Wohnungsnot in der Landeshauptstadt

Leerstehende Wohnungen in Stuttgart: Wird zu wenig getan?

Nach wie vor ist Wohnraum knapp in Stuttgart. Dabei stehen rund 11.000 Wohnungen leer. Tut die Stadt zu wenig, um den Leerstand zu bekämpfen und die Wohnungen wieder zu aktivieren?

Teilen

Stand

Von Autor/in Kerstin Rudat

Mehr als 11.000 Wohnungen stehen in Stuttgart leer. Das ergibt sich aus aktuellen Zahlen des Statistischen Amts der Stadt. Ein Unding, wo doch Wohnraum in der Landeshauptstadt so knapp ist und vor allem Familien verzweifelt bezahlbare Wohnungen suchen, findet der Stuttgarter Mieterverein. Könnte mehr getan werden, um die leerstehenden Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen?

Mieterverein: Leerstand in Stuttgart kann besser verfolgt werden

Die im Juni von der Stadt Stuttgart veröffentlichte Analyse des Wohnungsleerstands zeige das mögliche Potenzial für Neuvermietungen, teilt der Mieterverein mit. "Von den 11.152 Wohnungen stehen 6.100 seit mehr als einem halben Jahr leer", erklärt Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Stuttgarter Mietervereins. "Damit fallen sie unter das Zweckentfremdungsverbot, das einen Leerstand von mehr als sechs Monaten untersagt." Gaßmann macht zum Vergleich noch eine Rechnung auf: 6.100 Wohnungen entsprächen in Stuttgart der Neubauleistung von sechs Jahren.

Und selbst mit diesen neu gebauten Wohnungen werde auch die Neubauquote nicht erfüllt. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) war 2020 zur Wahl angetreten mit dem Versprechen, die Neubauquote seines Vorgängers Fritz Kuhn (Grüne) zu übertrumpfen: Kuhn hatte das Ziel ausgegeben, jährlich 1.800 Wohnungen in Stuttgart neu bauen zu lassen, Nopper wollte mindestens 2.000 neue Wohnungen jährlich. Die Quote wurde weder vor 2020 noch jetzt in Noppers Amtszeit erfüllt, denn Bauen ist inzwischen sehr teuer geworden. Zudem stehen alle Kommunen vor finanziell schwierigen Zeiten.

In Stuttgart gilt das Zweckentfremdungsverbot seit 2016. Beim Baurechtsamt gibt es dafür zwei Personalstellen. Bürgerinnen und Bürger können Leerstand melden. Jede Meldung werde dann individuell geprüft, heißt es bei der Stadt. Das sei aufwendig, und das Personal würde dafür nicht ausreichen, sagt Gaßmann. Er fordert, dass die Stadt die Möglichkeiten, die sie hat, um gegen Leerstand vorzugehen, stärker nutzt: "Es könnten schon öfter Bußgelder erteilt werden."

Das habe ja auch abschreckende Wirkung. "Zudem wird die Registrierungspflicht sowie die Möglichkeit, Leerstand zu melden, gar nicht beworben", ärgert sich der Mieterverein-Vorsitzende. Das könne man im Amtsblatt problemlos regelmäßig machen. Berlin und Hamburg, wo es auch ein Zweckentfremdungsverbot gibt, hätten nur halb so viel Leerstand, sagt Gaßmann. Offensichtlich arbeiteten dort die Stadtverwaltungen effektiver.

Stuttgart

Großer Investitionsbedarf "Finanziell schwierige Zeiten": Das plant Stuttgarts OB Nopper für 2025

Die Stadt stehe vor großen Herausforderungen, sagt Oberbürgermeister Nopper. Im SWR-Interview macht er deshalb bei einem Projekt in der Innenstadt ein Fragezeichen.

