Die beste Barbecue-Sauce der Welt kommt nicht etwa aus den USA, aus Texas oder Tennessee, sondern aus Württemberg. Dahinter verbirgt sich ein Tüftler aus dem Kreis Böblingen. Gemeinsam mit seiner Grillmannschaft tritt er jährlich bei der weltgrößten Grillmeisterschaft in den USA an. Im Oktober wurde das Team für die Sauce mit dem ersten Platz geehrt.
Die Zauber-Sauce aus dem Ländle: "Es muss bitzeln"
Sieben Jahre lang hat Martin Kohler aus Renningen-Malmsheim (Kreis Böblingen) an der würzig-scharfen Sauce getüftelt und gefeilt - bis zur Perfektion. Karamellgolden und zähflüssig tropft sie jetzt vom Löffel: die beste BBQ-Sauce der Welt.
Auf die Frage, wie sie denn nun schmeckt, sagt Kohler nur: "Gut!" und grinst. Da spricht die schwäbische Bescheidenheit. "Ich habe sie ja auch schon oft probiert", sagt Kohler lachend. Die 70-köpfige Jury der weltgrößten Grillmeisterschaft in Tennessee war mit Worten weniger zurückhaltend: "Eine Geschmacksexplosion im Mund" - so ihr Urteil zur Zauber-Sauce aus Baden-Württemberg.
"Black Forest": Die Sieben aus dem Süden
"Black Forest" nennen sich die glorreichen Sieben – sechs Männer und eine Frau - aus dem Schwabenländle. Was sie verbindet? Die Leidenschaft fürs Grillen.
BBQ - das ist Kameradschaft, Zeit, vor allem Zeit und Austausch mit lauter Verrückten, positiv Verrückten. Ich wollt's nicht missen!
Seit 2012 reist das Team jedes Jahr zur renommierten Grillmeisterschaft (der Marke Jack Daniel's) in die Staaten. Ein wenig verrückt müsse man da schon sein, erzählt der zweite Martin Kohler im Bunde (tatsächlich eine zufällige Namensverwandtschaft, die bei ihren Flügen in die USA schon häufiger zu Verwirrungen geführt hat). Gegen rund 90 Teams aus aller Welt grillen sie mehrere Tage in verschiedenen Kategorien um die Wette. Fürs Siegertreppchen hatte es seither nie gereicht. Bis jetzt.
Wir haben gedacht, dieses Jahr ist es gelaufen. Und dann sagen die wirklich: erster Platz in der Kategorie "Sauce" geht an "Black Forest". Wir haben es gar nicht glauben können. Das war ein Fluss voller Tränen, mir ist der Rotz runtergelaufen auf gut Deutsch!
Was steckt drin? Das Geheimnis hinter der Barbecue-Sauce
Aber was kommt denn nun rein in die magische Sauce? Das, sagt Saucen-Maestro Martin Kohler, könne er natürlich nicht verraten. Das Rezept, handschriftlich in einem blauen Heftordner verwahrt, wird streng gehütet. Nur die Team-Mitglieder kennen die genaue Zusammensetzung. Ein wenig gibt Kohler dann doch preis. Die Basis bilden Pflaumenmus und Tomatensoße. Für die Süße kommen ordentlich Rohrzucker und Melasse dazu. Für die Säure Branntwein- und Apfelessig. Etwas Wasser, Salz und Pfeffer. Und für den Kick natürlich kräftig Chili und Cayennepfeffer. Verfeinert wird mit echter Vanille. Auf das perfekte Rezept gekommen ist Kohler durch Rumprobieren. Ihm wichtig dabei: Bitzeln muss es!
Eine Geheimzutat gibt es eigentlich nicht. Ich habe einfach rumprobiert. Ein wenig Vanille da, etwas Kardamom hier - einfach, dass es auf der Zunge ein bisschen bitzelt.
Insgesamt landen 20 Gewürze im Topf. Der kommt dann für 20 Minuten aufs Feuer. Fertig. Und die Geheimzutat? "Rühren", sagt Team-Gründer Heinz Schaal. "Und Liebe zum Detail", ergänzt Andreas Baral. Vor allem aber hebe sich die Sauce von anderen ab. Weil sie, anders als viele andere Barbecue-Saucen, nicht rauchig schmeckt, sondern vor allem eine ganz eigene süße Schärfe entfaltet.
Verbindendes Element: das Metzgerhandwerk
Wie um den Zaubertrank aus Gallien stehen die Sieben andächtig um den großen Topf am Feuer. Während die Sauce eindickt, präparieren Martin Kohler, sein Namensvetter aus Freudenstadt, Heinz Schaal, Marcus Schneider und Stephan Schlecht schon einmal die Spareribs. Nebenan, in Martin Kohlers Metzgerei. Das Metzgerhandwerk, könnte man sagen, ist die heimliche Superkraft von "Black Forest".
Fünf der sieben Mitglieder sind vom Fach und kennen sich entsprechend ganz genau aus mit Geschmäckern, Garzeiten und Fleischqualität. Das sei unter den antretenden Mannschaften bei der Grillmeisterschaft schon eine Besonderheit. In ihren Metzgereien ist die Sauce mittlerweile auch im Verkauf. 7,50 Euro kostet eine Flasche. Die erste Charge sei bereits weg, nun werde nachgekocht, erzählt Kohler. Bislang in kleinen Mengen auf dem eigenen Herd. "Aber natürlich wollen wir sie jetzt, nach diesem Erfolg, größer vermarkten", so der Tüftler.
Sicherlich nicht die letzte Grillweltmeisterschaft für das Team
Jedes Jahr entsteht ein Fotoalbum vom USA-Trip. Auf dem für 2024 prangt groß der Pokal für ihren ersten Platz: der Deckel eines Whiskey-Fasses mit Prägung und Schleife. Keine Frage, dass die Sieben auch dieses Jahr wieder antreten. "Wir wollen ja unseren Titel verteidigen!", so Kohler. Und Leidenschaft bleibt schließlich Leidenschaft.
Wir passen einfach gut zueinander. Wir sind eine Gemeinschaft. Wir sind 'Black Forest', und das ist gut.
Vielleicht ist es am Ende doch nicht so verwunderlich, dass die weltbeste Barbecue-Sauce aus dem Ländle kommt. Zu Schwaben gehört das Thema Soße halt einfach.