Freitagabend, 18:30 Uhr: Langsam füllt sich das Festivalgelände in Stuttgart-Vaihingen. Der erste Stresstest für die Ehrenamtlichen, bevor am Samstag laut Veranstalter bis zu 3.000 Menschen auf das Fest strömen.
Dieses Jahr eine zusätzliche Herausforderung: Der Spar-Haushalt der Stadt Stuttgart. Die Kulturförderung der Stadt für das Festival wurde um 20 Prozent gekürzt. "De facto ist unserer Förderung 6.000 Euro weniger", erzählt Roland Brömmel. Er ist seit dem vierten "Umsonst & Draußen" Festival ("U&D") ein fester Bestandteil des Helferteams. "Das ist eigentlich nicht so viel Geld. Aber für eine Veranstaltung, bei der alles ehrenamtlich ist, ist es halt schon viel Geld."
"Umsonst & Draußen": weniger Geld, dafür immer mehr Auflagen
Lisa Salwey engagiert sich seit neun Jahren ehrenamtlich für das "U&D". Als das Team von der Kürzung erfahren habe, sei die Planung des Festivals schon sehr weit fortgeschritten gewesen. "Die Hauptreaktion war Frust", erzählt Lisa.
Das Team habe viel Zeit investiert, um Einsparmöglichkeiten und neue Geldgeber zu finden. Das fehlende Geld sei schließlich vom Bezirksbeirat Vaihingen dazugegeben worden. Und auch die zweite Bühne fällt in diesem Jahr kleiner aus als sonst. "Wir bekommen immer mehr Auflagen, da haben wir keinen Spielraum", erzählt Lisa. Seit einigen Jahren muss das Team für das "U&D" zum Beispiel ein professionelles Securityteam organisieren. "Das heißt, das Kulturprogramm, wofür wir das eigentlich machen, ist das, was darunter leiden wird."
Das Festival finanziert sich neben der Kulturförderung über den Essens- und Getränkeverkauf und über Spenden. Die Helferinnen und Helfer engagieren sich alle ehrenamtlich und auch die Bands bekommen nur eine Kostenerstattung. Die Intention des Festivals: ein nichtkommerzielles Musikangebot schaffen. Dazu findet man auf dem Festivalgelände auch Infostände von verschiedenen Organisationen, Yogastunden und ein Kinderprogramm.
Ein Stuttgart ohne das "U&D" können sich viele Besucherinnen und Besucher nicht vorstellen. Viele besuchen das Festival seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten. "Es gehört zum Jahr dazu", meint eine Besucherin, die bisher fast kein "U&D" ausgelassen hat. "Es ist umsonst, es ist draußen, es hat tolle Musik und tolle Leute", sagt ein anderer Besucher, der schon zum 30. Mal bei einem "U&D" vorbeischaut.
Ehrenamtliche sind zuversichtlich, dass es das Festival weiter geben wird
Die finanziellen Probleme sind dieses Jahr aber nicht die erste Krise, die das Team des "U&D" bewältigen muss. Ein Festival musste abgesagt werden, weil das Wetter zu schlecht war, erinnert sich Helfer Roland. Dann waren zwei Jahre Pause wegen Corona. Roland und das restliche Team sind aber zuversichtlich, dass es weitergehen wird. "Das ist ein Festival, das es seit 45 Jahren gibt. Wir werden einen Weg finden", ist sich Helferin Lisa sicher.
Wir werden einen Weg finden.
Lisa setzt dafür vor allem auf den Teamgeist und die Leidenschaft unter den Helferinnen und Helfern. Für sie auch der Hauptgrund, sich ehrenamtlich für das Festival zu engagieren: "Was da für unterschiedliche Leute zusammen kommen, die sich wahrscheinlich so nie in ihrem Alltag treffen würden und sich alle mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen und dafür sorgen, dass es drei Tage lang top funktioniert".
Freitagabend, 21:45 Uhr: die letzte Band spielt. Zeit für Lisa selbst kurz durchzuatmen und das zu genießen, was das Festival ausmacht: die Musik.