr in der Liga der höchsten Gebäude mit. In Toronto misst der Fernsehturm 553 Meter, in Tokio sogar 634 Meter. Trotzdem fasziniert der Stuttgarter Fernsehturm nach wie vor die Menschen. Rund 300.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr, sagt Patrick Schnauffer.

Auch Staatschefs und Promis zieht der Turm an. So zum Beispiel Queen Elizabeth II. Ihren Besuch im Jahr 1965 nutzte die Stadt, um sich von der besten Seite zu zeigen. Das Gartenbauamt soll extra den welken Rasen vor dem Turm grün angestrichen haben, die Bäume braun.

Dunkle Jahre: Turm drei Jahre lang geschlossen

Am 28. März 2013 lässt Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) den Turm mit Verweis auf Brandschutzmängel schließen. "Es war eine schwarze Zeit", berichtet Patrick Schnauffer vom Fernsehturm-Team. Es ging ein "Aufschrei durch die Bevölkerung". Die Menschen fragten sich, warum sollte der Turm plötzlich nicht mehr sicher sein solle. 27 Millionen Menschen hatten die Aussicht bis dahin unfallfrei genießen können, heißt es bei der SWR Media Services, der Betreibergesellschaft des SWR Fernsehturms. Fast drei Jahre dauerte die Sanierung. Am 30. Januar 2016 öffnete der Turm wieder.

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50 Jahre nach seiner Eröffnung verliert der Stuttgarter Fernsehturm seine ursprüngliche Bestimmung. Im Jahr 2006 werden die Fernsehantennen auf dem Turm stillgelegt. Das Fernsehprogramm der ARD wird über den benachbarten Fernmeldeturm der Telekom ausgestrahlt. Für Radioprogramme gilt das nicht. Sie werden weiter vom Fernsehturm ausgestrahlt - über UKW und DAB.

Seit 1986 steht der Stuttgarter Fernsehturm unter Denkmalschutz. 2009 wurde er als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" ausgezeichnet. Auch steht er auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Philipp Pfäfflin
Portraitfoto von Philipp Pfäfflin
Das Interview führte
Anna Knake
Anna Knake

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