Verkehrssicherungspflicht verletzt?

Tödlicher Unfall in Waiblingen: Gefahr durch Bäume war bekannt

In Waiblingen war am Dienstag ein Baum auf ein Auto gestürzt. Nun prüft die Polizei, ob der Baum hätte gefällt werden müssen. Die Esche habe in einem Privatwald gestanden, so die Stadt.

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Von Autor/in Fabian Ziehe

Drei Grablichter und ein Strauß weiße Tulpen liegen etwas verloren neben der Absperrung, die die Fahrbahn in voller Breite blockiert. Der Blick dahinter geht die Steigung der Klinglestalstraße hoch. Weiter hinten ist noch der Rest von einem Polizei-Flatterband zu erkennen. "ACHTUNG!", steht in Großbuchstaben auf einem großen Schild: "Fußweg und Straße wegen Baum- und Astbruchgefahr gesperrt". Drei Ausrufezeichen folgen.

Am Dienstag war hier auf den rund hundert Metern, bevor oben die Siedlung beginnt, ein 55-jähriger Mann im Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Ein vorausfahrender Autofahrer habe das Unglück mitbekommen, er sei sofort zu dem Auto hinter ihm geeilt, berichtet eine Anwohnerin. Auch ihr Mann sei gleich vor Ort gewesen - viel mehr als den Notruf wählen konnte dieser wohl aber nicht: Der Mann in dem Auto mit dem völlig deformierten Dach habe keine Chance gehabt.

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Umgestürzte Esche: Gutachter prüft Baum

"Es sieht aktuell so aus, dass der Baum etwas hatte", sagt ein Sprecher der Polizei am Mittwoch dem SWR auf Anfrage. Es sei eine Esche gewesen - ob diese an Eschentriebsterben erkrankt war, einer europaweit grassierenden Pilzerkrankung, muss nun ein Gutachter klären. Die Polizei ermittelt zudem, wem das Waldstück an dem steilen Hang zur Rems hinunter gehört. Eine Frage dabei ist, ob die Verkehrssicherungspflicht gewahrt worden ist. Recht klar sei, so der Polizeisprecher, dass weder andauernder Regen noch Wind an dem Tag geherrscht habe.

Gefällte Bäume wenige Meter oberhalb der Unfallstelle in der Klinglestalstraße in Waiblingen: In jüngster Zeit wurde entlang der Fahrbahn durch den Wald zwischen Kleinhegnach und Neustadt gerodet - allerdings nicht überall. So stürzten nun dennoch kurz hintereinander zwei Bäume auf die Straße - einer traf das fahrende Auto.
Gefällte Bäume wenige Meter oberhalb der Unfallstelle in der Klinglestalstraße in Waiblingen: In jüngster Zeit wurde entlang der Fahrbahn durch den Wald zwischen Kleinhegnach und Neustadt gerodet - allerdings nicht überall. So stürzten nun dennoch kurz hintereinander zwei Bäume auf die Straße - einer traf das fahrende Auto. Fabian Ziehe

Nun, am Tag danach fast zur selben Uhrzeit, laufen Mitarbeitende des nahen Stihl-Werks in kleinen Gruppen vorbei. Autos kommen, drehen, fahren zurück. Die Straße ist ist ein Nebenweg hoch nach Waiblingen-Neustadt, beliebt bei Ortskundigen. Der Fahrweg führt durch das kleine Waldstück hoch zur Siedlung. Oben vor dem Ortsschild warten schon seit längerem mehrere Stämme auf den Abtransport.

Wochen zuvor bereits Baum auf Klinglestalstraße gestürzt

Die Stadtverwaltung teilt am Tag danach mit, dass der Baum auf einem privaten Waldgrundstück gestanden habe. "Die Verkehrssicherungspflicht und die Kontrollpflicht obliegen den Grundstückseigentümern", schreibt die Pressestelle. Die Stadt habe die Grundstückseigentümer "seit längerer Zeit immer wieder sehr deutlich und auf verschiedenen Wegen" an ihre Verkehrssicherungspflicht erinnert. "In vielen Bereichen wurden von den privaten Grundstückseigentümern umfassende Rodungsmaßnahmen durchgeführt", erklärt die Verwaltung. "Auch die Stadt hat auf ihren eigenen Flächen zahlreiche Bäume gerodet."

Wir haben Grundstücksbesitzer auf verschiedenen Wegen, auch durch Anschreiben, auf das Eschentriebsterben und die Verkehrssicherungspflicht hingewiesen.

Die Anwohnerin der Klinglestalstraße bestätigt das. In den letzten Monaten und Jahren seien wiederholt Bäume gefällt worden - allerdings nicht überall. Erst vor wenigen Wochen sei ein anderer Baum ganz nahe am jetzigen Unglücksort umgefallen. Die Straße sei deshalb kurzzeitig gesperrt gewesen. Die Stadt bestätigt das auf Rückfrage. Und fügt hinzu: "Wir haben Grundstücksbesitzer auf verschiedenen Wegen, auch durch Anschreiben, auf das Eschentriebsterben und die Verkehrssicherungspflicht hingewiesen."

Fußweg nach Neustadt schon länger gesperrt

Die Fußwege - einer führt unterhalb, einer oberhalb des Waldes ab von der Klinglestalstraße - sind schon seit längerer Zeit gesperrt. Grund sei der Zustand der Treppenanlage, sagt die Stadt. Die Schilder an der Absperrung erklären indes: "Fußweg wegen Baum- und Astbruch gesperrt." Ebenfalls gefolgt von drei Ausrufezeichen. Auch auf dem Remstalradweg, der nur weniger Meter entfernt von der Absperrung die Klinglestalstraße kreuzt, war in letzter Zeit wiederholt vor allem wegen nicht mehr standsicheren Eschen gesperrt gewesen.

Am Tag nach dem Unfall ist die Klinglestalstraße in Waiblingen gesperrt. Wer von Kleinhegnach nach Neustadt will, muss einen größeren Umweg fahren. Einige ignorierten deshalb die Absperrung und fuhren doch auf der Straße, wo tags zuvor ein umstürzender  Baum einen Autofahrer getötet hat.
Am Tag nach dem Unfall ist die Klinglestalstraße in Waiblingen gesperrt. Wer von Kleinhegnach nach Neustadt will, muss einen größeren Umweg fahren. Einige ignorierten deshalb die Absperrung und fuhren doch auf der Straße, wo tags zuvor ein umstürzender Baum einen Autofahrer getötet hat. Fabian Ziehe

Die latente Gefahr von oben scheinen allerdings noch nicht alle erkannt zu haben. Noch während des Gesprächs mit der Anwohnerin hievt ein Radfahrer sein Bike an der Absperrung vorbei uns strampelt die Straße hoch. Und bei der Abfahrt kann man wenig später beobachten, wie der Beifahrer eines Lieferwagens eine Absperrzaun aus dem Weg hebt. Ein zweites Auto dahinter nutzt die Gelegenheit und kürzt auch den Weg nach Neustadt ab.

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