SWR4 am Samstagmorgen SWR4

Zusätzlich problematisch: hohe Mieten, zu wenig Neubau

Wenn noch dazu zu wenig neu gebaut wird und die Mieten hoch bleiben, ist die Wohnungsnot der größte Faktor, an dem das Anwerben dringend gebrauchter Fachkräfte scheitert. Darauf machte auch die baden-württembergische Bauwirtschaft mit einer Demonstration in Stuttgart im März 2024 aufmerksam. Und im vergangenen Jahr hat eine Untersuchung ergeben, dass 71 Prozent der Menschen, die aus Stuttgart wegziehen, dies vor allem tun, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden.

Stadt Stuttgart: Bußgelder sind das letzte Mittel

Die Stadt Stuttgart teilt auf SWR-Anfrage mit, dass sie gemäß des Auftrages des Gemeinderats alles dafür tut, leerstehende Wohnungen wieder dem Markt zuzuführen und Besitzerinnen und Besitzer entsprechend zu sanktionieren. Sie weist jedoch darauf hin, dass auch der Gemeinderat Bußgelder als letztes Mittel im Kampf gegen Leerstand definiert habe. "Der Auftrag an die Verwaltung war, auf die Eigentümer beratend und aufklärend einzuwirken", heißt es. Daher seien seither Bußgelder in Höhe von nur knapp 30.000 Euro festgesetzt worden.

Allerdings, so die Stadt, setze ihre Arbeit vor den Bußgeldern an. So seien 400 Wohnungen auf Druck der Stadtverwaltung hin wieder dem Markt zugeführt worden. Zudem habe es die "Sicherstellung von 400.000 Quadratmetern Ersatzwohnraum und Ausgleichszahlungen von mehr als zwei Millionen Euro" gegeben.

"Leerstand mit Leben füllen!" steht auf einem Plakat an einem Haus in Stuttgart, das leer steht.
Rund 11.000 Wohnungen stehen in Stuttgart seit Jahren leer. Initiativen vor allem im Osten und in Bad Cannstatt machen immer wieder mit Plakaten und Stickern auf die Lage aufmerksam. picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow (Archivbild)

Stadt Stuttgart: Nicht jede leerstehende Wohnung ist zweckentfremdet

Darüber hinaus weist die Stadt darauf hin, dass nicht jede Wohnung, die leer steht, auch gleich illegaler Leerstand oder illegale Nutzung gemäß einer Zweckentfremdung sei. Von der Zweckentfremdung gebe es zahlreiche Ausnahmen, sei es aus Altersgründen, aufgrund von Sanierung oder baurechtlichen Mängeln, weil ein Abbruch bevorsteht oder weil es sich um Betriebs- oder Hausmeisterwohnungen handelt. Und nicht jede Monteurs- oder Ferienwohnung sei zweckentfremdet und dem Wohnungsmarkt dauerhaft entzogen.

Leerstandsquote in Stuttgart liegt bei 3,5 Prozent

4.200 Wohnungen waren laut Stadt länger als ein Jahr nicht mehr bewohnt, knapp die Hälfte der insgesamt leerstehenden Wohnungen konnte nach Angaben der Eigentümerinnen und Eigentümer innerhalb von drei Monaten nach dem Stichtag wieder bezogen werden. Das ergebe eine Leerstandsquote von 3,5 Prozent in Stuttgart - diese sei seit 2011 leicht gesunken.

Stuttgart-Zuffenhausen

Quartier Böckinger Straße Eines der größten Wohnbauprojekte in BW: 400 neue Wohnungen in Stuttgart-Zuffenhausen

In Stuttgart herrscht Wohnungsmangel. Nun entsteht im Stadtteil Zuffenhausen eines der größten Wohnungsbauprojekte in Baden-Württemberg.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Stuttgart

Wohnen in der Landeshauptstadt Mieten in Stuttgart weiter gestiegen - wenn auch moderat

Wohnen zur Miete in Stuttgart wird immer noch teurer, wenn auch nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Jahren. So hoch ist die neue Vergleichsmiete, die ab 2025 gilt.

SWR4 BW am Samstagmorgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Kerstin Rudat
Kerstin Rudat

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!