Nachdem in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) ein Baum auf ein fahrendes Auto gestürzt war und den Autofahrer getötet hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen Unbekannt. Das teilte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf SWR-Nachfrage am Gründonnerstag mit. Ein Baumsachverständiger sei beauftragt worden, zu klären, wie es zum Umstürzen des Baums kommen konnte. Außerdem will die Staatsanwaltschaft ermitteln, wer für die Sicherung zuständig und ob es in diesem Zusammenhang zu einem Versäumnis gekommen war.
- Morsche Bäume auf privatem Grund: Wer ist zuständig?
- Gibt es die Möglichkeit einer Zwangsvollstreckung?
- Sind schon vor dem tödlichen Unfall Bäume in Waiblingen umgestürzt?
- Ist tödlicher Unfall von Januar 2025 vergleichbar mit aktuellem Fall?
- Hat Stadt Konsequenzen nach früherem Baumsturz ergriffen?
- Wäre es sinnvoll, alle Bäume an der Straße zu roden?
- Welche Maßnahme ergreift die Stadt stattdessen?
Morsche Bäume auf privatem Grund: Wer ist zuständig?
Erfährt die Stadt, dass Bäume nicht mehr standsicher sind, dann fordert sie die Grundstücksbesitzer auf, sich darum zu kümmern, heißt es bei der Waiblinger Stadtverwaltung. Denn nur der Eigentümer habe die "Verfügungsmacht" über das Grundstück. In diesem Zusammenhang zitiert die Stadtverwaltung das Brandenburgische Oberlandesgericht: "Dem Eigentümer eines in der Nähe einer viel befahrenen Straße gelegenen Waldstücks obliegt es im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht, ausreichend Vorsorge dafür zu treffen, dass bei kranken oder nicht mehr standsicheren Bäumen rechtzeitig Maßnahmen getroffen werden, die eine Gefährdung der Verkehrsteilnehmer ausschließen."
Ist ein Baum aber bereits auf die Straße gefallen, gehe eine Gefahr von der Straße aus. Dann sei der Straßenbaulastträger verpflichtet, diese Hindernisse zu beseitigen, so schreibt es die Stadt Waiblingen.
Gibt es die Möglichkeit einer Zwangsvollstreckung?
Im Fall einer konkreten Gefahr können laut Waiblinger Stadtverwaltung private Grundstückseigentümer verpflichtet werden, die Gefahr zu beseitigen. Sollte dies nicht geschehen, könne eine Zwangsvollstreckung als sogenannte "Ersatzvornahme" erfolgen. Die Kosten müsse dann der Grundstückseigentümer übernehmen.
Sind schon früher Bäume in Waiblingen umgestürzt?
In Waiblingen kommt es wie andernorts immer wieder zu Baumstürzen. Vor allem Eschen sind bedroht, denn zunehmend mehr Bäume sind vom Eschentriebsterben befallen. Diese Pilzkrankheit führt dazu, dass Bäume morsch werden, sie nicht mehr standsicher sind und letztlich absterben.
Fallen Bäume auf die Straße, kümmert sich in der Regel der städtische Bauhof darum. Liegen mehrere Bäume im Weg - zum Beispiel nach heftigen Stürmen - hilft auch die Feuerwehr, heißt es bei der Stadt Waiblingen.
Ist tödlicher Unfall von Januar 2025 vergleichbar mit aktuellem Fall?
Im Januar 2025 war ein Mann im nahegelegenen Stadtteil Hegnach beim Gassigehen von einem Baum erschlagen worden. Viele Menschen in Waiblingen fragen sich, ob es Parallelen mit dem aktuellen Unfall gibt. Die Stadt sieht das nicht so, der Fall von vor einem Jahr sei "gesondert zu betrachten". Denn anders als jetzt stand der Baum damals auf einem freien Feld und außerhalb der öffentlichen Wege. Dazu komme, dass der Baum im Januar 2025 bei starkem Wind umstürzte.
Hat Stadt Konsequenzen nach früherem Baumsturz ergriffen?
Der jetzige Unfall ereignete sich im Bereich der Klinglestalstraße. Diese war schon mehrmals gesperrt wegen umgestürzter Bäume. Nach einem Baumsturz vor zwei Jahren hatte die Stadt die Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Diese hätten die Maßnahmen auch durchgeführt beziehungsweise bestätigt, dass diese vorgenommen würden, teilte die Stadt Waiblingen weiter mit. Eine Anwohnerin bestätigte das gegenüber dem SWR.
Warum in diesem Zuge die jetzt umgestürzte Esche nicht gerodet wurde, dazu macht die Stadt keine weiteren Angaben. Sie verweist lediglich auf die Untersuchungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Sie stellten lediglich fest, dass der Baum auf privatem Grund gestanden habe.
Wäre es sinnvoll, alle Bäume an der Straße zu roden?
Hier ist die Position der Stadtverwaltung eindeutig. Die Bäume, die in der Regel betroffen sind, seien Eschen. "Gesunde Bäume anderer Baumarten zu entfernen macht keinen Sinn und wäre kontraproduktiv." Die Stadt verweist darauf, dass Bäume vor Bodenerosion schützen und helfen, dass Wasser im Boden gespeichert wird.
Welche Maßnahme ergreift die Stadt stattdessen?
Die Klinglestalstraße bleibt vorerst weiter gesperrt. Sie soll erst wieder freigegeben werden, wenn von den privaten Waldgrundstücken keine Gefahr mehr ausgehe. Außerdem werden alle Eigentümer zu einer Veranstaltung geladen. Dabei soll es auch darum gehen, ob weitere Bäume gefällt werden müssen.
Die Stadt hat unterdessen ein Fachbüro damit beauftragt, ein Gutachten zum Ausmaß nötiger Fällungen zu erstellen. Geklärt werden soll auch, ob weitere Sicherungsmaßnahmen notwendig werden.