Manche Dinge brauchen Zeit: Am Dienstag war in der Wilhelma Spatenstich für die neue Elefantenwelt - die Planungen dafür liefen seit 2018, Anfang 2030 soll das Prestigeprojekt dann fertig sein. Für eine Anlage für Zwergflusspferde gibt es seit 2013 erste Überlegungen, 2018 existieren konkrete Pläne. Die in ihrer Heimat Westafrika gefährdeten Tiere sollen ein Gehege am Neckarufer gegenüber vom Haupteingang erhalten - also außerhalb der Wilhelma, um dem botanisch-zoologischen Garten ein Schaufenster zu bieten. Zumal grade die "Mini-Hippos" ein Publikumsmagnet sind, wie etwa im elsässischen Zoo in Mulhouse.
Förderverein der Wilhelma klagt über Verwaltung
Passiert ist bislang nichts. Bis heute diene die Fläche am Neckar "als Grünfläche, vielleicht als Hundeklo - jedenfalls nicht als Anlage für Zwergflusspferde", so Georg Fundel, Vorsitzender des Vereins Freunde und Förderer der Wilhelma. Er wurde bei seiner Rede beim Spatenstich der Elefantenwelt deutlich: Aus seiner Sicht gibt es dafür nur einen Verantwortlichen und das sei die Verwaltung. Man warte nur noch auf das Baurecht seitens der Stadt. "Aber da ist die Stadt untergetaucht", sagt Fundel. In den Gesprächen hätten sich viele Stellen in der Verwaltung eingeschaltet - am Ende ohne greifbares Ergebnis.
Die Verwaltung tut an der Stelle, was sie will - und im Zweifelsfall gar nichts.
"Wir können morgen bauen", betonte Fundel, der dem Förderverein mit 36.000 Mitgliedern vorsteht. Dieser hatte in den vergangenen Jahren mit etlichen Millionen Euro Projekte der Wilhelma unterstützt. Auch die Idee mit den Zwergflusspferden treibt der Verein mit voran: Die Pläne seien da, die Finanzierung sei gesichert. Und auch am Willen seitens Land, Wilhelma und Förderverein sowie OB Frank Nopper (CDU) und Gemeinderat mangle es nicht. "Aber die Verwaltung tut an der Stelle, was sie will - und im Zweifelsfall gar nichts", sagt Fundel. Dabei könnte man auch jetzt noch das Projekt bis zur Internationalen Bauaustellung IBA 27 fertigstellen. "Am Ende entscheidet die Stadt", so Fundel.
Stadt Stuttgart: Gesamtkonzept für Rosensteinufer steht noch aus
Die Stadt Stuttgart verweist auf SWR-Anfrage darauf, dass eine Zwergflusspferde-Anlage am Neckarufer beim Rosenstein auch von der Fertigstellung der Baustellen für den Rosensteintunnel/Leuzeknoten und die neue S21-Bahnbrücke abhänge. Erst danach könne man den Straßen- und Uferbereich an dem Neckarabschnitt dauerhaft gestalten. "Für die übrige Parkfläche am Rosensteinufer ist zunächst eine Interimslösung vorgesehen", erklärt das Referat für Städtebau, Wohnen und Umwelt.
Für das Rosensteinufer inklusive Zwergflusspferd-Anlage müsse zunächst noch die Gestaltungs-Konzeption abgeschlossen werden. Dazu gehört auch die Anlegestelle für die Ausflugsschiffe des "Neckar-Käptn" nahe des Geheges - etwa wegen der Fluchtwege. Für die Befestigung der Bootsstege seien noch Bodengutachten notwendig, auch im Neckar selbst. "Wenn diese Rahmendaten feststehen, müsste die Wilhelma ein Betriebskonzept vorlegen, das die Behörden dann prüfen können", erklärte die Stadt. Sprich: Es braucht noch viel Planung und Abstimmung.
Direktor Kölpin zeigt Verständnis für Stadt Stuttgart
Zoodirektor Thomas Kölpin zeigte dem SWR gegenüber auch Verständnis für die Stadt und deren Perspektive, das Rosenstein-Ufer des Neckars insgesamt gestalten zu wollen - zumal neben dem potenziellen Standort für die Zwergflusspferde noch bis etwa 2031 die neue Rosensteinbrücke entstehen soll. "Insofern wird das zeitlich wohl noch etwas brauchen", sagte er im Gespräch mit dem SWR. Klar ist aber, dass man sich als Wilhelma diesen Neubau wünsche. Mein schaue da aber "optimistisch" in die Zukunft.
Die neue Anlage würde eine Tradition weiterführen. Die kleinen Flusspferde gab es Jahrzehnte lang in der Wilhelma. Viele Besucherinnen und Besucher dürften sich noch an Hannibal erinnern, der mit 50 Jahren sehr alt wurde - in Menschen-Jahren wären das 140 Lebensjahre, erklärten damals die Fachleute.